Seltsame Zugbahn von Sonnenfleck?

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Thomas Klein
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Seltsame Zugbahn von Sonnenfleck?

Beitrag von Thomas Klein » 31. Mär 2016, 22:00

Hallo zusammen,

ich habe mir gerade die Sonne angeschaut und dabei ist mir was merkwürdiges aufgefallen.
Die Sonnenflecken ziehen ja normal immer vom linken Sonnenrand zum rechten, ohne groß in der Höhe abzudriften.
Der aktuelle Sonnenfleck 2526 ist jedoch recht stark nach Süden abgedriftet. Ich kann mir daraus keinen Reim machen, wisst ihr, an was das liegen könnte?
Collage_klein.jpg
Ich habe mal die Bilder der letzten 4 Tage übereinander gelegt, da erkennt man schön die Verlagerung nach Süden.
Überlagert2.jpg
Ich habe es mal grob vermessen, der Winkel zur Horizontalen beträgt etwa 8°.
Kann das etwas mit dem bevorstehenden Minimum des Zykluses zu tun haben, oder herschen im inneren des Fleckes vielleicht besondere magnetische Felder, sodass der Fleck abdriftet?

Ich hoffe, ihr könnt mir auf die Sprünge helfen.

Gruß
Thomas

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Elmar Schmidt
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Re: Seltsame Zugbahn von Sonnenfleck?

Beitrag von Elmar Schmidt » 1. Apr 2016, 06:19

Hallo Thomas,

hast ein gutes Kameraauge. Der Effekt ist aber normal; denn die Rotationsachse der Sonne ist etwa 7,25 Grad zur Ekliptik geneigt, und zwar so, daß uns Ende März ihr Südpol und Ende September ihr Nordpol zugekehrt ist, vgl.

http://jgiesen.de/sunrot/index.html
http://www.atoptics.co.uk/tiltsun.htm

Die "Abdrift" in Deinen aktuellen Bildern müßte dann aber eigtl. nach Norden gerichtet sein. Ich gehe mal einstweilen davon aus, daß Du kein invertierendes Fernrohr für sie verwendet hast.

Gruß, Elmar

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Laura Kranich
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Re: Seltsame Zugbahn von Sonnenfleck?

Beitrag von Laura Kranich » 1. Apr 2016, 09:55

Moin Moin!

Ich würde die Ursache eher in der Art der erdgebundenen Beobachtung suchen.
Wenn du jeden Tag zur exakt selben Zonenzeit (welche eine mittlere Zeit ist) fotografierst, ist das nicht immer die selbe Lokalzeit und außerdem befinden wir uns gerade in einer Jahreszeit, wo die Sonne am schnellsten am Himmel an Höhe gewinnt. Ich schätze, dass das ein Effekt ist, der irgendwie damit zusammenhängt..?
Viele Grüße aus Berlin,
Laura

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Thomas Klein
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Re: Seltsame Zugbahn von Sonnenfleck?

Beitrag von Thomas Klein » 1. Apr 2016, 09:58

Ich habe mir die Bilder von der NASA angeschaut :wink:
http://sohowww.nascom.nasa.gov/data/realtime/

Die Ursache liegt nicht an irgendwelchen Beobachtungen von der Erde aus :P

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Laura Kranich
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Re: Seltsame Zugbahn von Sonnenfleck?

Beitrag von Laura Kranich » 1. Apr 2016, 10:18

Haha genial!
Es ist noch viel einfacher!
Elmar hat die Erklärung schon geliefert, obwohl er nicht die richtige Schlussfolgerung gezogen hat.

Das Bild verdeutlich es sehr gut, es liegt tatsächlich daran, dass wir im Moment ein wenig "von unten" auf die Sonne schauen und die Sonnenflecken aus dieser Perspektive daher keine geraden Linien auf der Sonnenscheibe beschreiben.

Hier mal dasselbe mit dem Magnetogramm, wo man deutlich mehr Strukturen auf der ganzen Sonnenscheibe erkennen kann.
Bild

Alle Strukturen beschreiben einen nach unten geöffneten Bogen, da der Nordpol derzeit hinter dem Horizont liegt bzw. wir nicht genau auf den Äquator schauen. :)
Viele Grüße aus Berlin,
Laura

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Re: Seltsame Zugbahn von Sonnenfleck?

Beitrag von wolfgang hamburg » 1. Apr 2016, 10:37

Moin Thomas,

SOHO, ACE u.ä. ist von der Sonne ausgesehen, von der Erde aus. Diese Sats sind beim L1 Punkt. L1 ist auf der Linie Erde-Sonne nur 1,5 Millionen km vom Erdmittelpunkt entfernt. Die Rotationsachse der Sonne "steht" nicht senkrecht zur Ekliptikebene(Ebene der scheinbaren Sonnenbahn), deshalb schauen wir(und unsere Sats) wohl meist "schief" auf die Sonne. Der Fleck 12526 hat schon seit dem Aufgehen die Sonnenbreite S05.

Oder antworte ich jetzt auf einen Aprilscherz?

BR, wolfgang

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Re: Seltsame Zugbahn von Sonnenfleck?

