Sonne, Distelsamen und Spinnenseide 12.08.2011

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Sven Aulenberg
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Sonne, Distelsamen und Spinnenseide 12.08.2011

Beitrag von Sven Aulenberg » 12. Aug 2011, 19:56

Moin moin,
Da es am Himmel nix zu holen gibt, bin ich mit meiner neuen Makroscherbe mal in den Mikrokosmos abgestiegen. In der groben Baumrinde einer Kiefer sah ich ein kleines Spinnennetz, das leicht farbig wirkte, obwohl es die Sonne nur sehr spärlich beleuchtete. Die Fäden fanden durch den Wind keine Ruhe und zitterten mit mehr als 1000Hz. Dadurch sieht das Bild noch unwirklicher aus. Die Farben entstehen möglicherweise durch Interferenz.
Draufklicken und es wird größer.

Spinnweben zittern im Wind (100% Ausschnitt)

Bild

Als zweites fand ich Distelsamen, welche im Gegenlicht der Sonne ebenfalls recht farbenfroh daherkommen.

Distelsamen, 100% Ausschnitt

Bild

Die interferierenden Schneckenschleimspuren erspare ich euch. Diese muss ich nochmal bei Sonnenschein knipsen, wenn sie denn nochmal irgendwann scheinen sollte.......

Viele Grüße aus dem Mikrokosmos
Sven

Michael Großmann

Beitrag von Michael Großmann » 12. Aug 2011, 20:23

Hallo Sven,

Lichtbeugungseffekte in der Tier- und Pflanzenwelt sind genau so interessant wie die himmlischen. Großartige Aufnahmen !

Viele Grüße
Micha

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Sven Aulenberg
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Beitrag von Sven Aulenberg » 12. Aug 2011, 21:40

Hallo Michael,
Danke für die Blumen! Man muss nur richtig hinsehen, dann findet man auch etwas und ich denke es gibt in dieser kleinen Welt noch einiges zu entdecken, was mir bisher verborgen blieb. Auf der Suche nach ähnlichen Bildern im Netz, bin ich natürlich auch auf deine Seite gestoßen und habe die Erklärung für die Farben im Spinnennetz gefunden. An die Klebetropfen habe ich gar nicht gedacht. Es hat mir keine Ruhe gelassen und ich bin weiter auf die Suche gegangen und habe diesen Artikel von Schlichting gefunden:

http://www.uni-muenster.de/imperia/md/c ... ennetz.pdf

Erstaunt bin ich über den letzten Satz, in dem er von einem Regenbogeneffekt spricht.

Viele Grüße
Sven

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Elmar Schmidt
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Beitrag von Elmar Schmidt » 13. Aug 2011, 07:21

Hallo Sven,

wieder schöne Bilder und ein toller "Trick" das mit der Bewegungs- (statt Entfernungs-)Unschärfe, bin mir nicht sicher, ob das jemand schon wissentlich gemacht hat.

Zu den Regenbogenfarben: nach meinem Verständnis kommen diese durch spektrale Zerlegung an kugeligen Tröpfchen zustande. Im Zusammenhang mit Spinnennetzen dann u.a. von Tautropfen wie hier

http://www.dewbow.co.uk/bows/dew4.html

Natürlich könnte man unter Symmetrierniedrigung von zylindrischen Gebilden wie Spinnfäden auch linear angeordnete (bzw. ihnen rund im Netz herum folgende) Regen"bogen"farbstreifen (-> Micha: vielleicht auch höherer Ordnungen!) erhalten. Ob das in Schlichtings Bild 3 der Fall ist, halte ich für fraglich, dazu sehen mir die Farben zu interferenzartig aus. Übrigens hat auch William C. ("Bill") Livingston über die Optik von Spinnennetzen gearbeitet.

http://www.montana.edu/cpa/news/nwview.php?article=4955

Hier könnte es sich dann schon eher um das handeln, was Schlichting zur Diskussion stellt.

Gruß, Elmar

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Sven Aulenberg
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Beitrag von Sven Aulenberg » 15. Aug 2011, 21:59

Hallo Elmar,
Der "Trick", war einfach eine vorgefundene Begebenheit. Vielleicht hätte ich einzelne Fäden in scheinbarer Ruhe ablichten können, wenn ich die ISO sehr hoch gestellt hätte (6400 und mehr). Es hätte aber wohl nicht so gut ausgesehen. Das nächste mal werde ich noch weiter abblenden, um einen größeren Schärfebereich zu bekommen.

Was versteht du unter "Symmetrierniedrigung von zylindrischen Gebilden" ?

Wie man in folgenden Link sehen kann, sind Spinnfäden nicht immer zylindrisch sondern häufig auch korkenzieherartig:

http://www.spiegel.de/wissenschaft/mens ... 71,00.html

Wenn ich es richtig verstanden habe, dann sind die Fangfäden verdrillt, also die Querverbindungen zwischen den sternförmig angeordneten Fäden. Und die Haltefäden zylindrisch. Möglicherweise spielen diese feinen Strukturen auch eine Rolle.

