Ein toller Bericht in unserer Lokalzeitung von heute:
Wünsch Dir was bei Nacht und Nebel
Von Peter Berger
Hoxfeld. Dick vermummt bei lausigen drei Grad um vier Uhr morgens am Flugplatz auf mitgebrachten Gartenstühlen liegend in den Himmel starren und warten, bis es was zu sehen gibt. Ohne sicher zu sein, dass man überhaupt was wird sehen können.
Für Otto-Normal-Schläfer ist das ein Albtraum. Doch wer ein echter Sternfreund ist, dem sind solch widrige Bedingungen ziemlich schnuppe. Besonders in dieser aus himmelskundlicher Sicht so denkwürdigen Nacht vom 18. auf den 19. November 2002. Die Nacht, in der die Leoniden kommen sollen. Auf ihrer Reise um die Sonne kreuzt die Erde ein riesiges Feld von Kometenstaub. Körnchen, kaum größer als Stecknadelköpfe, sausen mit bis zu 70 Kilometern pro Sekunde auf den Blauen Planeten zu und bringen die Atmosphäre für einige wenige Sekunden zum Glühen. Eine Sternschnuppe ist geboren und - kürzer als ein Wimpernschlag - vergangen.
Vorausgesagt war ein Feuerwerk von 500 Sternschnuppen und mehr pro Stunde, so viel wie wahrscheinlich bis zum Jahr 2098 nicht mehr. Vorausgesetzt, es herrscht klare Sicht. Doch daran hapert es in dieser denkwürdigen Nacht. Und so nagen auch an einem hartgesottenen Hobby-Astronomen wie Günther Strauch gewisse Selbstzweifel: "Warum hab' ich mir eigentlich dieses Hobby ausgesucht?", seufzt er in die Finsterheit hinein. Vor den Mond hat sich Hochnebel gelegt, einzig Jupiter und die Zwillingssterne Kastor und Pollux lugen bei angestrengtem Hinsehen zwischen den wabernden Wolken hervor. Doch der Kummer verfliegt im Nu. "Da!!!", rufen die Liegestuhl-Nachbarn plötzlich im Chor, "da war eine!!" Kein Zweifel, tatsächlich, eine Sternschnuppe: hell und erstaunlich nah - und schnell verglüht. Ein paar Mal noch wiederholt sich zwischen 4 und halb fünf Uhr das kurze Glücksgefühl, ein Leuchten am Himmel erhascht zu haben.
Inzwischen sind ein paar Nachzügler am Flugplatz eingetroffen. "Lohnt das?", fragt einer. "Abwarten", lautet die einzig mögliche Antwort. Doch die Chancen sinken, nicht einmal Jupiter lässt sich mehr blicken. "Ich hol' jetzt mal den Wolkenschieber", macht Strauch einen kleinen Scherz zur Auflockerung. Doch es lohnt nicht mehr.
Persönliches Fazit der zweistündigen "Nacht- und Nebel-Aktion": fünf Licht-Wahrnehmungen als nicht eindeutig eingestuft, vier Sternschnuppen einwandfrei als solche erkannt. Vier Mal was wünschen dürfen. Und die Hoffnung mit nach Hause genommen, dass sich alle Wünsche erfüllen.
Wünsch Dir was bei Nacht und Nebel *PIC*
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