Lofoten 7

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Herwig, Rostock

Lofoten 7

Beitrag von Herwig, Rostock » 24. Okt 2002, 21:32

Da ich von den Lofoten vorläufig noch nicht genug bekommen kann, war auch diesmal schnell klar, was ich mit 10 freien Tagen anfange. Nach der April- und Mai/Juni-Tour nun mal eine Herbstvariante (15.-20.10.), die gleich am 2. Tag die Winterbilder mit einschloss.

Reisemethode im Kern wie gehabt und bewährt:
Rucksack und ScanRail-Pass für 5 Tage = 214 € zzgl. Res. + Schlafwagen.
Ausrüstung: 1,55 kg Zelt (Gosshamer/J.W.) + 2,1 kg Daune bis -20° (McKinley/Yeti) + Kältefolie = 4 kg ; Kocher, Thermosbuddel 0,75 Ltr., Wanderstöcke, Fotozeug, ..., 20-25 kg.

Also Fähre Rostock-Gedser, Bus 39 bis Nykøbing, Zug bis Bodø (Umstiege København, Göteborg, Oslo, Trondheim), insges. 37 h Fahrzeit, aber angenehm. Die Fährverbindung von Bodø nach Moskenes/Lofoten sollte wegen "Essig-Tagen" Ausgangspunkt der Planung sein, sofern man nicht vorhat, mit Hurtigruten nach Stamsund zu dampfen oder den Flieger zu nehmen.
Bodø selbst optimal: Youth Hostel im Bahnhof gleich, Fähren 5 min, Flughafen 20 min ab Bhf.

Nachdem Katja sich vom Schreck meines Anklopfens erholt hatte, bekam ich den Mund kaum zu, mit welchem Affenzahn sie über die Tastatur fliegt, obwohl mir 10 Finger auch nicht ganz fremd sind. Chat-Spaß zu zweit am Rechner. Polarlicht auf dem Rückweg.

Nächsten Morgen kurz nach Sonnenaufgang mit dem Flieger auf der Traumstrecke Bodø - Røst - Leknes rüber auf die Inseln. Die Piloten scheinen trotz des 11.9. bei Fotowünschen aus Richtung Cockpit immer noch entgegenkommend zu sein. Klappte wieder. Phantastischer Anflug von Nord auf die Insel Røst, welche kurioserweise max. 12 m hoch ist, während in Blickrichtung die Inseln Vedøya und Storfjellet mit über 200 m Höhe näher kommen. Landebahn beginnt direkt am Wasser ..., 800 Ew., nettes Plätzchen mit Golfstrom aus erster Hand - Durchschnittstemp. wie Mitteleuropa ! Leider muss man sich auch in Norwegen während Start + Landung anschnallen.
Die Røst-Zwischenlandung gibt es zur Zeit morgens gratis auf dem Weg nach Leknes und abends von Leknes nach Bodø. Der eigentliche Hammer daran ist das Røst - Leknes - Teilstück direkt an der Lofotenwand entlang - ca. 100 km zerrissenes Gebirge mitten im Meer, diesmal vornehm unter einer ziemlich ebenen Wolkendecke, auf der sich die Morgensonne breit machte.
In Leknes noch ein Schwätzchen mit dem Piloten, der von Polarlichtern während Flügen in der Finnmark schwärmte - ...ob er denn nicht auf die Instrumennte achten müsste ? "Ja, von Zeit zu Zeit". Turboprop Dash 100, 2x 20 min.

