Hallo zusammen,
hier kommt ein kurzer Rückblick auf das Polarlichtjahr 2012.
2012 konnten in Mitteleuropa in 21 Nächten Polarlichter beobachtet werden, wobei aus der Vielzahl der lichtschwachen Displays die Ereignisse am 15. März (s. http://www.polarlichter.info/20120315.htm ) und am 14./15./16. Juli (s. http://www.polarlichter.info/20120715.htm ) deutlich herausragten. Eine Übersicht aller 21 Polarlichtnächte findet Ihr unter http://www.polarlichter.info/chronik.htm#y2012 . Wenn Ihr dort mit der Maus jeweils auf das Datum und auf die Helligkeit zeigt, werden weitere Informationen als "Tip-Tool" angezeigt. Einen weiteren, etwas ausführlicheren Überblick gibt es bei Thomas Sävert unter http://www.saevert.de/aurorapics2012.htm . Bei Thomas sind einige Ereignisse nicht aufgeführt. M.E. waren die hier im Forum präsentierten Nachweise jedoch eindeutig, sodass ich für 2012 auf 21 Polarlicht-Nächte komme. Das ist eine deutliche Steigerung gegenüber 2011 mit 10 und 2010 mit 5 Polarlichtnächten. Rein quantitativ hat 2012 mit 21 Polarlichtnächten sogar einen neuen Rekord seit Beginn der systematischen Beobachtungen im Jahr 2000 aufgestellt. Der vorherige Spitzenhalter war das Jahr 2001 mit 19 Polarlichtnächten. Damals gab es allerdings anders als in 2012 4 Nächte mit hellen und sehr hellen, bis südlich der Alpen sichtbaren Displays.
Schauen wir uns nun die Entwicklung der Sonnenaktivität in 2021 an. Unter http://www.polarlichter.info/zyklus24.htm habe ich alle M-Class und X-Class-Röntgenflares des laufenden Zyklus aufgeführt (und hoffentlich keinen übersehen). Das Jahr brachte mit 124 M-Flares und 7 X-Flares etwa genauso viele wie 2011 (108 M-Flares, 8 X-Flares); in 2010 gab es lediglich 21 M-Flares und keinen X-Flare. Bei der Klassifikation habe ich mich an SolarSoft orientiert; das SWPC führt einige M-Flares auf, die SolarSoft nur als C-Flares einstuft und umgekehrt. Da SolarSoft den Ursprung vieler Flares in den Event-Tabellen nicht nennt bzw. nur die Koordinaten auf der Sonne angibt, habe ich mich bei der Zuordnung der Flares zu den aktiven Regionen an das SWPC gehalten.
Obwohl 2012 zahlreiche starke Röntgenflares auftraten, gab es immer wieder wochenlange Zeiträume mit geringer Aktivität. Fast 2/3 der M-Class-Flares konzentrierten sich auf lediglich 3 größere Episoden verstärkter Sonnenaktivität im März, Mai und Juli. Jede dieser Episoden brachte 10 oder mehr M-Class-Flares sowie (außer Mai) X-Class-Flares hervor; stets waren mehrere aktive Regionen beteiligt. 2 der erwähnten 3 Aktivitätsphasen zogen in Mitteleuropa Polarlichter nach sich, nämlich genau die eingangs erwähnten beiden herausragenden Ereignisse. Von den 8 kleineren Aktivitätsperioden (Januar, Juni, Ende Juli, August, Anfang und Ende Oktober, Mitte und Ende November) brachten 4 insgesamt 8 Polarlichtnächte hervor, wobei in 3 Fällen Hochgeschwindigkeits-Sonnenwinde aus Coronal Holes beteiligt waren. Die übrigen 10 Polarlichter traten in Phasen geringerer Sonnenaktivität auf. Davon war dreimal eine CME die Ursache, viermal ein Coronal Hole, einmal (08.08.12) allein ein Sektorwechsel im HCS; die Ursache von zwei schwachen Polarlichtern (19. und 23.05.2012) ließ sich nicht klären.
Als Fazit des Jahres 2012 bleibt wie im Vorjahr festzuhalten, dass Episoden mit mehreren aktiven Regionen und zahlreichen starken Röntgenflares auf der Sonne zwar die Chancen auf Polarlichter in Mitteleuropa steigern, aber keine zwingende Voraussetzung für deren Auftreten sind. Schwache Polarlichter können in Norddeutschland auch nach eher unscheinbaren Events auf der Sonne (C- und sogar B-Class-Flares, CHs) beobachtet werden, wenn die Ausrichtung des IMF günstig ist und/oder zum passenden Zeitpunkt ein Sektorwechsel im HCS erfolgt. Das Beispiel vom 08.08.2012 hat einwandfrei belegt, dass sogar ein Sektorwechsel alleine schwache Polarlichter hervorbringen kann. Die Ereignisse am 30.01.2012 und am 19.05.2012 wiederum zeigten, dass selbst bei einem globalen Kp-Wert von lediglich 3 in Ausnahmefällen fotografisches Polarlicht in Norddeutschland auftreten kann. Damit dürfte aber auch die untere Grenze markiert sein, bei der bei uns Aurora überhaupt möglich ist.
Die erstaunliche Anzahl an Nachweisen auch sehr schwacher Polarlichter hängt zu einen mit der inzwischen erfreulich großen Anzahl von Beobachtern und deren Ausrüstung mit Digitalkameras zusammen. Zum anderen spielt die automatische Himmelsüberwachung eine Rolle. 5 der 21 Displays wurden ausschließlich an den IAP-Cams und/oder die Webcam von Michael Green in Büdelsdorf nachgewiesen. Denken wir uns 10 Jahre zurück, so wäre die Jahresbilanz vermutlich deutlich magerer ausgefallen.
Viele Grüße aus Bonn,
Stefan
Rückblick auf das Polarlichtjahr 2012
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