Saharastaub in diesen Tagen über Mitteleuropa

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Karl Kaiser
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Saharastaub in diesen Tagen über Mitteleuropa

Beitrag von Karl Kaiser » 10. Apr 2011, 08:36

Liebe LeserInnen!

Derzeit befindet sich über Mitteleuropa eine Menge an Saharastaub. Bereits gestern war der Westhimmel vor Sonnenuntergang schön gelblich gefärbt. Heute ist der Himmel im Sonnenbereich deutlichst aufgehellt, von Blau kann dort absolut nicht die Rede sein.

Die Skiron-Bilder zeigen die aktuelle Situation:
http://forecast.uoa.gr/dustindx.php

Ich wünsche euch allen einen schönen Frühlingstag!

Herzliche Grüße aus Schlägl, am Fuß des österreichischen Böhmerwaldes, von

Karl

PS: Besondere Grüße in die Nachbarschaft, nach Steyrling!

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Werner Krell
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Beitrag von Werner Krell » 10. Apr 2011, 08:54

Moin Karl und Danke für die Info...
Gruß Werner
Gruß und bis später...

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Peter Krämer
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Beitrag von Peter Krämer » 10. Apr 2011, 09:06

Dann habe ich doch heute früh richtig gesehen...
Der Sonnenaufgang war eigenartig farblos, so daß ich mir schon dachte, daß da Saharastaub sei. Außerdem war zwischen 6.30 und 9 Uhr MEZ ein schwacher Ring von Bishop zu sehen.

Allerdings hatten wir bis gestern doch eine nordwestliche Luftströmung. Vor ein paar Tagen allerdings zeigte das ZDF beim Wetter nach den heute-Nachrichten Bilder einer großen Staubwolke vor Portugal, die Richtung Südengland wanderte.
Kann es sein, daß der Staub um das Hoch herumgetrieben wurde und jetzt aus Nordwesten über Deutschland hinwegzieht?

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Evelyn Günther
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Beitrag von Evelyn Günther » 10. Apr 2011, 09:30

Das bestätigt meine Vermutung, die ich gestern Nachmittag hatte. Also hab ich doch keinen Knick in der Optik.

Wünsche allen einen schönen Sonntag

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Heiko Ulbricht
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Beitrag von Heiko Ulbricht » 10. Apr 2011, 13:03

Hallo zusammen,

ich hab mal ein Foto der Aufhellung um die Sonne gemacht. Auch hier in Freital nicht zu übersehen...

Allerdings hat auch Peter nicht unrecht, die Luftströmung passt ja so gar nicht ganz eigentlich...? :?

Mal ne ganz blöde Frage u.U.: Karl schrieb zwar über Mitteleuropa, aber könnte es nicht auch dank des trockenen Wetters Blütenstaub sein.......... :?
Für mich als Pollengeplagter dieser Tage merk ichs deutlich in der Nase und am Niesen :wink:

Obwohl, naja dann müsste man ja evtl. eine Korona erkennen... hmm...

Grüße
Heiko

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Heiko Ulbricht
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Beitrag von Heiko Ulbricht » 10. Apr 2011, 14:56

Hallo zusammen,

von Th. Globig von Meteomedia aus Leipzig erhielt ich soeben diese Antwort zum Foto:

Hallo Herr Ulbricht,

mit ziemlicher Sicherheit ist in der aktuell herrschenden Luftmasse kein Saharasand.
Dennoch ist die Feinstaub-Konzentration vor allem vorgestern und gestern sehr hoch
gewesen. Grund dafür war die große Trockenheit in Verbindung mit kräftigem Wind.
Dadurch wurden große Mengen Staub und Sand in die untere Atmosphäre gebracht.



und von Wetteronline:

Hallo Herr Ulbricht,

eine Berteiligung von Sahara-Staub - auch auf Umwegen - ist bei der gegenwärtigen Wetterlage so gut wie ausgeschlossen. Die Strömung kommt in nahezu allen Höhen aus nordwestlichen bis nördlichen Richtungen und bringt Luftmassen mit, die in weitem Bogen vom Atlantik über die Nordsee und Skandinavien geführt wurden, bevor sie Mitteleuropa bzw. das östliche Deutschland erreicht haben.

Saharastaub scheidet jedenfalls mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit aus. Pollen halte ich dagegen für einen durchaus bedenkenswerten Ansatz, davon strotzt die Atmosphäre derzeit geradezu. Dennoch vermag ich auf dem Foto auch dafür keine eindeutigen Indizien (etwa Pollenkorona oder sowas) zu erkennen.


