Forum für Halo-Erscheinungen, Regenbögen, Blitze und alle anderen Lichterscheinungen, die neben Polarlichtern in der Erdatmosphäre auftreten.
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Bertram Radelow
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von Bertram Radelow » 19. Nov 2016, 00:49
hi,
kann mich mal jemand zur Liljequist Nebensonne aufklären? Gilt sie aktuell noch als eigenständige Nebensonne oder ist sie nur ein Nebeneffekt von sehr sauber sechseckigen Plättchen?
Ich habe mein Archiv durchforstet und hier ein vermutlich schönes Exemplar? Alle Bilder sind plusminus innerhalb einer Minute ausser dem letzten, das entstand 15 Minuten später. Die dortige 120°-Nebensonne war vorher noch nicht zu sehen. Die Punkte sind bei 120°/180°/240° zur Sonne.
LG
Bertram
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Alexander Haußmann
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von Alexander Haußmann » 19. Nov 2016, 23:44
Hallo Bertram,
zur Kategorisierung kann ich nichts weiter sagen, außer dass meines Wissens nach die Liljequist-Nebensonnen nach wie vor als Haloart im AKM-Haloschlüssel stehen (EE28).
Es gab 2010 im alten Haloblog einen Eintrag von Marko Riikonen unter dem Titel "Liljequist parhelion does not exist". Als Grund führt er an, dass Abweichungen von der regelmäßigen sechseckigen Form der Kristalle in Richtung Dreiecke (was man in den Kristallproben ja auch immer wieder mal findet), die Liljequist-Nebensonnen (L.NS) verwischen.
Das war mit Sicherheit aber nicht als endgültiges Wort gemeint. In seinem 2011er Buch "Halot" heißt es sinngemäß:
- L.NS sind selten, es gibt keine guten Fotos, die beste Dokumentation ist immer noch die Originalbeobachtung von Liljequist aus der Antarktis
- die Kristallproportionen und auch die Sonnenhöhe sind entscheidend dafür, wie stark die Beiträge der möglichen Strahlengänge (es sind 3) in der Intensität ausfallen
- hexagonale Kristalle geben in Silmulationen die ausgeprägtesten L.NS. Zu trigonalen hin wird der Effekt diffus und ununterscheidbar vom Horizontalkreis
- dicke Plättchen gehen besser als dünne, tiefere Sonnenstände sind bevorzugt, über 32° Sonnenhöhe wird der Horizontalkreis gegenüber der Sonne deutlich heller und verschluckt die L.NS
- verläßliche Beobachtungen gelingen nur im Eisnebel, in Cirrus erlauben die Unregelmäßigkeiten im Cirrus keine eindeutige Identifizierung.
Das nur mal als Literaturauszug. Selber fehlt mir die praktische Erfahrung bei der Einschätzung (außer natürlich, dass Cirrustrukturen in Horizontalkreisnähe wirklich irreführen können). Wahrscheinlich bräuchte man Zeitrafferaufnahmen, um genauer zu entscheiden.
Viele Grüße,
Alex
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Bertram Radelow
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von Bertram Radelow » 20. Nov 2016, 07:15
Danke für die Info. Dann betrachte ich die Erscheinung bei 150° auf meinen Bildern als L.NS., denn die Zone war über einen längeren Zeitraum auffällig heller als der sonstige HK, etwa wie eine breit gezogene 120er NS.
Liebe Grüsse
Bertram
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Alexander Haußmann
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von Alexander Haußmann » 20. Nov 2016, 15:43
Hallo Bertram,
ich denke auch, dass die Aufhellung als L.NS "gezählt" werden kann - vor allem auch in Kombination mit der durch Beobachtung festgestellten Stabilität über die Zeit. Der blaue Streifen Richtung Gegensonne ist auch deutlich sichtbar.
Das wäre sicher auch was fürs AKM-Bildarchiv!
Hast Du vielleicht auch die Sonnenhöhen parat, alternativ Datum und Uhrzeit (Ort wäre ja sicher Davos)? Ich kann ja mal eine Simulation dazu machen.
Viele Grüße,
Alex
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