am Abend des 25.05.2012 gab es hier in Bonn etwa zur Mitte der bürgerlichen Dämmerung zwischen 21:50 und 22:05 MESZ ein recht auffälliges Purpurlicht, das sich kurzzeitig entlang des gesamten Horizonts erstreckte. An sich nichts besonderes, aber in diesem Fall bestand offenbar ein deutlicher Zusammenhang mit subvisuellen Zirren.
Gegen 20:00 war bei sonst makellos blauem Himmel in etwa 20 Grad Umkreis um die Sonne deutliches Streulicht zu bemerken. Dadurch war Venus mit bloßem Auge gar nicht und mit dem Fernglas nur mit Mühe auffindbar. Mit tiefer sinkender Sonne wurden dann am NW-Horizont die Verursacher dieses schlechten Seeings sichtbar: durch Vorwärtsstreuung des Sonnenlichts machten sich Zirren als silbrige Streifen bemerkbar. Die Vermutung liegt nahe, dass sich die Zirrenschicht über den ganzen Himmel erstreckte, aber horizontferner nicht visuell wahrnehmbar war.
Elmar Schmidt hatte mich vor einiger Zeit auf eine Arbeit aufmerksam gemacht, in der diskutiert wird, dass subvisuelle Zirren bei der Entstehung des Purpurlichts eine Rolle spielen. (Download-Link: http://www.usna.edu/Users/oceano/raylee ... _paper.pdf - etwa 1.8mb)
Daher, und weil ich derlei bereits aus den Tropen kannte, war ich nicht überrascht, dass sich gegen 21:50 MESZ recht deutliches Purpurlicht bemerkbar machte, das man nebst den horizontnahen Zirren auf nachstehendem Foto sieht:

Brennweite 24mm digital, Belichtungszeit 1/10s bei Blende 3.6 und ISO 100. Panasonic DMC-FZ18
Sehr typisch für Purpurlicht-Displays ist auch die Pfirsichfarbe unmittelbar über dem Horizont.
Da es in letzter Zeit weder einen größeren Vulkanausbruch gegeben hat und Saharastaub das Sonnenlicht nicht vorwärts streuen, sondern dämpfen würde, handelte es sich in diesem Fall mit Sicherheit um ein ganz normales Purpurlicht, das durch die Anwesenheit subvisueller Zirren recht kräftig ausfiel.
Zum Abschluss noch ein kleines Abendstimmungsvideo von meinem Standort auf einer Straßenkreuzung: http://www.youtube.com/watch?v=Ud7d4b15C28 .
Viele Grüße aus Bonn,
Stefan