Beitrag von Hans Hopf » 1. Apr 2016, 11:19

Hallo,

einfach mal schauen, wann Thomas dieses Thema eröffnet hat!
Gruß
Hans

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Re: Seltsame Zugbahn von Sonnenfleck?

Beitrag von wolfgang hamburg » 1. Apr 2016, 11:21

Moin moin,

der Absendezeitpunkt(genau 0Uhr MESZ am 1.4.) deutet einen Aprilscherz an . Dieser ist aber einer der intelligenten Art! Danke, Thomas!

Grüße wolfgang

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Re: Seltsame Zugbahn von Sonnenfleck?

Beitrag von Thomas Klein » 1. Apr 2016, 17:12

wolfgang hamburg hat geschrieben:Oder antworte ich jetzt auf einen Aprilscherz?
Genau das hast du getan.
War natürlich ungünstig, dass ich die Sonne in die "falsche" Richtung gedreht habe. In die andere Richtung wäre es eindeutiger gewesen. Aber letzten Endes wurde es ja doch noch entlarvt :-D

Gruß
Thomas

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Re: Seltsame Zugbahn von Sonnenfleck?

Beitrag von Laura Kranich » 1. Apr 2016, 17:53

Ich war schon immer ne Spaßbremse.. :P

Aber ich bin heut schon auf ganz anderes reingefallen:
https://www.facebook.com/severeweatherE ... 22/?type=3

Ich konnte mir aber auch nach etwas Überlegen nicht vorstellen, wie man einen Aufwind mit einer Rakete unterbinden will.. :-D
Viele Grüße aus Berlin,
Laura

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Re: Seltsame Zugbahn von Sonnenfleck?

Beitrag von Elmar Schmidt » 1. Apr 2016, 18:34

Hallo,

der hier ist natürlich easy

http://epod.usra.edu/blog/2016/04/mega- ... laris.html

Aber nochmal, auf die Gefahr hin, begriffsstutzig zu sein: warum soll ein Sonnenfleck keine scheinbar gekrümmte Bahn vollziehen können?

Gruß, Elmar

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Re: Seltsame Zugbahn von Sonnenfleck?

Beitrag von Laura Kranich » 1. Apr 2016, 19:31

Elmar Schmidt hat geschrieben: Aber nochmal, auf die Gefahr hin, begriffsstutzig zu sein: warum soll ein Sonnenfleck keine scheinbar gekrümmte Bahn vollziehen können?
Kann er ja auch, und das tun sie ja auch im Moment weil der solare Nordpol der Erde abgewandt ist.
Nur das war nicht richtig:
Elmar Schmidt hat geschrieben:Die "Abdrift" in Deinen aktuellen Bildern müßte dann aber eigtl. nach Norden gerichtet sein.
Aber ich habe auch erst das Magnetogramm zurate ziehen müssen, um drauf zu kommen. :-D

Ich halte es eher für ein "Astronomensudoku" als einen Aprilscherz.. Es sei denn Thomas hat sich wirklich die Mühe gemacht und die Bilder extra so zusammengefügt, damit sie eine abwärtsgerichtete Bahn beschreiben und es quasi Zufall ist, dass der Fleck tatsächlich gerade eine solche Bahn nimmt. Ein bisschen Verwirrung bleibt auch bei mir noch.. Thomas klär uns mal auf!^^
Viele Grüße aus Berlin,
Laura

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Re: Seltsame Zugbahn von Sonnenfleck?

Beitrag von Elmar Schmidt » 1. Apr 2016, 20:30

Nun ja, für so falsch halte ich meinen ersten Eintrag nicht.

Unter Thomas "Abdrift" hatte ich nicht das Rechts-nach-Süden-laufen verstanden, sondern die Auslenkung der gekrümmten Bahn gegenüber einer geraden. Und die muß natürlich im Moment nach Norden zeigen, wegen der besagten Polstellung, und tatsächlich auch um knapp 8 Grad in heliographischer Breite..

Zusätzlich tritt auch diese Verdrehung aus der Nord-Süd-Richtung auf, infolge der Sonnenstellung nahe beim Frühlingspunkt, vgl. nochmals

http://www.atoptics.co.uk/tiltsun.htm

Von daher ist das doch ein völlig normales Verhalten.

Also, wer erklärt mir jetzt den Witz?

Elmar

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Re: Seltsame Zugbahn von Sonnenfleck?

Beitrag von Thomas Klein » 1. Apr 2016, 21:42

Ich habe mir die Bilder heruntergeladen, sauber ausgeschnitten, alle um 8° gedreht und dann zusammengebastelt.
Die Rotationsachse sollte halt die Vertikale Mittellinie der Sonne sein. Somit würde der Sonnenfleck abdriften. Ob das nun geht, oder nicht, weiß ich nicht.
Ich bin auf jeden Fall davon ausgegangen, dass es nicht geht :?
War aber vielleicht auch nicht sauber genug geschrieben.

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Re: Seltsame Zugbahn von Sonnenfleck?