Grüße,
Heiko

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Werner Krell
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...

Beitrag von Werner Krell » 10. Apr 2011, 16:19

Hallo, man sollte noch bedenken, zumindest in Germany herrscht zur Zeit, gebietsweise, große Trockenheit und durch Winde werden örtlich größere Mengen an Staub in die Atmosphäre, in die Höhe gewirbelt. Man sollte das nicht unterschätzen, siehe den Bericht von dem Massenunfall auf der A 19 bei Rostock, übelste Sache aber war…
Gruß und bis später...

Karl Kaiser
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Beitrag von Karl Kaiser » 10. Apr 2011, 16:23

Liebe LeserInnen!
Lieber Heiko!

Zu diesen Zitaten
mit ziemlicher Sicherheit ist in der aktuell herrschenden Luftmasse kein Saharasand.
Dennoch ist die Feinstaub-Konzentration vor allem vorgestern und gestern sehr hoch
gewesen. Grund dafür war die große Trockenheit in Verbindung mit kräftigem Wind.
Dadurch wurden große Mengen Staub und Sand in die untere Atmosphäre gebracht.
eine Berteiligung von Sahara-Staub - auch auf Umwegen - ist bei der gegenwärtigen Wetterlage so gut wie ausgeschlossen. Die Strömung kommt in nahezu allen Höhen aus nordwestlichen bis nördlichen Richtungen und bringt Luftmassen mit, die in weitem Bogen vom Atlantik über die Nordsee und Skandinavien geführt wurden, bevor sie Mitteleuropa bzw. das östliche Deutschland erreicht haben.

Saharastaub scheidet jedenfalls mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit aus.

möchte ich eine kleine Ergänzung anführen:
Die große Trockenheit in Verbindung mit kräftigem Wind mag sicher zur Staubbelastung beigetragen haben. Die Nordwestströmung bringt Luftmassen aus dem nordatlantischen Gebiet und derzeit ist dort die Staubkonzentration sehr groß bis Grönland hinauf. Schaut euch einmal die Animation von Skiron an:
http://forecast.uoa.gr/LINKS/DUST/dust. ... oad&lan=en

Das ist bestimmt kein Staub von Norddeutschland!
Wie genau diese Karten sind, kann ich nicht beurteilen, aber dass so große Fehler enthalten sein sollten, glaube ich fast nicht.

Leider habe ich keinen Zugriff zu älteren Grafiken von Skiron. Aber irgendwie glaube ich mich daran zu erinnern, dass vor Tagen (!) Staub aus der Sahara über den Atlantik und Westeuropa nach Norden verfrachtet worden ist, der eben jetzt nach Süden zurückkommt, also auf Umwegen Mitteleuropa erreicht!

Vielleicht hat jemand von euch einen schnellen Zugriff zu Staubdaten in der Atmosphäre von vielleicht ab voriger Woche.
Oder möglicherweise, ich denke an dich, Claudia :-), kannst du einmal bei Gelegenheit etwas über die Luftströmungen von voriger Woche herausfinden, ob nicht Winde aus der Westsahara in Richtung Norden gezogen sind!
Pollen halte ich dagegen für einen durchaus bedenkenswerten Ansatz, davon strotzt die Atmosphäre derzeit geradezu. Dennoch vermag ich auf dem Foto auch dafür keine eindeutigen Indizien (etwa Pollenkorona oder sowas) zu erkennen.
Pollen halte ich für die aktuelle Trübung über Mitteleuropa (besser gesagt derzeit Mühlviertel) nicht für verantwortlich. Von Pollenkoronen gibt es jetzt, zumindest bei uns, nicht die geringste Spur.

Herzliche Grüße aus Schlägl von

Karl

Michael Großmann

Beitrag von Michael Großmann » 10. Apr 2011, 16:29

Hallo,

Pollen schliesse ich ebenfalls aus, hierfür gibt es keine Anzeichen (Korona oder Kränze), jedoch muss eine Staubkonzentration in erhöhtem Mass vorliegen, denn auch heute gab es einen Bishopschen Ring zu beobachten. Ob es jetzt an Saharasand oder anderen (Fein)Staubkonzentrationen liegt, kann ich auch nicht genau sagen, aber ich denke da genau wie Karl, dass uns evtl. Claudia etwas genaueres sagen kann.

