Hallo,
das ist ja eine interessante Frage. Ich kann mich noch gut an den Abend erinnern. Damals bin ich mit Freunden von der Volkssternwarte Hannover in froher Erwartung des Polarlichts nordwestlich von Hannover bei Dudensen gewesen. Zunächst war der Himmel damals völlig klar. Genau zu dem Zeitpunkt als dann eine gigantische "Polarlichtwand" bis über den Zenit hinaus reichte, kam die Wolkenfront...
Zu deinen Fotos.
Zunächst habe ich die beiden Fotos in Photoshop bearbeitet und mit der Tonwertkorrektur einiges an blau herausgenommen. Dann mit der Gradationskurve die Bilder deutlich aufgehellt, einfach um mehr zu sehen.
Dabei kommt heraus, dass da nicht nur ein helles Band sondern noch mehr helle Strukturen in den beiden Bildern sind. Außerdem sind dunkle Wolken zu erkennen. Wenn ich die beiden Fotos überlagere und so zurecht schiebe, dass die Sterne zur Deckung kommen und dann zwischen den Bildern hin und her schalte, zeigen die hellen Strukturen (der vermeintliche STEVE) und die dunklen Wolken exakt die selbe Verlagerungsgeschwindigkeit und -richtung.
Als nächsten Schritt habe ich die Bilder referenziert (Umrechnung von Pixel zu Himmelskoordinaten). Oben links im Bild ist der Kleine Wagen. Oben rechts sind Mizar und Alcor im Großen Wagen und im unteren Teil ist das Sternbild Drache.
An dem Tag, zu der Zeit, lag dieser Himmelsausschnitt zwischen Nord und Ostnordost und zwischen etwa 25 und 65 Grad Höhe.
D.h. die Wolken im Bild haben sich etwa von Nordnordwest nach Südsüdost verlagert, was exakt zu der damaligen Luftdruckkonstellation passt (Ostflanke Hoch Großbritannien):
Quelle:
Wetterzentrale
Aus der Referenzierung geht außerdem hervor, dass die Ausrichtung des hellen Bandes nicht im rechten Winkel zur Nordrichtung verläuft - wie es bei einem STEVE in etwa zu erwarten wäre - sondern ca. 40° davon abweicht.
Das Himmelsblau und die wenigen schwachen Sterne im Bild verwundern etwas, da es zu der von dir angegebenen Zeit (21:17 UTC) schon vollständig dunkel hätte sein müssen. Außerdem hätte der gesamte Bereich des Himmels in deinem Bild um die Uhrzeit von rotem und grünem Polarlicht völlig bedeckt gewesen sein müssen. Zumindest war das in Dudensen (52,6°N) so. Und dann war das in Bernitt, viel weiter nördlich erst recht so.
Bild von 23:23 MESZ (21:23 UTC) am 11.4.2001:
Mein Fazit:
Deine Aufnahmen stammen mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht von 21:17 und 21:19 UTC, sonst wäre das Himmelsareal, das sie zeigen, vollständig mit Polarlicht bedeckt gewesen. Himmelsblau - und die wenigen schwachen Sterne (bei 30s Belichtungszeit) - deuten auf eine oder vielleicht zwei Stunden davor als Aufnahmezeitpunkt hin (also lief die Kamerauhr vermutlich auf MEZ oder MESZ und nicht UTC).
An dem Abend ist uns bei Hannover nichts derartiges aufgefallen und auch nicht in meinen Fotos (Dias) von dem Abend zu sehen.
Weiterhin verlagern sich das helle Band und weitere helle Strukturen exakt so wie die dunklen Wolken (Richtung, Geschwindigkeit).
Zudem passt die Ausrichtung des Bandes nicht zu der eines typischen STEVE.
Insofern deutet meiner Meinung nach alles auf von der Dämmerung beschienene, hohe Wolken (das Band vielleicht ein Kondensstreifen?) hin, die durch die lange Belichtungszeit verwischt sind. Ein STEVE ist fast sicher auszuschließen. Leider.
Viele Grüße
Michael