Neue Stimmen zur Ursache der Columbia-Katastrophe

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Gunnar Glitscher

Neue Stimmen zur Ursache der Columbia-Katastrophe

Beitrag von Gunnar Glitscher » 8. Feb 2003, 21:53

"This looks like a case of people trying to fool themselves into not being worried," said a former shuttle engineer who spoke on condition of anonymity yesterday after looking at the report.

http://www.washingtonpost.com/wp-dyn/ar ... 3Feb7.html

Die Meinungen konvergieren immer mehr in Richtung der ursprünglichen Hypothese, dass Isolations- oder Eisplatten, die beim Start vom Haupttank auf den linken Shuttle-Flügel prallten, fatale Schäden verursachten. Nachdem auch Herr Dittemore, Nasa, seine diesbezüglichen verharmlosenden Einschätzung revidiert hat (...'habe niemals gesagt die Schaumplatten könnten keine Beschädigungen auslösen'...), immer mehr Details zur Verletzlichkeit des Hitzeschildes bekannt werden (siehe auch http://www.nasa.gov/formedia/MP_risk_tiles_1994.pdf) und auch die Lage der Sensormeldungen und -Ausfälle mit einem Schaden nahe des vermutliche Auftreffpunktes des Tankprojektils kompatibel sind, gibt es zur Zeit keinen Grund über Meteoriten, Weltraumschrott oder elektrische Phänomene als Ursache tiefer nachzudenken. Das 'missing link' könnte sich als Phantom herausstellen oder ganz banal mit bereits vor dem Aufprall der Platte etwas locker sitzenden Kacheln erklärbar sein. Letzteres wäre nicht verwunderlich, wenn man liest (s.o.), dass zuweilen auf das Prüfen des festen Sitzes von Kacheln verzichtet wurde, aus Sorge, das testweise Ziehen an den tiles könne bereits deren Halt mindern...

Dass über Jahre die abbröckelnden Tankverkleidungen inkl. der durch sie hervorgerufenen Kachelbeschädigungen hingenommen wurden, ist ein Skandal.
Dass das -nicht einfache, aber mögliche- Überprüfen der Shuttle-Unterseite im Orbit unterblieb (Halteleinen und Anzüge waren an Bord) war ein unverzeihlicher Fehler des Managements.

Prognose: Sobald der offizielle Abschlußbericht vorliegt, werden bei der Nasa einige Leute ihren Hut nehmen müssen.

Gruß,
Gunnar



mike

??

Beitrag von mike » 9. Feb 2003, 01:19

Hi Gunnar,

was hast Du eigentlich gegen die NASA, warum so feindlich ?

zum Thema : Ich glaube nicht (!) dass der Schaumstoff die Ursache für das Disaster ist eher kommt da wirklich Materialermüdung oder ähnliches ins Spiel, was auch immer, vielleicht werden wir es mal erfahren, vielleicht niemals.
Ja, möglicherweise müssen einige den Hut nehmen, aber wo ist das nicht so ? Wo ist denn der Unterschied zwischen einer Airline und der "Space-" Line NASA? ESA ? NASDA ? Sind nicht alle gleich dem schnöden Mammon verfallen ? Wie war es denn mit der Ariane 5 ?
Also : wenn ein Passagier-Jet abstützt fliegen auch alle weiter, hundert von Toten gegen sieben .... es war ein Unfall wieso auch immer, warum hier dieser so große Aufruhr ? Ich denke nur an die Katastrophe am Bodensee, meiner Heimat, als mich mein Bruder anruft und sagt : "He Micha, ich sehe Sternschnuppen fallen über Überlingen, schnell, schau ......" und es waren Flugzeugtrümmer ........

In Gedenken an die Opfer
cu
Mike

Gunnar Glitscher

Re: ??

Beitrag von Gunnar Glitscher » 9. Feb 2003, 12:04

Hi Mike,

die Nasa leistet Hervorragendes und es ja gar nicht so, dass ich die Institution pauschal verurteile oder gar anfeinde. Aber eines liegt nach Stand der Dinge für mich klar auf der Hand: Dieser Unfall war vermeidbar! Wenn man schon von den Astronauten erwartet die Risiken ihres Jobs zu akzeptieren, dann bedeutet das nicht, dass man ihnen zumuten darf, an einer Art russischem Roulette teilzunehmen, das auf einer gefährlichen Mischung aus Schlamperei, zu 'großzügiger' Abschätzung von Risiken und Sparmaßnahmen gründet.