Grüße
Micha

EDIT:
hier noch zwei Bilder von heute zu diesem Thema...


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Heiko Ulbricht
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Beitrag von Heiko Ulbricht » 10. Apr 2011, 18:53

Hallo zusammen,

ein Foto von heute nachmittag noch nachgereicht und zum Su einige Fotos gemacht:

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Grüße,
Heiko

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Claudia Hinz
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Beitrag von Claudia Hinz » 10. Apr 2011, 19:22

Also über den Alpen ist seit einigen Tagen eine deutliche Schicht Saharastaub erkennbar. Entsprechende Fotos kann ich leider erst morgen nachreichen (es sei denn. jemand kann sie derweil online stellen?), aber an eine dicke Schicht rötlich-gelber Feinstaubbelastung über dem Alpenhauptkamm glaub ich nicht, sorry, liebe Kollegen.

Außerdem kommt die Höhenströmung - wenn auch über Umwegen - aus Richtung Marokko. Und da es nicht geregnet hat, bleibt das Zeuch halt in der Höhe erhalten, auch wenns mal vorübergehend ein bißchen aus Nord pustet.

Wir hatten hier seit 7.04. täglich Besuch von Herrn Ring von Bishop, heute war er wieder sehr deutlich ausgeprägt.

LG Claudia

Karl Kaiser
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Beitrag von Karl Kaiser » 10. Apr 2011, 20:09

Danke euch allen für die rege Teilnahme an der Diskussion! Danke Claudia für deine Bestätigung!
Der Sonnenuntergang war heute wirklich ganz ein feiner! Bemerkenswert war, dass im Westen und Südwesten eine deutliche Trübung zu sehen war, so eine Art von dichtem, "gebändertem" Dunst. War das ein seitlicher Blick in dichte Staubschichten?


Auf den folgenden Bildern zeigen sich die großen Staubmassen, die überm Ostatlantik nach Norden ziehen! 6. April 2011:

ch4-5 Areas of Saharan dust advecting northwards over the Atlantic:
http://www.woksat.info/etctd06/td06-1336-e-apt-s.html
http://www.woksat.info/etctd06/td06-1800-a-atl-e.html

Hier habe ich noch Bilder gefunden, die große Staubmengen überm Golf von Biscaya zeigen. Die Bilder stammen vom 8. April 2011 und zeigen, was damals für große Staubmengen transportiert worden sind:

http://www.woksat.info/etctd08/td08-1315-f-apt-s.html
http://www.woksat.info/etctd08/td08-1315-g-apt.html
http://www.woksat.info/etctd08/td08-1315-i-ib.html

Alle Links sind entnommen aus:
http://www.woksat.info/wwp2.html

Ich wünsche euch noch eine angenehme Nachtruhe.

Herzliche Grüße aus Schlägl von
Karl

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StefanK
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Saharastaub / Ring of Bishop

Beitrag von StefanK » 10. Apr 2011, 20:22

Hallo zusammen,

durch den Thread hier aufmerksam geworden bin ich etwa 90 Minuten vor Sonnenuntergang rausgegangen und habe mir die aktuelle Situation angeschaut. Tatsächlich war in der Umgebung der Sonne ein weißlicher, milchiger Bereich zu sehen, welcher offenbar Kreisform hatte. Hier zwei Fotos, auf dem ersten Bild wird die Sonne durch die Bäume, auf dem zweiten durch die Mauer abgedeckt:

Bild
Abb. 1: Himmelsaufhellung um die Sonne; Panasonic DMC-FZ18; Brennweite 5mm, F/8, ISO 100, 1/800s, 10.04.11, 18:46 MESZ. Bonner Südstadt.

Bild
Abb. 2: Himmelsaufhellung um die Sonne; Panasonic DMC-FZ18; Brennweite 5mm, F/8, ISO 100, 1/640s, 10.04.11, 18:47 MESZ. Bonner Südstadt.

Ich habe keine Ahnung, ob das der oft zitierte Ring von Bishop ist. Ähnliches habe ich jedenfalls zuletzt am 07.09.2019 am Mývatn in Island gesehen. Damals war die Ursache unübersehbar ein Sandsturm in der benachbarten Wüste.*

Ein weiteres Argument dafür, dass da tatsächlich eine größere (Sahara?)staubmenge unterwegs ist, lieferte die nachfolgende Abenddämmerung. Diese war - wie bereits gestern - sehr farbarm, zwar nicht so extrem fahl wie vor einem Jahr, als die Vulkanasche durchzog, aber doch auffällig. Hier ein Foto davon, aufgenommen in der Mitte der bürgerlichen Dämmerung (Sonnendepression ca. 3 Grad):

Bild
Abb. 3: Himmelsaufhellung um die Sonne; Panasonic DMC-FZ18; Brennweite 5mm, F/2.8, ISO 100, 1/20s, 10.04.11, 20:32 MESZ. Bonner Südstadt.