Quartier, Wetter, Polarlichter etc.:
Zielrichtung war sowieso grob Hamnøy / Reine auf Moskenesøya. Auftakt war wirklich köstlich: Hatte einiges an 20x30 Abzügen vom Sommer mit, die mir die Wirtin von Mat- og Vinbu aus der Hand riss und mit einer Pfanne voll frischer und oberleckerer Fiskekake vergütete. Diese "Naturalwirtschaft" dehnte sich dann auf weitere Gelegenheiten (Fjordboot, warme Küche, 1x Bett, Statens Kartverk Trondheim) aus, so dass ich etwas Mühe bekam, den Bestand bis zum Reiseende zu strecken.
Nördlich von Reine liegen am Kjerkfjorden und anbei einige leicht vom Aussterben bedrohte kleine Ortschaften, welche nur mit Boot angefahren werden können. Eine davon heißt Rostad: unweit der Kreuzung von N68E13, 7 Häuser, 4 Einwohner, 30 Lämmer, 1 Friedhof (1889-1991 dabei) - 3 Tage. Ein Besuch war längst überfällig, da ich Rostad vom Reinebringen aus schon halb tot fotografiert habe, ohne je dort gewesen zu sein. Hinter den paar Häusern steigt das Gelände zunehmend steil bis auf ca. 700 m an und die Gefahr durch Felsstürze ist nicht ohne - einen Volltreffer hat es vor Jahrzehnten mal gegeben. Auf der folgenden Aufnahme liegt der Ort auf der kleinen Landzunge rechts an dem Fjord hinten.
http://www.lofoten-photogalerie.de/sw01BdW_21.htm
Asbjørn M. (76, Ex-Fischer) wartete am Anleger auf die Post, die Verständigung mit ihm kam schnell in Gang. Unterkunft im Haus war sein Angebot gleich und er verstand, dass ich lieber im Zelt schlafen wollte. Norwegisch-Intensivkurs, Wetter und örtliche Geschichte. Zu meiner leichten Überraschung hatte er seine sämtlichen alten Fotos auf PC-Festplatte und wir saßen diskutierend vor dem Rechner. Internet noch nicht. Küchenkünste in Fisch.
Di, 15.10. Herbst, 16.10. Schneefälle und ideale -1°C. Hurra. Das ohnehin märchenhafte Kjerkfjorden-Trogtal steigerte sich vollends in die reine Pracht. Sonne mal hier und dort.
An Geräuschen, die man nicht selbst verursacht, gibt es nur 1-2x täglich das Fjordboot, gelegentlich einen Vogel (komischerweise kaum Möwen) und den Wind. Ich glaube nicht, es mir einzubilden, dass der Wind zu hören war, bevor er im Gesicht spürbar wurde. Jedenfalls ist auch nach Asbjørns Worten dieses Tal ein Tummelplatz für kräftige Fallwinde. Am Tage kann man gelegentlich Aufwirbelungen des Wassers beobachten, die an "Staubteufel" zu Lande erinnern. Auch ist der Wasseroberfläche bei aufkommendem Wind häufig anzusehen, bis zu welchem Meter eine Boe gerade vorangekommen ist.

Die Nacht vom 16. zum 17.10. bot Lofotenspektakel im Zeitraffer. Mehrfach, ca. im Halbstundentakt wechselnd, lösten sich klarer Himmel mit Polarlicht bei annähernder Windstille und fettes Schneetreiben bei Windstärke 6-7 ab. Ich überlegte noch, ob der an der Laterne des Anlegers waagerecht vorbeifliegende Schnee per Langzeitbelichtung nicht eigentlich eine weiße Wand in der Dunkelheit ergeben müsste. 5 min später Ruhe, Sterne, Pl.
In einer dieser 2 oder 3 Pausen gab es auch kurz hintereinander die beiden mit Abstand schönsten Polarlichter der Reise. Beide ca. im Zenit. Das eine entwickelte sich aus einer etwa kreisförmigen "Grundmasse" heraus durch kurz aufeinanderfolgende scheibchenförmige bzw. sichelartige Erweiterungen mit etwas Abstand dazwischen. Es hatte etwas von flottem Kartenausteilen oder Domino. Nur Grün erinnerlich. Das zweite war ein zappelnder Vorhang mit leicht lila scheinender Unterkante. Die wechselnden Krümmungen und die dabei auftretende Geschwindigkeit erinnerten an einem Aal, der gerade in einer Wanne gelandet ist und nicht viel von der neuen Umgebung hält. Ich hab hübsch die Augen aufgerissen und auf die Kamera verzichtet.
Ansonsten gabs jeden Abend/jede Nacht, wenn auch nicht sensationell, längliche schlanke Bögen oder auch Vorhänge mit etwas Bewegung. Faszinierend allemal. Hab auch mal 2 h umsonst gewartet und mich dann eingerollt. Andererseits "kümmern" sich nach meinem Eindruck auf Katjas Breiten die Polarlichter tatsächlich ziemlich wenig um erbärmliche Datenlagen. Eben 68 Grad Nord. Mit solchen Pl’s, für die wir hier schon wie elektrisiert in die Autos hechten würden, kann man getrost rechnen. Kp 3-4 ist während meiner Tour (glaube ich) nicht überschritten worden. Wolken dürften das größere Problem sein. Ich hatte wieder Gelegenheit, kurzfristig zu starten und wenigstens einen Rest von Hochdruckgebiet vorzufinden.