Ähnlichen Schlamp erleben wir zur Zeit auch bei der ESA (auch nach Meinung von Insidern) - nur sitzen in deren Rohrkrepierern keine Leute drin.

Im Fall Columbia gibt es derzeit keinerlei Hinweise auf Materialermüdung. Sie war auch nicht der Orbiter, der am häufigsten oben war und obendrein ist gerade dieses Shuttle besonders stabil ausgelegt gewesen und war schwerer als seine Nachfolger, um hinsichtlich der auf die Struktur wirkenden Kräfte noch zusätzliche Reserven zu haben. Die anderen Fähren wurden in diesem Punkt abgespeckt.

Ob beim Start wirklich nur Schaumstoff und nicht auch Eis im Spiel war ist keineswegs sicher und nicht umsonst werden nun erneut Tests
angestellt - die wollen wir mal abwarten.

Fest scheint zur Zeit nur eines zu stehen: Die Zerstörungen am Orbiter begannen schleichend (was nur zu gut zu einer anfänglich relativ geringen Beschädigung passt) und vergrößerten sich dann beim Eintritt nach und nach bis sie schließlich ein Ausmaß annahmen, das die Lageregelung nicht mehr kompensieren konnte.

Beim Aufstieg trifft das größte bisher beobachtete Abbruchstück die linke Tragfläche und genau dort beginnen dann beim Abstieg die Probleme - das KANN Zufall sein, aber sehr plausibel ist eine solche Vermutung nicht. Vielmehr ist es ganz übel wenn da überhaupt was abfällt (und das ja nicht zum erstenmal). In den Pressekonferenzen der Nasa wurde daher um diesen Punkt von Herrn Dittemore ein recht durchsichtiger Eiertanz aufgeführt - denn am Ende geht es ja um den Punkt: Wer und was ist verantwortlich für das Desaster, kurz gesagt, war es ein unabwendbares Schicksal (danach sieht bisher nicht aus), oder verantwortungslose Schlamperei. Auch das von Dir erwähnte Flugzeugunglück war kein unabwendbares Schicksal, wie die Untersuchungen ja ergeben haben.

Bei allem leidenschaftlichen und wie ich denke freundschaftlichen 'Streit um die Wahrheit' - und da schließe ich mich Dir zu 100% an - stehen im Mittelpunkt unserer Gedanken die Opfer. Sie verpflichten zu einer rückhaltlosen Aufklärung wie sie auch im Fall Challenger gelang und zu einer raschen Umsetzung der Lehren aus dem Unfall - auch wenn dies Geld kosten wird.

Gruß,
Gunnar

> Hi Gunnar,

> was hast Du eigentlich gegen die NASA, warum so feindlich ?

> zum Thema : Ich glaube nicht (!) dass der Schaumstoff die
> Ursache für das Disaster ist eher kommt da wirklich
> Materialermüdung oder ähnliches ins Spiel, was auch immer,
> vielleicht werden wir es mal erfahren, vielleicht niemals.
> Ja, möglicherweise müssen einige den Hut nehmen, aber wo ist das
> nicht so ? Wo ist denn der Unterschied zwischen einer Airline
> und der "Space-" Line NASA? ESA ? NASDA ? Sind nicht
> alle gleich dem schnöden Mammon verfallen ? Wie war es denn mit
> der Ariane 5 ?
> Also : wenn ein Passagier-Jet abstützt fliegen auch alle weiter,
> hundert von Toten gegen sieben .... es war ein Unfall wieso auch
> immer, warum hier dieser so große Aufruhr ? Ich denke nur an die
> Katastrophe am Bodensee, meiner Heimat, als mich mein Bruder
> anruft und sagt : "He Micha, ich sehe Sternschnuppen fallen
> über Überlingen, schnell, schau ......" und es waren
> Flugzeugtrümmer ........

> In Gedenken an die Opfer
> cu
> Mike

Peter Haubold

Re: ??

Beitrag von Peter Haubold » 9. Feb 2003, 19:19

Hi Gunnar, hi Mike und all die anderen die dies verfolgen.

