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von Elmar Schmidt » 21. Apr 2014, 00:45
Hallo Stefan,
der Danjon-Wert gibt darzustellen vor, wie dunkel eine Mondfinsternis war. Wenn nun eine Stufe für eine Variation von 2,3 Größenklassen steht (also einen Faktor mehr als 8 in linearer Helligkeit), ist das in meinen Augen gelinde gesagt ein Witz, erst recht, wenn man berücksichtigt, daß viele, die ihn da einfach vergeben, vielleicht im ganzen Leben nur 2-3 Mondfinsternisse unter adäquaten Bedingungen beobachtet haben. Charles Wood vom LPOD schrieb mir übrigens, daß viele die letzte Finsternis für "dunkel" hielten, na toll auch ... (vgl. das PS).
Der Großteil der Danjon-Variation ist im übrigen trivialerweise nur mit der Eindringtiefe in den Erdschatten korreliert. Damit - wie ein gewisser Richard A. Keen, der es einmal irgendwie nach "Science" geschafft hat - hochatmosphärische Effekte zu quantifizieren, ist problematisch. So was machen Satelliten und LIDAR heute viel genauer. Es ist deshalb auch gar nicht mein Ziel. Ich will nur wissen, wie es wirklich ist, weil, wie Du richtig schreibst, alle Schätzmethoden unzulänglich sind.
Eine "verbesserte Version der Mallama-Tabelle" befindet sich im Grunde in meinen Ergebnissen. Mal sehen, wann und wie ich die publiziere. Mir liegt es nicht, wie die Amis irgendwas rauszuhauen, um es dann jahrzehntelang nicht mehr zu korrigieren, selbst wenn das nötig wäre. Was Mallama, wie an seinen Prognosen für die "flachen" Halbschattenfinsternisse ablesbar (z.B. der vom Aug. 2009, die war tatsächlich -12,8 m; er aber schrieb -12,5 m), anscheinend gar nicht berücksichtigt, ist der Oppositionseffekt des Mondes, der im Grund JEDE Finsternis noch um -0,3 m ins hellere schiebt, und das sind linear mehr als 30%.
Ich bin auch nicht sicher, mich auf die ganze sog. "Tetrade" von totalen Mondfinsternissen (wieder so was hoch gepuschtes, das gibt's mehrmals pro Jahrhundert...) zu stürzen. Sicher nur auf die letzte derselben, welche ugf. über den Kanaren zentriert ist. Zunächst möchte ich die Meßtechnik auf die nächste Stufe bringen (evtl. mit spektraler Info), und das geht dann nur noch mit einem Nachführteleskop an einer gastgebenden Einrichtung.
Gruß, Elmar
PS: was mich sowohl an Sonnen- wie auch an Mondfinsternissen in der öffentlichen Wahrnehmung stört, ist jene Mischung aus Hype und Pseudowissenschaft, die neben der Kommerzialisierung zu medialen Ankündigungen von "schwarze Sonne, Blutmond, Supermond" usw. führt. Ich hab gar nichts dagegen, wenn jeder solche Ereignisse auf seine Weise genießt, von mir aus auch aus einem wackligen Flieger, aber irgendwie geht's mir gegen den Strich, wenn ich wie 2001 in Sambia Leuten über den Weg laufe, die zwar mit Einsatz von viel Geld X Sonnenfinsternisse abgehakt haben, aber nachts das Kreuz des Südens nicht finden. Auf ähnlicher Linie liegen jene vielen reinen Erinnerungsfotos oder auch kuriose Collagen und diverse "Szenen", die nach Finsternissen massenhaft Seiten wie Space Weather überfluten. Da wünschte ich mir eigentlich die Zeit und Muße des chemischen Films zurück.