Beitrag von Laura Kranich » 1. Apr 2016, 22:05

Ohje, wir reden wohl einfach alle etwas aneinander vorbei.^^

Ich versuche es nochmal auseinander zu klamüsern. :D
Also das Bild von Thomas ist von ihm ein wenig nach rechts gekippt, nämlich um seine 8 Grad. Hier mal Magnetogrammstack und HMI-Stack ausgerichtet und überlagert.
Bild
Südpol blau (von uns aus sichtbar, zeigt schräg nach unten auf uns zu) Nordpol gelb (nicht sichtbar, zeigt auf der uns abgewandten Seite schräg nach oben von uns weg).

Die leichte Krümmung, die in dem gekippten Bild zu dem Eindruck führt, der Fleck wandere immer schneller nach Süden, ist eine scheinbare, durch die Tatsache, dass der Fleck zwar immer die gleiche solare Breite bzw. den gleichen Abstand vom solaren Äquator hat, wir aber eben durch die von Elmar beschriebene Achsneigung der Sonne gegenüber der Ekliptik nicht genau senkrecht zur Rotationsachse drauf schauen. Wenn wir einen Null-Meridian definieren, der von Pol zu Pol die Sonne von uns aus gesehen in zwei gleich große Hälften teilt, befindet sich der Fleck nun rechts davon und wandert somit scheinbar in südliche Richtung, vor Überquerung des Meridians in nördlicher Richtung, was aber durch die Verkippung des Bildes nach rechts durchgängig südwärts aussah.
In drei Monaten, wenn wir also genau senkrecht auf den Äquator der Sonne blicken, müssten die scheinbaren Bahnen der Flecken Geraden und parallel zum Äquator sein. Wenn dann die Bahn eines Flecks gekrümmt ist, dann verändert sich tatsächlich seine solare Breite.
Viele Grüße aus Berlin,
Laura

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Re: Seltsame Zugbahn von Sonnenfleck?

Beitrag von Elmar Schmidt » 1. Apr 2016, 22:28

Hallo Thomas,

es tut mir leid, etwas an dem Scherz gekratzt zu haben. Du hättest übertreiben und die Fleckenbahn ruhig um 90 Grad drehen sollen; denn was Du tatsächlich produziert hast, kommt schlicht und einfach gelegentlich so auch vor (ekliptikal allerdings erst im Juli, s.u.), wird also vom Astronomiekundigen nicht unbedingt als Gag erkannt. Schon Scheiner und Galilei wußten, daß Sonnenflecken nicht immer gerade über die Sonnenscheibe ziehen, vgl. diese Kombizeichnung von 1626/27

http://www.astro.umontreal.ca/~paulchar ... ner.2.html

Weiterhin kommt es noch drauf an, ob man die Sonne in ekliptikalen oder äquatorialen Koordinaten betrachtet. Die Sonnenforscher machen meistens das erste (wie für jenes Magnetogramm und wohl auch bei SOHO), und dann führt die Achsneigung (Inklination der Sonnenachse) von 7,25 Grad, je nach Position der Erde auf der Umlaufbahn, zu einer mehr oder weniger starken Links- oder Rechtsneigung bzw. zeigt sich als "Zu- oder Abneigung" der Rotationsachse, jeweils um ein Vierteljahr versetzt. Der Verdrehungseffekt ist momentan tatsächlich fast Null; denn wir schauen gerade, wie Chris erklärt hat, in maximaler "Steilheit" (also ca. 7 Grad scheinbare Breitenanhebung des Sonnenäquators) auf den Sonnensüdpol. Gegenüber der nur momentan (und ein halbes Jahr später) senkrecht auf die Ekliptik projizierten Achsposition hattest Du also Deine Verdrehung ausgeführt.

Bei Wahl äquatorialer Koordinaten (also bzgl. N-S-O-W der Erde) kombiniert sich die Stellung der Sonnenachse aber noch mit dem jahreszeitlich variablen Winkel zwischen der scheinbaren Sonnenlaufrichtung und dem Himmelsäquator. Der hatte am 21. März gerade den größtmöglichen Wert von 23,5 Grad (Inklination der Erdachse) und führt zu einer Verdrehung der Sonnenachse von Norden aus im Uhrzeigersinn ("nach rechts").

Im äquatorialen Koordinatensystem (Rektaszension und Deklination) "driften" die Sonnenflecken also zur Zeit tatsächlich nach Süden ab, sogar stärker als bei Dir. Das wird allgemein von jenem Tilting-Sun-Programm gezeigt und dient zur Produktion von Koordinatennetzvorlagen für Sonnenfotos und -zeichnungen, die man deshalb braucht, weil die meisten Teleskope parallaktisch montiert sind. (Für azimutal montierte Optiken wie etwa von Fotostativen sieht's nochmals anders aus, da kommt dann in horizontbezogenen Koordinaten noch eine tageszeitliche Verdrehung dazu...)

Zusammengefaßt: die SOHO-Aufnahmen zeigen nur deshalb in diesen Wochen eine unverkippte Fleckenbahn, weil sie ekliptikal orientiert sind, UND weil die Seitwärtsneigung der Sonnenachse zur Zeit nahe bei Null liegt.

Trotzdem nachträglich April, April :-)

Herzlichen Gruß

Elmar

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