Ich glaube nicht, das hier jemand die NASA an sich anfeindet, aber ich muss Gunnar im großen und ganzen Recht geben.
Aus welchem wirklichen Grund das auch immer passiert ist, ich glaube das die NASA sich ein wenig zu viel auf Ihre Computersinulationen verlassen haben und egal ob ausgebildet oder nicht. Möglichkeiten der Kontrolle hat es aus meiner Sicht gegeben. Ob dadurch die Katastrophe abwendbar gewesen wäre sei dahingestellt. Weiterhin gibt es da noch eine Variante die zwar teuer aber nicht unmöglich ist.
Was hindert die NASA eiegntlich daran, grundsätzlich einen Shuttle in Bereitschaft zu haben der im Falle eines Falles hochgeschickt wird um a) Bergungsmaßnahmen und b) Kontrollen durchzuführen.
Der Shuttle muss ja nicht gleich auf der Rampe stehen und eine Stunden nach abheben des ersten Shuttles oben sein.
Aber er könnte in der Halle unbetankt ansonsten aber Flugfertig bereit stehen. Diese Shuttle hat alles on Board was gebraucht wird um sowohl die Crew der ISS als auch der eines Shuttles zu bergen. Bei der jetzigen Katastrophe hätte der Reserveshuttle kontrollieren können ob das Hitzeschild in Mitleidenschaft gezogen war.
Natürlich sind die Kosten enorm, natürlich sind die Risiken enorm, aber jeder Rettungsversuch der Menschenleben retten kann ist ein Indiez auf die Zuverlässigkeit der NASA die eben alle Eventualitäten berücksichtigt hat. Kommt es dann dennoch zu einem Unglück dann ist das wohl das sprichwörtliche Pech.

Warum stehen wohl bei einem Autorennen an diversen Stellen Rettungsmanschaften bereit, warum steht auf jeder Kirmes ein Rettungswagen ? WARUM mussten die Astronauten sterben.
Für mich ist es zweitrangig ob verantwortliche bei der NASA gehen müssen oder nicht. Ich will, das solche Unternehmen nach menschlichen Ermessen sicher sind. Und genau driften unsere Meinungen auseinander.
Geht nicht, gibts nicht. Bei höhere Gewalt ist der Mensch machtlos, aber wo Grenze ? Kostenfaktor ?
Ich denke mal nicht, denn wer so ehrgeizige Pläne hat eine Raumstation im All zu plazieren, wer bemannte Raumfahrt betreiben will und kann, der muss sich darüber im klaren sein, das Rettungseinsätze notwendig sein können. Und hierfür müssen die entsprechende Vorbereitungen getroffen sein.

Arroganz, blindes Vertrauen in die Technik, Unkenntnis und Übermut darf sich eine Firma wie die NASA nicht leisten.

Klingt bitter und wird die Meinungen noch weiter auseinanderdriften lassen. Es bringt aber nichts darüber zu diskutieren. Alle Spekulation hier im Forum, oder in den Medien wird uns der Wahrheit kaum näherbringen. Warten wir das Ergebnis der Untersuchungen ab und richten dann "unsere" Vorschläge an die NASA.

Im Gedenken an die Crew
Peter Haubold


Ulrich Rieth

Verhältnismäßigkeit wahren...

Beitrag von Ulrich Rieth » 9. Feb 2003, 21:27

Hallo!

Eigentlich wollte ich mich ja jetzt garnicht mehr zum Thema äußern, bis nicht die wirklichen Fakten auf dem Tisch liegen, aber so langsam bekomme ich das Gefühl, dass die Verhältnismäßigkeit der ganzen Angelegenheit übersehen wird.
Vorgestern gab es einen sehr guten Kommentar in "CNN International Correspondents". Darin wurde gefragt, warum man bei den 7 gestorbenen Astronauten weltweit so eine teils heuchlerische Trauer an den Tag legt, während man über ca. 1000 Menschen, die bei Schiffsunglücken am gleichen Tag in Indonesien und in anderen Teilen der Welt ums Leben gekommen sind, nichtmal berichtet.
Eine wirklich zufriedenstellende Antwort konnte nicht gegeben werden. Es scheint aber wohl damit zusammenzuhängen, dass der "normale Mensch" den Weltraum nie erreichen kann, und er sich deshalb besonders für die "heldenhaft gefallenen Astronauten" interessiert, dabei aber die "Helden des Alltags" völlig außer acht lässt.
Wie dem auch sei, mir ist weiterhin aufgefallen (das hatte ich aber schonmal gesagt), dass nur in Deutschland der Ruf nach "rollenden Köpfen" auftaucht. Warum das so ist, und wieso ich mich persönlich mittlerweile überhaupt nicht mehr mit dieser "ach-so deutschen" Meinung identifizieren kann, weiss ich nicht und ich will es eigentlich auch garnicht wissen. Aber es fällt auf, dass gerade hierzulande viele Dinge einfach nicht zu Ende gedacht werden.
Jetzt aber noch ein paar Kommentare zum vorangegangenen Posting.