* Im Prinzip könnte Staub über Südnorwegen und Schottland, wie er auf http://forecast.uoa.gr/dustindx.php angezeigt wird, auch aus Island kommen. Bei den Mengen an Material, die da andauernd abgeblasen werden, würde mich das jedenfalls nicht überraschen.

Viele Grüße aus Bonn!

Stefan
Alles über Leuchtende Nachtwolken: http://www.leuchtende-nachtwolken.info/

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Bertram Radelow
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Beitrag von Bertram Radelow » 10. Apr 2011, 21:07

hi,

heute beim Modellfliegen haben wir alle über den unübersehbaren "Dunst" diskutiert und Saharastaub angenommen. Dadurch war das Erkennen der (weissen) Segler extrem erschwert. Leider kein Bild. Ich habe zwar nach Herrn Bishop Ausschau gehalten, aber das "Braun" habe ich nicht sehen können (allerdings sehe ich es auch auf anderen Fotos meist auch nicht, nur die stark verbreiterte Aufhellung rund um die Sonne). Es ist auch immer so hell hier oben... Vielleicht geht das in tieferen noch dunstigeren Lagen besser.

Bertram

Alexander Haußmann
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Beitrag von Alexander Haußmann » 10. Apr 2011, 21:47

Hallo allerseits,

ich hatte in den letzten Tagen nur eine langsame Netzverbindung und komm jetzt erst zum Lesen dieses Beitrags. Weil es aber bei mir in der Familie auch einige Pollenempfindliche gibt, wurde ich aufmerksam und hab heut nachmittag mal durch meinen Pollenkorona-Graufilter geschaut (in der Senftenberger Gegend, Niederlausitz). Gesehen habe ich eine diffuse Korona, aber ein blauer Innenbereich und ein roter Außenbereich waren klar abzugrenzen. Die bläuliche Scheibe hatte etwa 5° Durchmesser (drei Finger...). Bilder hab ich auch gemacht, nun ist sogar wieder ein Film voll, aber bis ich die Ergebnisse hab, dauerts noch ein paar Tage. Es dürfte wahrscheinlich den schon gezeigten Bildern sehr ähnlich sehen. Den Sonnenuntergang hab ich auf der A13 nördlich von Dresden aus dem Auto verfolgt, und der sah aus wie auf den Bildern von Heiko aus Freital.

Wie ist denn nun eigentlich der Ring von Bishop definiert? Müssen dafür Sandpartikel in der Atmosphäre sein oder reicht ein Mischmasch aus verschiedenen Pollen? Aus der (Winkel)Größe des Rings läßt sich ja die mittlere Partikelgröße bestimmen, ob das was hilft? Grob geschätzt würde ich auf 10 µm tippen, aber eben breit um diesen Mittelwert verteilt.

Gruß, Alex

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Claudia Hinz
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Beitrag von Claudia Hinz » 11. Apr 2011, 05:47

Also soweit ich weiß, ist die Erscheinung des Ring von Bishop nicht auf irgendwelche verursachenden Partikel festgelegt, sondern er definiert sich allgemein durch Lichtstreuung an extrem kleinen Staubpartikeln, weswegen er auch seine (für einen Kranz) riesige Größe erhält. Er ist halt in der Literatur meist nach Vulkanausbrüchen und Saharastaub beschrieben, aber ich selbst habe ihn auch schon während herbstlicher Inversionswetterlagen unterhalb der Dunstschicht beobachten können, während es auf dem Berg klar und Bishops-frei war.

Die Schicht über den Alpen ist aber auf jeden Fall Saharastaub, denn eine dicke Pollenschicht über einem Gebiet wo noch nichts blüht, ist unlogisch. Ich finde, heut morgen sieht man die Sandschicht sogar noch viel besser, sie ist abgesunken und hat die höchsten Berge eingehüllt. Sieht klasse aus.

