Saharastaub in diesen Tagen über Mitteleuropa

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Claudia Hinz
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Beitrag von Claudia Hinz » 11. Apr 2011, 14:55

Hallo Elmar,

das ist dann aber Les Cowleys ganz eigene Definition. Historisch ist die Bezeichnung nach dem Krakatau-Ausbruch im Jahre 1883 entstanden, als Sereno Bishop diese Erscheinung erstmalig beschrieb:

"Gestatten Sie mir, besondere Aufmerksamkeit auf die sehr eigentümliche Korona bzw. den Halo zu lenken, der sich 20 bis 30 Grad von der Sonne weg erstreckt. Er war hier jeden Tag zu sehen, und dies den ganzen Tag lang. Ein weißlicher Schleier mit Rosafärbung und Lila- oder Purpurschatten vor dem blauen Hintergrund. Ich kenne keinen anderen Bericht von einer derartigen Korona. Es handelt sich um ein kaum auffälliges Objekt."

Blau wird die Korona (zumindest meiner Beobachtungserfahrung nach) nur dann, wenn hohe Luftfeuchte (also Wassertröpfchen) im Spiel sind. Dann ist sie aber viel kleiner, als der (für mich) klassische (also historisch beschriebene) Ring von Bishop.
Bei festen Partikeln ist mir noch nie ein blaues Scheibchen untergekommen, auch nicht, wenn die Aschepartikel z.B. nach einem Brand sehr groß sind. Dann war der "Ring" eher bräunlich.

Aber ihr seit die Theoretiker und könnt mich gern eines besseren belehren...

LG Claudia

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Elmar Schmidt
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Beitrag von Elmar Schmidt » 11. Apr 2011, 15:17

Aber Hal(l)o,

die Bilder bei Cowley umfassen auch schon sehr große Radien. Sowohl das Bild von Riikonen als auch das von Zubenel wurden mit Super-Wwn gemacht. Die (blumige) Beschreibung von Bishop steht für mich auch gar nicht gänzlich im Widerspruch dazu ("Lilaschatten").

Von der Physik her ist klar, daß die Erscheinung je nach Teilchengrößenspektrum mehr oder weniger große Radien und mehr oder weniger ausgeprägte Farbtrennungen mit sich bringt.

Michael Vollmer in seinem Buch redet schon ab und unter 2-3 Mikrometer Durchmesser vom Ring von Bishop, simuliert ihn dort (leider nur für rotes Licht) mit 2 Mikrometer Durchmesser (dann Aureole von ca. 20 Grad) und weist darauf hin, daß die Farben im Hofbereich nicht nur durch Beugungszerlegung, sondern auch durch Absorptionseigenschaften der Schwebeteilchen (Imaginärteil des Brechungsindex) beeinflußt werden, womit dann m.E. sowohl Bishops Farben als auch Cowleys Blau verträglich sind.

Was ich für jene Riesen-"Glasthöfe" nur einschränken wollte, ist, daß sie bei den von mir genannten Erscheinungen praktisch unfarbig waren, während der ideale Bishopring eben so aussieht

http://atmospherical.blogspot.com/2006/ ... ption.html

Herzl. Gruß

Elmar


PS: Theoretiker bin ich (leider?) keiner, für meine beiden Abschlüsse habe ich jeweils mehr Labor- als Aktenstaub geschluckt... :-)
Zuletzt geändert von Elmar Schmidt am 11. Apr 2011, 21:46, insgesamt 2-mal geändert.

Ullrich Billesfeld
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Beitrag von Ullrich Billesfeld » 11. Apr 2011, 20:23

uih,
dann könnte evtl meine sonnenuntergangsbeobachtung vom 8. april 2011 vom ölberg aus evtl genau so etwas sein?
http://www.youtube.com/watch?v=dow07uEpOPA

ich hatte auch schon vor ein paar tagen eine kleine sammlung des staubes von west afrika an hier zusammengestellt.
http://i2h.de/a75803+

edit:
auf sämtlichen dachfenstern habe ich zudem noch genügend staub zum einsammeln.
soll ich?

Michael Großmann

Beitrag von Michael Großmann » 11. Apr 2011, 20:30

Hallo Ullrichs,

nettes Video, aber Deine Beobachtung hat mit dem Bishopschen Ring nichst zu tun, Du hast zwar auch eine atmosphärische Beobachtung gemacht (ich tippe mal auf einen Kranz), allerdings enstand Deine Beobachtung an Wassertröpfchen der Wolken.