> Aus welchem wirklichen Grund das auch immer passiert ist, ich
> glaube das die NASA sich ein wenig zu viel auf Ihre
> Computersinulationen verlassen haben und egal ob ausgebildet
> oder nicht.

Nein, keinesfalls. Die gesamte Komplexität einer Weltraum Mission ist mit konventionellen Mitteln einfach nicht erfassbar. Allein der Datenstrom, der aus dem Shuttle kommt ist so riesig, dass es bei "manueller" Durchsicht Jahre dauern würde, einen Fehler zu finden. Wenn man sich daher nicht auf die Computermodelle verlassen könnte, bräuchte man nichtmal mehr ein normale Flugzeug neu zu bauen, denn auch die neuen Airbus-Modelle werden zu 100% über Computersimulationen entwickkelt. Wer sich damit nicht abfinden will, sollte sich auch nur noch zu Fuß fortbewegen.

> Möglichkeiten der Kontrolle hat es aus meiner Sicht
> gegeben.

Nein, das ist aber schon oft genug ausgeführt worden, weshalb ich hier nur nochmal darauf aufmerksam machen möchte, dass die Risiken, bei einer Kontrolle einen größeren Schaden anzurichten, höher waren als der Nutzen einer Kontrolle.

> Ob dadurch die Katastrophe abwendbar gewesen wäre sei
> dahingestellt.

Und eben genau das war sie ja nicht. Sowas läuft unter dem nüchternen Titel "Risikoabschätzung" und ist nicht aus der Raumfahrt sondern aus der Luftfahrt.

> Was hindert die NASA eiegntlich daran, grundsätzlich einen
> Shuttle in Bereitschaft zu haben der im Falle eines Falles
> hochgeschickt wird um a) Bergungsmaßnahmen und b) Kontrollen
> durchzuführen.

Erstens hat man nur 4 Shuttles zur Verfügung, die sich immer in verschiedenen Stadien der Landungs-Nachbereitung bzw. der Start-Vorbereitung befinden.
Wenn ich richtig informiert bin, ist die Endeavour gerade im Prozess der Kontrolle nach ihrer letzten Mission. Die Atlantis ist in der Vorbereitungsphase für ihrer kommende Mission. Und die Discovery befindet sich gerade in Californien oder ist gerade von dort zurück, wo sie ein System-Upgrade erhalten hat.
Und außerdem greift auch hier die Risiko-Abschätzung. Es würde einfach nichts bringen, wenn man mal eben hochfliegt und nachschaut.
Ganz nebenbei ist es nicht mal in ein paar Tagen erledigt die Flugsoftware für eine Mission zu etablieren. In der Atlantis war schon alles fertig für die ISS Mission. Demnach hätte man die Endeavour extrem schnell durch die ganzen Prozeduren schleusen müssen, was zu erheblichen Fehlern führen kann.

> Der Shuttle muss ja nicht gleich auf der Rampe stehen und eine
> Stunden nach abheben des ersten Shuttles oben sein.
> Aber er könnte in der Halle unbetankt ansonsten aber Flugfertig
> bereit stehen. Diese Shuttle hat alles on Board was gebraucht
> wird um sowohl die Crew der ISS als auch der eines Shuttles zu
> bergen. Bei der jetzigen Katastrophe hätte der Reserveshuttle
> kontrollieren können ob das Hitzeschild in Mitleidenschaft
> gezogen war.