@Bertram:
Der Ring von Bishop ist nicht als deutlich definierbarer Ring zu sehen, wie man es von Kränzen oder Halos gewöhnt ist, sondern ist eine diffuse ringförmig aufgehellte Scheibe in gelblich bis roströtlicher Farbe um die Sonne, die dann bei ca. 28° Sonnenabstand ausläuft. Aber es fällt auf jeden Fall visuell auf, daß da schon etwas um die Sonne ist, was da nicht hingehört.

LG Claudia

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Beitrag von Claudia Hinz » 11. Apr 2011, 11:23

Hallo nochmal,

auf meine Anfrage hin bekam ich von Harald Flentje (Aerosol und MACC Hohenpeißenberg) folgende Antwort:

Ja, es ist Saharastaub, der um den 4./5./6.April durch ein kleines Tief über Gibraltar auf den Weg gebracht wurde und uns momentan auf großem Umweg erreicht.

Man sieht den Transport(beginn) klar in MODIS Bildern, z.B.: http://rapidfire.sci.gsfc.nasa.gov/realtime/2011096/

aber auch in den Ceilometer (Lidar)messungen am Hohenpeißenberg und auf der Zugspitze.


Hier mal noch ein paar unbearbeitete Bilder von gestern abend vom Wendelstein, wo man die gelblich und später roströtliche Abendlicht sehr gut erkennen kann und auch die Sandschicht über den Alpen sieht:

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Bild

Heut morgen war die Schicht dann deutlich abgesunken und lag auf dem Alpenhauptkamm auf:

Bild

Viele Grüße
Claudia

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Beitrag von Bertram Radelow » 11. Apr 2011, 13:02

hoi Claudia,

das Braun kommt bei Deinen Bildern aber perfekt heraus! Hier war es höchstens ansatzweise zu erkennen. Heute ist hier alles dunstig, aber irgendwie anderes als feuchter Dunst (bei den Fotos sind auch nur 40% r.F., von oben bis unten). Das Tinzenhorn im unteren Bild ist 25km entfernt.

Bild

Bild

Bertram
Zuletzt geändert von Bertram Radelow am 19. Apr 2011, 19:34, insgesamt 2-mal geändert.

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Beitrag von Claudia Hinz » 11. Apr 2011, 13:33

Dieser intensive braune Streifen war gestern den ganzen Tag da, viele Touristen hatten mich darauf angesprochen, weil es ziemlich seltsam aussah. Mit sinkender Sonne wurde er dann immer intensiver. Müßte ja in Deiner Richtung gewesen sein (SW) ...

Die Sicht war dagegen nicht so schlecht wie bei Dir, hatte tagsüber noch 100km und gegen abend immerhin noch 80. Luftfeuchte war extrem schwankend.

LG Claudia

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Elmar Schmidt
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Beitrag von Elmar Schmidt » 11. Apr 2011, 14:35

Hallo Diskutanten und -onkelz ;-)

laut Les Cowley ist der Bishop-Ring eine riesige Korona, die von kleinsten Partikeln (Vulkanasche oder -aerosol, Rauch von Waldbränden und den feineren Fraktionen von Sandstürmen) erzeugt wird.

Unter "Feinstaub" versteht man Schwebestoffe, die kleiner sind als 10 Mikrometer, und zu seinen Quellen gehören neben dem o.g. Herkommen auch Pollenflug und die Freisetzung anderer organischer Schwebestoffe wie Öltröpfchen von Bäumen usw.

Für eine klassische Bishopring-Erscheinung muß dabei eine möglichst einheitliche (monodisperse) Teilchengröße im Bereich von 1 Mikrometer vorliegen, und dann entsteht jener über 20 Grad große, bläuliche Lichthof, der von einem bräunlichen Rand umgeben ist. Mitunter wird dabei sogar die Sonne bläulich oder pink-violett eingefärbt

Auf diesem Bild liegen ein/e normale/r Hof/Korona und ein (solcher) Bishop-Ring/Hof übereinander.

http://www.atoptics.co.uk/droplets/corim12.htm

Die aktuelle Atmosphäre erinnert (mich) an diejenige nach dem isländischen Vulkanausbruch im April 2010 oder an eine (eindeutige) Saharastaub-Situation im Feb. 2008 auf Teneriffa. In beiden Fällen bekam die Sonne einen riesigen weißglastigen Hof, allerdings ohne die deutliche Blaufärbung des idealen Bishoprings. Offenbar waren die Teilchen dazu nicht monodispers genug.

Gruß Elmar

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