Viele Grüße
Micha

Ullrich Billesfeld
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Beitrag von Ullrich Billesfeld » 11. Apr 2011, 20:39

merci für die ultra-schnelle beantwortung.

eine weitere frage bezüglich des staubes in der luft habe ich denoch,
und zwar fehlen auf sat 24 die bilder vom freitag-mittag, genau um die zeit rumm, als es auf der autobahn gekracht hatte.

ich selber vermute dahinter zwar nur einen dummen zufall.
da ich aber seit einem jahr noch nie ein nicht-vorhandensein von bildern bei sat 24 beobachtet habe und hier die antwort von wetterdienst diesbezüglich gelesen habe,
nunja, zumindest mal nachfragen wollte ich...

falls das jetzt zu spinnert ist,
würde ich das auch verstehen... :roll:

Karl Kaiser
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Beitrag von Karl Kaiser » 12. Apr 2011, 19:32

Liebe LeserInnen!

Ich habe jetzt auch Bilder vom Sonnenuntergang mit Saharastaub online gestellt und zwar auf:
http://member.schule.at/nature/met/atmo ... -start.htm

Ein Bild davon füge ich hier ein:
Bild

Ich wünsche euch noch einen schönen Abend.

Herzliche Grüße aus Schlägl von

Karl

Ullrich Billesfeld
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Beitrag von Ullrich Billesfeld » 13. Apr 2011, 12:18

heute morgen um sieben im siebengebirge auf 420 meter höhe:

Bild

Bild

Bild

Bild

album mit grossen formaten

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Elmar Schmidt
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Beitrag von Elmar Schmidt » 18. Apr 2011, 23:50

Hallo,

könnten die Staubexperten mal updaten? Meine Mondphotometrie, die eigentlich recht zuverlässig ist, zeigte gestern (Vollmondnacht 18.04.) und wieder heute, daß es trotz wolkenlosen und scheinbar klaren Himmels in Südrichtung mindestens 40% Extinktionszunahme gibt. Könnte das evtl. wieder eine diffuse Staubglocke sein: Sahara oder etwa Pollen?

Gruß Elmar

wolfgang hamburg
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Beitrag von wolfgang hamburg » 19. Apr 2011, 06:48

Moin Elmar,

ob nun Saharastaub, Pollen oder ganz normaler Dunst, im heutigen Satfilm kann man eine weiße Schicht "bewundern". Von unten sieht man die kaum.
http://www.sat24.com/de (verfällt, schnell, kann man leider nicht mehr speichern)

Grüße wolfgang

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Elmar Schmidt
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Beitrag von Elmar Schmidt » 19. Apr 2011, 08:02

Danke, Wolfgang,

das Erstaunliche war ja gerade die Absorption ohne sichtbare Wolken. Ich hatte wirklich mit zwei schönen Mondmeßpunkten gerechnet, gestern auch noch mehrfach bis zur Kulmination (in gut 21 Grad Höhe, da krieg ich sonst durchaus schon ordentliche Werte) nachgemessen, mußte aber letztlich beide Nächte verwerfen.

Auch jetzt am Tag sieht es nach homogenem Dunst aus, der aber doch kein Hochnebel sein kann. Wäre mal interessant (LIDAR?), in welcher Höhe diese Schicht ist.

Gruß Elmar

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StefanK
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Saharastaub

Beitrag von StefanK » 19. Apr 2011, 21:00

Hallo zusammen,

gestern hat http://forecast.uoa.gr/dustindx.php noch eine sehr geringe Konzentration (Wert 1) von Staub über Deutschland angezeigt. Ich hatte nachgeschaut, weil mir die Dämmerungsfarben wieder etwas blass erschienen waren und eine dünne Dunstschicht am NW-Horizont erkennbar war. Ich war aber hier in der Stadt unterwegs und hatte keinen freien Blick. heute sah die Dämmerung ähnlich aus. Gut denkbar, dass noch etwas Sand da oben unterwegs ist. Andererseits scheint mir auch die Pollenkonzentration im Augenblick sehr hoch zu sein. Zum einen blühen die Birke noch, zum anderen auch diverse Nadelbäume, zumindest hier am Rhein. Mein Auto war jedenfalls heute ziemlich mit Blütenstaub bepudert.
Hat denn jemand Pollenkoronen gesehen?

Viele Grüße aus Bonn!

Stefan
Alles über Leuchtende Nachtwolken: http://www.leuchtende-nachtwolken.info/

Gerrit Rudolph
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Re: Saharastaub

Beitrag von Gerrit Rudolph » 19. Apr 2011, 21:06

StefanK hat geschrieben: Hat denn jemand Pollenkoronen gesehen?
Ja, siehe
http://www.meteoros.de/php/viewtopic.php?t=8399

Gruß, Gerrit

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