Ja, aber nach 2 Wochen müsste er oben sein, was schlichtweg nur mit erheblichem Risiko für den Flug zu machen wäre. Und da stellt sich mir doch die Frage nach dem Sinn. Soll man, nur um Gewissheit zu haben, dass man nichts machen kann, auch noch eine zweite Crew riskieren, die dann sogar möglicherweise schon beim Start verunglückt?
Außerdem, warum soll man einen kompletten Shuttle immer in Reserve halten? Das wäre dann quasi ein 5 Mrd. $ Notdienst, samt anhängender Bodenmannschaft, die in permanentem Training sein müsste, aber gleichzeit immer hoffen würde, nie zum Einsatz zu kommen.
Also ich meine hier gehen die unter Schock gewonnenen Gedanken doch etwas zu weit.

> Natürlich sind die Kosten enorm, natürlich sind die Risiken
> enorm, aber jeder Rettungsversuch der Menschenleben retten kann
> ist ein Indiez auf die Zuverlässigkeit der NASA die eben alle
> Eventualitäten berücksichtigt hat. Kommt es dann dennoch zu
> einem Unglück dann ist das wohl das sprichwörtliche Pech.

Und genau hier beißt sich die Katze in den Schwanz. Das es nämlich bei einer Hau-Ruck-Rettungsmission zu diesem "Pech"-Fall kommt, ist um einiges wahrscheinlicher, als dass es gut geht.

> Warum stehen wohl bei einem Autorennen an diversen Stellen
> Rettungsmanschaften bereit, warum steht auf jeder Kirmes ein
> Rettungswagen? WARUM mussten die Astronauten sterben.

Das ist Unfug. Eine Rettung am Boden ist bedeutend einfacher und als eine Rettung im Erdorbit. Außerdem wollen genau diese Rettungsmannschaften erstmal ordentlich Cash sehen, bevor sie sich dahin stellen.

> Für mich ist es zweitrangig ob verantwortliche bei der NASA
> gehen müssen oder nicht. Ich will, das solche Unternehmen nach
> menschlichen Ermessen sicher sind. Und genau driften unsere
> Meinungen auseinander.

Ja, und hier muss ich genau einspringen und eben sagen, die Mission sind nach allem Ermessen und nach dem aktuellen Stand der technischen Machbarkeit (was das Upgrade von 70er Jahre Maschinen betrifft) SICHER.
Auch der Einwand, dass man ja bei einigen Flügen vorher schon Material von Tank abbrechen sah, zählt für mich nicht.
Dieses Material hatte bisher zu keinen ernsthaften Fehlern geführt und es ist auch nicht erwiesen, dass es diesmal dazu geführt hat.
Außerdem laufen ja bereits Projekte in Sachen neuer Isolierung für den ET.

> Geht nicht, gibts nicht.

Gibts ja auch nicht. Jeder Orbiter wird ja alle paar Jahre komplett zerlegt und dabei mit neuen Systemen ausgerüstet.
Auch die Feststoff-Booster und der extrene Tank sind einem konstanten Entwicklungsprozess unterzogen.
Das ganze ist eben nur dadurch limitiert, dass ein System vorgegeben ist. Man kann also nicht mal eben die Spannungsversorgung in einem Teil ändern, nur weil man dadurch einen besonders leichten Baustein einbauen könnte. Wenn man irgendwo was verändert, hat das immer Konsequenzen auf das gesamte System.
Aber ich möchte das hier jetzt nicht noch mehr ausweiten.
Wir werden daran ohnehin nichts ändern können. Und da jedes Individuum eine andere Einschätzung von Risiken hat, wird man gerade, wenn es um Unfälle geht, nie auf einen Nenner kommen.
Ich für meinen Teil werde weiterhin die Untersuchungen, die als die offensten in der Geschichte bezeichnet werden, verfolgen.
Ich bin mir aber sicher, dass das Ergebnis diejenigen, die personelle Konsequenzen fordern, und diejenigen, die der NASA Fahrlässigkeit und Schlamperei vorwerfen, nicht befriedigen wird.
Es wird, meiner Meinung nach, darauf hinauslaufen, dass man zum Schluss kommen wird, dass es ein Unfall war, bei dem viele, nicht beeinflussbare, Einzelkomponenten eingespielt haben. Außerdem wird man damit enden, dass es keine Möglcihkeit gab, ihn zu verhindern. Es wird dann wohl eine Empfehlung geben, dass diese oder jene Komponente nochmal überdacht und ersetzt werden soll. Aber am Ende wird man so schnell wie möglich mit den Flügen weiter machen. Und der erste Flug nach Columbia wird, ebenfalls meiner Meinung nach, noch in diesem Jahr stattfinden.
Gruß