Wann sehen Farben interferenzartig aus? Meinst du damit die stetig wechselnden türkisen und rosa Farbbögen, wie man sie bei Regen- und Nebelbögen (Aureolen, Irisierende Wolken etc.) sehen kann. Ich frage mich, warum so oft gerade diese Farben im Wechsel zu sehen sind?

Bei meinem heutigen Streifzug durch den Mikrokosmos, konnte ich dann ähnliche Erscheinungen an Fliegenbeinen fotografieren. Gesehen habe ich es dann aber erst am Rechner. Natürlich lag der Fokus auf den Augen, so dass die Hinterbeine unscharf sind. Wer denk aber auch an so was ;-)
Nach dem Anklicken nochmal vergrößern, dann kommt es richtig zur Geltung.
Diese haarigen kleinen Monster haben überall am Körper kleine "Leuchterscheinungen".
Bild

Viele Grüße
Sven

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Claudia Hinz
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Beitrag von Claudia Hinz » 16. Aug 2011, 08:27

Geniale Bilder, Glückwunsch! Das Monsterbild wäre auch was für den Blog: blog.meteoros.de
Vielleicht hast ja Lust, was zu schreiben ...

LG Claudia

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Elmar Schmidt
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Beitrag von Elmar Schmidt » 16. Aug 2011, 18:03

Hallo Sven,

"Symmetrieerniedrigung": Kugeln (wie kleine Regentröpfchen) sind von höchster Symmetrie mit beliebig orientierten Symmetrieachsen und beliebig großen Drehwinkeln; kreiszylindrische, gerade Fäden haben eine Achse, die nur noch gegen Umklappen (180 Grad) invariant ist, haben aber senkrecht dazu immer noch die Kreissymmetrie. In Verbindung mit parallel einfallendem Licht sollten dann statt Regenbögen farbige Streifen parallel zum Faden entstehen. Wenn die Fäden selber krumm oder verdreht sind, wird es natürlich komplizierter.

"Interferenzartige Farben": damit meine ich tendenziell ungesättigtere als Spektralfarben oder auch die nicht mehr rein spektralen Regenbogenfarben; typisch sind solche Rosa-, Türkis- und Violetttöne wie sie z.B. in den überzähligen Bögen oder irisierenden Wolken auftreten bzw. auch in Ölpfützen usw. Charakteristisch ist hier auch die vielmalige Wiederholung der Farbskala (wie auch bei Deinen Spinnfäden), was bei spektraler Zerlegung i.a. so nicht vorkommt

Gruß, Elmar

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Sven Aulenberg
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Beitrag von Sven Aulenberg » 17. Aug 2011, 22:34

Hallo Elmar,
Danke für die Erklärung. Ich werde in nächster Zeit die Spinnennetze genauer betrachten. Gestern fand ich einen einzelnen Spinnfaden zwischen zwei Pflanzen, welcher in keinem Winkel interferieren wollte. Sollte ich mehr Beispiele finden, werde ich die verschiedenen Fäden mal unter dem Mikroskop untersuchen.

@Claudia: Bist du sicher, dass du eine Fliege im Blog habe möchstest?

Viele Grüße
SsssssSSSsssSSven

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Beitrag von Claudia Hinz » 18. Aug 2011, 05:03

Ja klar, die Seite ist für ungewöhnliche Beobachtungen und die bunten Fliegenbeine gehört da auf jeden Fall dazu!

LG Claudia

Michael Großmann

Beitrag von Michael Großmann » 18. Aug 2011, 16:45

Das wär nicht die Erste Sven, wir hatten schonmal Insekten im Blog.

Viele Grüße
Micha

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Claudia Hinz
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Beitrag von Claudia Hinz » 18. Aug 2011, 17:45


Bernt Hoffmann
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Beitrag von Bernt Hoffmann » 20. Aug 2011, 22:53

@ "Spinnweben zittern im Wind"

... matrix reloaded ... fällt mir dazu spontan an ein. :D


Sehr faszinierende Fotowelten, die Du (Sven) da entdeckt hast. Ja, in der Tat - es lohnt sich in der Natur immer wieder neu genau hinzusehen.

VG, Bernt
(der ein bisschen neidisch ist auf ein gutes Makroobjektiv)

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Sven Aulenberg
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Beitrag von Sven Aulenberg » 24. Aug 2011, 19:30

Hallo Bernt,
ich bin dir noch eine Antwort schuldig, hätte es fast vergessen.
Nicht ganz so spontan aber mir viel als Titel noch "WebArts" ein :lol:

Gute Makroscherben bekommt man auch gebraucht in diversen Foren.

Im Meteoros Blog findest du auch Bilder, welche ich hier nicht gezeigt habe.

Damit möchte ich diesen Beitrag dann auch abschließen.

Im übrigen, deine HP gefällt mir auch sehr gut. Tolle Fotos!

Viele Grüße
Sven

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