Was gab´s noch ?
Teil 2 vom 18.-20.10. dann in Reine. Netter, “unsichtbarer” Zeltplatz direkt am Vestfjorden, wo sich ein Unterstand für Beobachtungszwecke befindet (5x5 m Pultdach aus der Erde raus). Zwei anregende Abende mit Inger und Hans Winstad (Mitte 70), die im Sommer direkt unterhalb des Reinebringen hübsch gelegene Rorbuer vermieten (Tel.76 09 22 92). Sind beide in Nestern auf der Atlantikseite aufgewachsen und haben reichlich zu erzählen. Hans ist ein spaßiger Tiefstapler, der leidlich Deutsch kann und behauptet, schlecht norwegisch zu sprechen, weil er "nur 3 1/2 Jahre Schule hatte" (7 Jahre halb zu Hause, halb auf Internatsbasis im Nachbarort hinter Bergen). Usw.
In der Nacht vom 19. zum 20. wurde das ca. 1000 t schwere Mittelteil der neuen Djupfjordenbrücke hydraulisch auf Höhe gezogen. Anlieferung mit Barge. Befahrbar ab April.

Beeindruckende, intensiv blaugrau leuchtende Wolken mit Schneeladung.
Farben sowieso. Von der Fähre Moskenes/Bodø aus zeigte sich die Lofotenwand bei Abendsonne und Wolkenvielfalt noch mal ganz königlich. Dazu Heckwasser türkis. Vor Bodø zwischen den Gipfeln ein satter, aufgehender Vollmond, der bald 30 min brauchte, bis er sich in ganzer Größe raushob. Nachtzug.
21.10. ganztägiger Stop in Trondheim. Liebenswerte, gemütliche Großstadt mit vielen alten Häusern. Zierliche australische Tierärztin, die sich auch schon solo auf den Lofoten bewegt hatte und mal eben 4 Wochen lang Skandinavien per InterRail erkundete.
Höhepunkt war ein unangemeldeter Besuch bei "Statens Kartverk". Auf traumhaft unkomplizierte Weise verstand die Chefin, dass ich gern etwas Hochauflösendes von den Lofoten hätte. Nix Schreibkram oder Bezahlung, 3 Plotter-Ausdrucke 1:5000 gegen 3 letzte Aufnahmen vom Juni mit 14 mm.
Ähnlich locker klappte abschließend in Dänemark der Anschluss zwischen Bus und Fähre. Theoretisch blieben 8 min abzüglich Fußweg. Der Bussfahrer fuhr mit Einverständnis der restlichen 5 Fahrgäste einfach direkt hin. Stark. Freundlichkeit im Norden ist kein Einzelfall.

Herwig

Gunnar Glitscher

Schöner Bericht ! *o.T.*

Beitrag von Gunnar Glitscher » 25. Okt 2002, 00:40

Schöner Bericht ! *o.T.*

Heiko

Re: Lofoten 7

Beitrag von Heiko » 25. Okt 2002, 05:22

Hallo Herwig,

wieder ein toll zu lesender Bericht von Dir!
Der PL-Vergleich mit dem Aal ist doch sehr passend:
"Das zweite war ein zappelnder Vorhang mit leicht lila scheinender Unterkante. Die wechselnden Krümmungen und die dabei auftretende Geschwindigkeit erinnerten an einem Aal, der gerade in einer Wanne gelandet ist und nicht viel von der neuen Umgebung hält."
:-)))

Gruesse aus dem Sueden
Heiko

Lakky

Re: Lofoten 7

Beitrag von Lakky » 25. Okt 2002, 10:29

und wann gibt es die bilder hier oder wo anders zu sehen
gruß lakky

Joachim Uhlig

Danke für den herrlichen Bericht *o.T.*

Beitrag von Joachim Uhlig » 25. Okt 2002, 11:17

Danke für den herrlichen Bericht *o.T.*

Torsten Kallweit

Schöner Bericht; ich glaube, das ist das beste Lofotenfoto,

Beitrag von Torsten Kallweit » 25. Okt 2002, 11:45

Immerhin habe ich auf den Lofoten 1990 mein erstes Polarlicht gesehen!
Gruß Torsten