Ulrich

PS.: Auf der KSC Seite gibt es alle NASA TV Sendungen der letzten Woche als Real-Media-Stream. Besonders "schön" fand ich die Trauerfeier in Houston. http://www.ksc.nasa.gov/columbia/archive.htm

Gunnar Glitscher

Re: ??

Beitrag von Gunnar Glitscher » 9. Feb 2003, 21:53

Hallo Peter,

natürlich reine Kostensache und nur einsetzbar wenn noch genügend Zeit vorhanden ist, also nicht in jedem denkbaren Havarie-Fall. Viele Komponenten der bestehenden Sicherheitsstruktur kamen noch nie zum Einsatz (z.B. die Notlandeplätze außerhalb der USA). Aber sie stehen zur Verfügung. Ein Rettungs-Shuttle für extreme Notfälle käme nach den bisherigen Erfahrungen wohl nur alle 20-30 Jahre zum Einsatz, oder nie. Im aktuellen Fall stand die Atlantis zur Verfügung, aber die Nasa war nicht flexibel genug um diese Option, inklusive einer voherigen Columbia-Inspektion durch die STS-71 Crew, zu nutzen.

Gruß,
Gunnar

> Was hindert die NASA eiegntlich daran, grundsätzlich einen
> Shuttle in Bereitschaft zu haben der im Falle eines Falles
> hochgeschickt wird um a) Bergungsmaßnahmen und b) Kontrollen
> durchzuführen.

Gunnar Glitscher

Re: Verhältnismäßigkeit wahren...

Beitrag von Gunnar Glitscher » 9. Feb 2003, 23:01

Hi Ulrich,

ich denke die Aufrechnerei von soundsoviel Toten hier gegen soundsoviel Tote dort führt zu nichts. In der Wahrnehmung der Öffentlichkeit ist es halt ein Unterschied, ob der Papst stirbt oder irgend ein Dorfpriester, obwohl es da ja menschlich wie biologisch keinen Unterschied gibt. Und wer sich auch nur ein wenig für Raumfahrt und deren Zukunftspotential interessiert, der drückt den 'Sternenfahrern' alle verfügbaren Daumen, auf dass bei ihrem verdienstvollen und riskanten Job alles gut gehen möge. Die halten für den Fortschritt ihre Haut hin, lassen uns via Internet und anderen Medien an ihren Abenteuren und Erfahrungen teilhaben und sind zudem hoffnungsvolle Symbole für gute internationale Zusammenarbeit. Den Blick auf die EINE kostbare Erde, vom Mond wie aus der Umlaufbahn haben wir ihnen genauso zu verdanken, wie die Erfahrung, dass der Mensch fähig ist, die irdischen Fesseln zu sprengen. Raumfahrer sind daher Sympathieträger und dass man sich in dem CNN Bericht darüber wunderte, dass das tragische Schicksal der STS-107 Crew die Leute in aller Welt mehr bewegte als die anonymen Opfer von Schiffsunglücken finde ich schon sehr merkwürdig.

Noch ein Wort zur Komplexität von Weltraumunternehmen. Ich denke, Du hast Peters Bemerkung zu den Simulationen völlig mißverstanden. Es ging nicht um die Abschaffung der Computer, sondern darum, bei Gelegenheit auch mal den gesunden Menschenverstand einzuschalten.

Gruß,
Gunnar

> Aus welchem wirklichen Grund das auch immer passiert ist, ich
> glaube das die NASA sich ein wenig zu viel auf Ihre
> Computersinulationen verlassen haben und egal ob ausgebildet
> oder nicht.

