Hallo nochmals!
Hier nun endlich der schon versprochene Bericht über die Beobachtungs-Foto-Feier-Session anlässlich des Merkur-ISS-Transits.
Nachdem ich heute Morgen nochmal für diverse Sternwarte die ISS Transitzeiten zusammengestellt hatte, bin ich dann gegen 6 MESZ zur Sternwarte losgefahren. Dort angekommen wurde erstmal in Ruhe und später in Hektik diverse Geräte aufgebaut (3 x C8, 2 x Refraktoren, 1 x Spektiv und ein paar Feldstecher, sowie Videokameras, 1x Mintron, zahlreiche analoge und digitale Fotoapparate) und ausgerichtet (das dort stehende 12 Zoll LX200).
Während dieser Aufbaumaßnahmen wurde die im Osten hängende "Schottland 2003 Gedächtniswolke" argwöhnig begutachten.
Sie hing genau bis in 9 Grad Höhe den kompletten Nordhorizont zu und genau die invertierte Bewölkungssituation würde mich am 31.05. in Schottland zu regelrechten Jubelorgien verführen.
Wie dem auch sei, pünktlich 10min vor Beginn des Merkur-Transits hatte die Wolke sich auf 8 Grad Höhe verzogen und die Sonne entsprechend an Höhe gewonnen, so dass man zum ersten Mal die "normal-fleckige" Sonne ablichten konnte.
Und dann ging es los.
1. Kontakt...wo ist die Delle, wer sieht sie. Ich durch den Kamerasucher hatte natürlich schlechte Karten, aber 1min nach dem Kontakt hatte ich Merkur dann auch.
Schnell ein Bild gemacht und noch eins und dann war es wieder soweit.
Konzentrieren! Der ISS-Transit steht bevor...und geht vorbei...nichts...Mist, was ist falsch gelaufen?
Völlige Ratlosigkeit, aber einer unserer Beobachter sagt, er hätte da was gesehen. Dann ein Anruf aus der Volkssternwarte in Mainz. ISS-Transit prima in Projektion gesehen. Noch mehr Ratlosigkeit.
Schließlich die Videoaufnahme gestoppt und zurückgespult.
Beim Ansehen auf dem Fernseher nichts.
Das kann doch nicht sein...also schaue ich mir während der zweiten Vorführung das Ganze durch den Kamerasucher-Monitor an.
Wow, da ist was....ja....ISS....pünktlich...auf die Sekunde.
Mist, warum hab ich Idiot nicht einfach auf die Sekunde genau auf den Auslöser gedrückt, das wäre locker drin gewesen.
Aber egal...das Ereignis ist auf Video.
Danach schauten sich noch anderen das Video an und schließlich kehrte wieder Ruhe ein und jeder ging seinen Beobachtungen und Fotosessions nach.
Zwischendurch kamen immer wieder Gäste, die meist sehr beeindruckt waren.
Gegen Ende beim 3.Kontakt gab es dann nochmal die nötige Konzentration. Ich habe dann beim 3. und 2min nach dem 3.Kontakt meinen Film voll gemacht und dann blitzschnell von Kamera auf Okular umgebaut. Bei 300-fach konnte ich Merkur am Sonnenrand langsam verschwinden sehen. Als er für mich im Seeing verschwunden war, fing unser erfolgreicher Videograph ganz trocken an von 3 nach 0 runterzuzählen. Danach sagte er, jetzt ist er offiziell weg. Nicht schlecht...nur 3sec Beobachtungszeit "verschenkt".
Ach ja, irgendjemand schrieb was zu den Belichtungszeiten.
Ich habe mich bei meinen Aufnahmen auch völlig auf den Belichtungsmesser verlassen. (Beim Mond und bei der Sonne fahre ich bisher immer sehr gut damit.) Und auch mir kamen die Zeiten elendig lang vor. Das mag aber auch daran liegen, dass ich normalerweise keine 100ASA Filme (Provia 100F) einsetze.
Für die Aufnahmen im Primärfokus bei 3 Meter Brennweite und f/19.2 (wegen der speziellen Scheiner-Blenden-ähnlichen Filteranordnung) hab ich fast immer 1/45s nehmen müssen.
Bei eine paar Okularprojektionsversuchen mit 6 und 18 Metern wurden daraus denn 1/3s bzw. 2s.
Leider bekomme ich den Film erst morgen um 11 MESZ aus der Entwicklung, da das Labor schon um 17 MESZ zugemacht hat.
Ich hoffe aber, dass ich ein paar nette Pics herausbekommen werde.
Ach ja, die Gruppen 10348 und 10349, aber speziell die 348 war der Hammer. Habt Ihr beobachtet, wie sich im Laufe des Morgens diese riesige Lichtbrücke ausgebildet hat? Ich hab kurz nach 12 extra noch per WAP überprüft, ob wir keinen starken M-class Flare haben, weil ich fast einen Weißlichtflare vermutete.
Aber auch die kleinen Flecken, die sich heute aus dem Nichts gebildet haben, waren toll.
Ich glaube man beobachtet die Sonne einfach nur immer über zu kurze Zeiträume.
So, jetzt ist erstmal genug geschrieben und das Weizen ist langsam kalt geworden. Prost!
Ulrich
Merkur-ISS-Transit-Bericht aus Mainz
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