Dieter Raith

Re: Ja es sind super Fotos auf Johannes Seiten

Beitrag von Dieter Raith » 25. Okt 2002, 13:20

Hallo Torsten und die anderen "Loffis"
Jetzt erkläre noch einem warum Du gerade dort hinfahren willst und ds dazu noch im Winter. Im Sommer regnet es bald jeden zweiten Tag im Winter schneits, regnets ist es feucht, klam und dann der Ofen! ÜBrigens Herwig wenn ich mitzählte komme ich auf die Anzahl 4 damit hast Du mir einen voraus was die Anzahl der Reisen in einem JAhr betrifft, jedoch nicht was die Gesamtanzahl betrifft. Da bin ich bei 11 hihi! und im März schaffe ich hoffentlich die 12 mit dem Auto damit ich mehr sehen kann.
Gruß der "Loffi Dieter"

Jan Gensler

Ich komme immer so ins Schwärmen,

Beitrag von Jan Gensler » 25. Okt 2002, 14:26

wenn Herwig von den Lofoten Berichte schreibt!

Ich bin bisher ein nur 2maliger "Loffi".
...Es wird mal wieder Zeit für mich...

Grüße,
Jan

Steingaesser

Re: Lofoten 7

Beitrag von Steingaesser » 25. Okt 2002, 20:31

..das ist ein herrlicher Bericht. Habe ihn mit einem Glas Wein und Schokolade genüsslich gelesen. Frage gleichfalls an: wann kann man Aufnahmen sehen?
Gruß RO

Dieter Raith

Re: Februar / März mit dem Auto? *o.T.*

Beitrag von Dieter Raith » 25. Okt 2002, 21:20

Re: Februar / März mit dem Auto? *o.T.*

Jan Gensler

Re: Februar / März mit dem Auto?

Beitrag von Jan Gensler » 25. Okt 2002, 21:40

Kann Ende Maärz gut sein :-)
Wir sehn uns vorher mal!

Jan

Katja Gottschewski

Re: Lofoten 7

Beitrag von Katja Gottschewski » 26. Okt 2002, 17:48

Hei Herwig,

danke fuer Deinen schoenen und ausfuehrlichen Bericht! Tja, haettest Du mir mal nicht so viele Bilder hiergelassen, dann waeren sie nicht knapp geworden... ;-) In zwei Wochen bin ich uebrigens auch auf den Lofoten, ich habe am Wochenende Konzerte in Kabelvåg und Sortland (Vesterålen). Viel Zeit zu Spaziergaengen und Polarlichtbeobachtung wird da leider wohl nicht sein, aber schoen wird's sicher trotzdem.

Katja

Herwig, Rostock

Danke für die freundlichen Kritiken, lofot.de noch leer

Beitrag von Herwig, Rostock » 26. Okt 2002, 19:49

Hallo,

das schöne kurze lofot.de, welches keiner haben wollte bis vor einiger Zeit, sollte ich tatsächlich langsam mal zum Laufen bringen.
http://www.lofot.de

Da es technisch für mich jedoch noch Neuland ist, eine Seite zu gestalten und zu aktualisieren, hängt es noch an ausstehender Unterweisung durch einen hiesigen Freund.
Würde ganz gerne ohne größere Kinderkrankheiten starten wollen. Bin noch beim Sortieren, was mir auf anderen Seiten irgendwo im Netz als Nutzer gefällt oder auch gar nicht gefällt.
Bildqualität, Ladezeit, Übersichtlichkeit, "schnullifrei", ... sind so einige gedachte Kriterien. Inhalte wären nicht so sehr das Problem ...

Bis Weihnachten ? Danke für den "Schubs".

Herwig

Eric (Darmstadt)

Es werden ja immer mehr Darmstädter(innen) hier im Forum . G

Beitrag von Eric (Darmstadt) » 27. Okt 2002, 00:40

Es werden ja immer mehr Darmstädter(innen) hier im Forum . Gruß an die Volkssternwarte :-) *o.T.*

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