Nein, keinesfalls. Die gesamte Komplexität einer Weltraum Mission ist mit konventionellen Mitteln einfach nicht erfassbar. Allein der Datenstrom, der aus dem Shuttle kommt ist so riesig, dass es bei "manueller" Durchsicht Jahre dauern würde, einen Fehler zu finden. Wenn man sich daher nicht auf die Computermodelle verlassen könnte, bräuchte man nichtmal mehr ein normale Flugzeug neu zu bauen, denn auch die neuen Airbus-Modelle werden zu 100% über Computersimulationen entwickkelt. Wer sich damit nicht abfinden will, sollte sich auch nur noch zu Fuß fortbewegen.

Gunnar Glitscher

Nasa Schlamperei auch Thema in den USA

Beitrag von Gunnar Glitscher » 10. Feb 2003, 01:21

und keineswegs eine Erfindung 'typisch deutscher' antiamerikanischer Bedenkenträger. ;-)

'A review panel of the government's top aerospace experts blamed sloppy management and workmanship.'

Interessantes dazu hier:

http://www.washingtonpost.com/wp-dyn/ar ... 3Feb8.html

Gruß,
Gunnar

Gunnar Glitscher

Falls Link nicht klappt....

Beitrag von Gunnar Glitscher » 10. Feb 2003, 01:25


Ulrich Rieth

Was für ein Glück, dass...

Beitrag von Ulrich Rieth » 10. Feb 2003, 08:54

...man als Abgeordneter sehr hoch in der Hierarchie sitzt, dann kann man mal ganz schnell von den eigenen Fehlern ablenken, und es den Untergebenen oder Abhängigen in die Schuhe schieben.
Ok, Dan Goldin war nicht wirklich eine Leuchte, aber er ist bestimmt nicht zum Senat gegangen und hat gesagt, kürzt uns doch mal das Budget, wir kommen auch mit der Hälfte aus.
Aber in dem Artikel kommt dann doch mal ein negativer Punkt der USA sehr deutlich raus. Kritisiere in Zeiten der Krise bloß nicht deine politische Führung, denn das machen ja schon fast alle Ausländer.
Tut mir leid, aber auf diesen Artikel geben ich nicht sonderlich viel.
Gruß

Ulrich

Gunnar Glitscher

Re: Was für ein Glück, dass...

Beitrag von Gunnar Glitscher » 11. Feb 2003, 01:59

Hi Ulrich,

man könnte natürlich auf dem Standpunkt stehen, Kritiker wie Rohrabacher und Blomberg seien eben nur Knalltüten - meiner Meinung nach eine eher unwahrscheinliche Annahme. Ich sehe die Warner eher als positives Indiz dafür, dass in den USA genügend Potential für eine Kurskorrektur bei der Nasa in die richtige Richtung existiert.

Gruß,
Gunnar

'NASA subsequently declared the four shuttles would be used until at least 2012, and likely past 2020, beyond their planned lifespan. At the same time, the agency did not -- according to its own safety advisory panel -- commit to spending enough to ensure shuttle operations would be safe through this period.

This discrepancy was the principal topic of discussion at a prescient congressional hearing last April 18. Rohrabacher, the House aeronautics and space subcommittee chairman, stated then that "I was in the White House when the Challenger blew up, and we never want anything like that to happen again . . . and I think the administration needs to pay attention to this."

Richard Blomberg, who had recently stepped down as the safety panel chairman, testified that "in all my years of my involvement . . . I have never been as worried for space shuttle safety as I am right now." Blomberg said his concerns were about the shuttle's long-term health, not its near-term flights. But he added, "one of the roots of my concern is that nobody will know for sure when the safety margin has been eroded too far." '

> ...man als Abgeordneter sehr hoch in der Hierarchie sitzt, dann
> kann man mal ganz schnell von den eigenen Fehlern ablenken, und
> es den Untergebenen oder Abhängigen in die Schuhe schieben.
> Ok, Dan Goldin war nicht wirklich eine Leuchte, aber er ist
> bestimmt nicht zum Senat gegangen und hat gesagt, kürzt uns doch
> mal das Budget, wir kommen auch mit der Hälfte aus.
> Aber in dem Artikel kommt dann doch mal ein negativer Punkt der
> USA sehr deutlich raus. Kritisiere in Zeiten der Krise bloß
> nicht deine politische Führung, denn das machen ja schon fast
> alle Ausländer.
> Tut mir leid, aber auf diesen Artikel geben ich nicht sonderlich
> viel.
> Gruß

> Ulrich

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