Beobachtungen von heute Morgen (29.01.2016)

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Christoph Gerber
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Beobachtungen von heute Morgen (29.01.2016)

Beitrag von Christoph Gerber » 29. Jan 2016, 23:15

Beobachtungen von heute Morgen (29.01.2016)

JUPITERMONDE III+IV
Nach dem Regen am späten Abend klarte es nachtsüber allmählich auf, und als ich gegen 5:45 MEZ aufwachte, war es wolkenlos. Mein vorrangiges Beobachtungsziel: endlich(!) war es einmal klar, wenn die Jupitermonde III+IV weitab von Jupiter in enger Konjunktion stehen. Es ist die erste Gelegenheit die sich mir seit Januar 2014 (s.hier) bot, um die mögliche Sichtbarkeit des "Doppelmondes" mit BA zu prüfen. Allerdings befand sich der noch nicht ganz im Letzten Viertel stehende Mond gerade einmal 15° östlich des Jupiters - keine Chance: Die Grenzgröße in Jupiternähe lag bei +5.3 mag. Die kombinierte Helligkeit von III+IV sollte nach stellarium +5.45 & +6.44 ---> +5.09 mag. Da aber die Jupitermonde aufgrund der Nähe zum völlig überstrahlten Planeten deutlich schwächer erscheinen (nach meinen bisherigen Beobachtungen ca. 0.7–1.0 mag), erwies sich das Unternehmen als aussichtslos. Aber ich konnte die Gelegenheit nutzen, die Helligkeiten der Monde erneut mit 12x60 zu schätzen, um die tatsächlich zu erwartende kombinierte Helligkeit zu ermitteln. Günstige Vergleichsterne standen unmittelbar südlich des Jupiter im Blickfeld. Das Ergebnis:
Mond III: nach stellarium +5.45, beobachtet +6.5 --> also +1.0 mag schwächer
Mond IV: nach stellarium +6.44, beobachtet +7.5 --> also +1.0 mag schwächer
Wieder ein konsistentes Ergebnis, das mit den bisherigen übereinstimmt.
Mond II war ebenfalls zu erkennen, allerdings sehr dicht neben dem Jupiter (der Abstand zum Planeten entsprach dem zwischen III und IV, also ca. 0.6', auch wenn II tatsächlich schon etwa 1.0' vom Jupiterrand entfernt war). Er war entsprechend viel schwerer zu schätzen, erschien aber etwas schwächer als IV:
Mond II: nach stellarium +6.12, beobachtet etwa +7.6 --> also etwa +1.5 mag schwächer.
Demnach sollte das kombinierte Licht von III+IV etwa +6.5 & +7.5 ---> +6.1 mag betragen - weit jenseits der Sichtbarkeitsgrenze in der Nähe des Mondes...

ALHPA1&2 LIB: der richtige Augenprüfer!
Der Doppelstern Mizar in der Deichsel des Großen Wagens (Zeta UMa, "Reiterlein") gilt im Volksmund als "Augenprüfer" (Abstand 13'). Allerdings muss man schon eine recht schlechte Sicht haben, um dieses Sternenpaar nicht mehr mit bloßem Auge auflösen zu können. Für wirklich scharfe Sicht kommen da andere Sternenpaare als Prüfer in Frage: vor allem Epsilon LYR (Abstand 5', mit +5.0 und +5.3 etwa gleichhell), ein Paar, das noch relativ gut getrennt werden kann. Schon deutlich schwieriger ist das Paar Alpha 1&2 LIB (Abstand 4', mit +2.8 und +5.1), das aufgrund seines Helligkeitsunterschiedes ein echter Prüfer für scharfe Augen ist.
Da Mars in diesen Tagen nördlich des Sternes vorbeizieht (die Konjunktion erfolgt am 1.2., wenn auch der Mond bei Mars steht), habe ich diese Herausforderung als Ersatz für die der Jupitermonde genommen. Tatsächlich gelang es mir mehrmals, den schwachen Begleiter mit BA zu erhaschen. Dass dies von der Helligkeit her möglich war, zeigte My LIB (+5.6 mag), der links vom Mars auch deutlich mit BA zu erkennen war.

MERKUR
Und dann war ich auf Merkur gespannt: konnte ich heute wirklich alle fünf Planeten sichten? Die Ekliptik war durch die Planeten sowie Regulus und Spica fast in ihrem gesamten Verlauf am Morgenhimmel gekennzeichnet!
Um 7:18 (als ich endlich eine freie Horizontsicht gefunden hatte) war dann Merkur tatsächlich mit BA ohne Probleme zu sehen. Ich konnte ihn bis 7:30 verfolgen, dann verschwand er in der hellen Dämmerung.
Aber es ging mir nicht primär darum, die mit BA sichtbaren Planeten alle zusammen zu sehen. Das Besondere an dieser Merkurbeobachtung ist die Tatsache, dass ich ihn vor knapp über einem Monat am Abendhimmel ebenfalls gesehen habe. Aufeinanderfolgende Sichtungen am Abend- und dann am Morgenhimmel können aufgrund der Lage der Ekliptik nur um die Jahreswende (oder zur Jahresmitte) erfolgen. Das ist schon selten genug – und dann muss auch noch das Wetter mitspielen. Diesmal hat es geklappt!

Christoph

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