Regenbogen und polarisierende Sonnenbrille - Frage dazu

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Sven Lüke
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Regenbogen und polarisierende Sonnenbrille - Frage dazu

Beitrag von Sven Lüke » 7. Jul 2012, 16:49

Hallo,

es ist ja allgemein bekannt, dass eine polarisierende Sonnebrille den Regenbogen entweder je nach Neigungswinkel heller werden lässt oder er ganz unsichtbar wird. Bei meinen bisherigen Beobachtungen von Regenbögen war es immer so, dass der Regenbogenm bei waagerechter Kopfhaltung etwas besser als ohne Sonnenbrille zu sehen war. Je nachdem, zu welcher Seite ich dann meinen Kopf gekippt hatte, wurde er noch intensiver oder verschwand.

Bei einem sehr tiefen Regenbogen heute Nachmittag war dieser aber nahezu unsichtbar, wenn ich mit der Sonnenbrille bei waagerechter Kopfhaltung drauf geschaut hatte. Erst bei fast 90° Kippwinkel strahlte er so hell, wie ich es eigentlich gewohnt war. Ich hätte den dadurch fast übersehen, weil ich mich schon wunderte, wann er sich denn endlich bildet - dabei war er schon längst da... 8)

Gibt es hier verschiedene Faktoren, die dafür sorgen, dass der Blick durch eine polarisierende nicht immer gleich ist, was den Kopfwinkel angeht? Mir war das bis jetzt noch nie aufgefallen...

Grüße, Sven

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Sven Lüke
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Beitrag von Sven Lüke » 22. Jul 2012, 22:15

Öhm ja...

War meine Frage zu dämlich? Habe ich es mir nur eingebildet? Keiner eine Idee oder konnte keiner sowas mal selbst sowas beobachten?

Wäre schön, wenn meine Beobachtung doch noch etwas Diskussion in diesem Thread aufbringen würde... ;-)

Grüße, Sven

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Elmar Schmidt
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Beitrag von Elmar Schmidt » 23. Jul 2012, 01:35

Hallo Sven,

Du weißt doch: es gibt keine d...en Fragen. Kann sein, daß alle nur zu beschäftigt waren, die momentan recht häufigen Regenbögen zu genießen, um zu antworten.

Also: Regenbögen sind hochgradig polarisiert (primäre zu 96%, sekundäre zu 90%), und zwar (mit dem E-Vektor des Lichtes) tangential zum Bogen. Du mußt Dir darüber im Klaren sein, daß ein (Linear-)Polfilter deshalb jeweils nur einzelne Regenbogensegmente ausblenden oder im Kontrast verstärken kann. Im Verstärkungsfall sind es diejenigen, zu denen seine Durchlaßrichtung parallel ist.

Polfilter-Sonnenbrillen haben i.a. einen Durchlaß in "Kinn-Stirn-Richtung", um die horizontparallel polarisierten Sonnenreflexe von Wasseroberflächen zu blockieren. Folglich würden sie den oberen Bogenteil ausblenden. Du schreibst über einen "sehr tiefen" Regenbogen, das verstehe ich so, daß er bei hohem Sonnenstand nur eine geringe Höhe über dem Horizont hatte, etwa so wie im Extremfall hier (obere Fotos):

http://www.meteoros.de/php/viewtopic.php?t=9703

Dann paßt das schon genau so, wie Du es gesehen hast. Bögen bei niedrigem Sonnenstand werden dagegen bei waagrechter Kopfhaltung mit einer "Anglerbrille" im Bereich der "Bogenfüße" verstärkt erscheinen, wo die Polarisationsrichtung der Brille etwa tangential zu ihnen orientiert ist. Achte dann künftig mal auf den oberen Bogenteil, der müßte indessen genauso ausgeblendet werden wie bei Deinem flachen Bogen.

Zur Vertiefung kannst Du hier ggf. ein Standardwerk über Polarisation in der Natur herunterladen:

http://www.atoptics.co.uk/fz765.htm

Gruß, Elmar

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Sven Lüke
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Beitrag von Sven Lüke » 23. Jul 2012, 20:37

Hallo Elmar,

vielen Dank für die einleuchtende Antwort und die Links. Werde es in Zukunft mal genauer beobachten. Das bei tiefem Sonnenstand der Fuß des Regenbogens besonders hell ist, ist mir auch durchaus aufgefallen.

Das der obere Teil dann schwächer oder gar unsichtbar wird, war mir so noch nicht aufgefallen. Meist habe ich dann aber eh die Sonnenbrille abgesetzt, da ich dann vor Objektiven und Linsen klebe, um das ganze auf Bild und Video festzuhalten... ;-)

Grüße, Sven

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Sven Aulenberg
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Beitrag von Sven Aulenberg » 25. Jul 2012, 12:04

Moin Sven,
Elmars Antwort brauche ich eigentlich nichts mehr hinzufügen. Ich trage auch seit ca. 15 Jahren nur noch Polbrillen und habe auch so manches mal gewundert. Gestern am Flughafen waren die Anzeigetafeln mal wieder alle schwarz ;-) bis ich die Brille absetzte.
Bei mir sind die Regebogenfüße auch immer am hellsten. Bei meiner ersten Suche nach Nebelbögen hat die Brille mir auch das Suchen erschwert, denn ich habe nur die NB-Füße gesehen, oft auch nur einen hellen Fleck. Es hat doch einige Zeit gedauert bis mein Kleinhirn den Zusammenhang mit den polarisierenden Scherben herstellte.

Irgendwann baue ich mir mal eine Polbrille (à la John Lennon) aus drehbaren linearen Objektivfiltern, damit ich nicht immer kopfwackelnd umherlaufen muss oder bei der Arbeit schräg auf den Schleppi gucken muss. :mrgreen:
Wenn man dann jedem Auge seine eigene Polebene spendiert müsste es auch mit den NB- bzw. Regebögen klappen.

Gruß
Sven

@ Alex: hast du schon mal bei deinen 3D-Aufnahmen versucht mit verschiedenen Polebenen pro Objektiv zu knipsen? Würde mich interessieren wie das wirkt.

Alexander Haußmann
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Beitrag von Alexander Haußmann » 25. Jul 2012, 15:52

Hallo Svens und Elmar,

zu den Ausführungen bzgl. Regenbogen und Polarisation habt Ihr schon alles wichtige geschrieben. Als Ergänzung viellecht noch: Auch beim Glasperlenbogen ist der Polarisationsgrad sehr hoch, der Winkelradius ist aber kleiner bzw. kann in der "Reversbogengeometrie" sogar beliebig klein werden. Wenn man da einen linearen Polfilter dreht, sieht man die gegenüberliegende Auslöschung ohne Blickrichtungsänderung ganz deutlich.

Stereobilder im Polarisationskontrast habe ich noch nicht gemacht, da ich nur einen einzelnen Polfilter habe. Wohl aber Bildsequenzen mit gedrehtem Filter, aber ohne Positionsveränderung (also ohne Stereoeffekt). Es gibt das Phänomen des "stereoskopischen Glanzes" wenn nur ein Auge Licht bekommt. Dann denkt das Gehirn, dass es sich um eine spiegelndes Objekt handelt, weil diese eben auch das Licht in nur eine Richtung, also z.B. nur auf ein Auge, reflektieren. Das geht dann schon in Richtung "künstlerische Verfremdung". Wer will kann das ja mal mit einer linearen Polarisations-Stereobrille in freier Wildbahn ausprobieren.

Viele Grüße,
Alex

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