Schottland SoFi Expedition mit Zugabe 90% erfolgreich

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Ulrich Rieth

Schottland SoFi Expedition mit Zugabe 90% erfolgreich

Beitrag von Ulrich Rieth » 1. Jun 2003, 23:12

Hallo SoFi und PL Jäger!

Am Donnerstag bin ich mit 5 weiteren Beobachtern mit Ryanair nach Schottland (Prestwick-Glasgow [andersrum ist es eine Irreführung, weils noch weit südlich von Glasgow liegt]) geflogen.
Dort haben wir, wie viele andere aus einen Hertz Mietwagen abgeholt, weil man den auf der Ryanair Seite angepriesen bekommt. Effektiv ist er aber sicherlich teurer als ein separat gebuchter Wagen. Ach ja, wir haben, aufgrund der langen Schlagen (jeder hat wohl das Doppelpacket gebucht) über 1.5 Stunden auf den Wagen gewartet. Bei den anderen Vermietern wäre man in 10min durch gewesen.
Ok, das nur so als Tipp, falls mal jemand spontan zum Polarlicht nach Schottland will.
Ok, von Prestwick sind wir dann erstmal über die Autobahn via Glasgow nach Dundee zu unserem Privatquartier gefahren. Einen Abstecher nach Edinburgh mussten wir, wegen der langen Wartezeit auf den Mietwagen, streichen.
In Dundee angekommen, hab ich erstmal schnell per Wap die PL Lage überprüft. Als dann die erste Warnung reinkam, war mir klar, dass es ein 100% sicheres Ereignis sein würde. Aus diesem Grund habe ich ein paar Leute weiter im Norden von Schottland (Thurso und Orkney) informiert, aber die hatten Wolken.
Dann sind wir erstmal in den nächsten Pub, wo man natürlich im 23 BST rausgeschmissen wird.
Schnell nach Hause, PL Lage gecheckt, Himmel wurde langsam erträglich dunkler. Also schnell den 100ASA Touristen Film raus und den angebrochenen Provia 400F rein. Das 28-105er Zoom-Objektiv in die Jackentasche und das 16/2.8er auf die Kamera. Dann hinters Haus gegangen und nach oben gestarrt. Horizontsicht gab es dort natürlich nicht, hätte aber auch nichts genützt, denn im Norden wars noch viel zu hell.
Plötzlich im Westen...wow...4 parallele Strahlen (im Nachhinein müssen es wohl Bänder im Zenith gewesen sein). Schnell die anderen rufen lassen, ein *freund war mit runter gekommen und konnte das machen. Ich habe also mit den Fotos angefangen. Diesmal habe ich mich 100%ig auf den Belichtungsmesser der EOS 50E verlassen.
Dummerweise (für PL Beobachter) ist in Schottland alles mit Na-Dampf-Lampen beleuchtet. Da gleichzeitig von Südosten Wolken aufzogen, war ein Teil des Himmels schön orange.
Während der folgenden Stunde gab es immer wieder Strahlen im Zenit und bis etwa 40 Grad über den Südhorizont.
Da es nur für eine knappe Dämmerung reichte, war der Himmel immer deutlich aufgehellt. Vom visuellen Eindruck gab es fast nur weiße Strahlen, aber auch leicht rötliche Flächen. Ich habe auch nur den bereits angefangenen Film voll gemacht, da immer mehr Wolken kamen.
Außerdem mussten wir ja die nächste Nacht komplett aufbleiben, weshalb ich dann gegen 1 BST abgebrochen habe.
Am nächsten Morgen gings dann relativ früh los nach Norden.
In der wunderschönen Landschaft Ost-Schottlands haben wir das ein oder andere Castle besucht und natürlich fotografiert. Außerdem haben wir noch ein wenig Verpflegung für die Nacht organisiert.
Abends gegen 22 BST haben wir uns dann in Elgin nach dem Essen getrennt. Ich selber bin mit einen weiteren *freund nach Norden gefahren, um maximale Höhe und vollständigen Ring haben zu können. Der Rest der Crew ist nach Lossiemouth an den äußersten Rand der Ringförmigkeitszone, um Baileys Beads Beoachtungen zur Sonnendurchmesserbestimmung für die IOTA machen zu können.
Auf unserem Weg über Inverness nach Duncansby Head (ganz im Nordosten) war es zunächst super klar, aber dann zog der berüchtigte schottische Seenebel (Scottish Haar) auf. Erst wenig, dann moderat und schließlich war die Sichtweite auf knappe 20-40 Meter heruntergegangen. Die Fahrt zo sich also dahin, aber ich hoffte einfach, dass es im Nordosten schon passen könnte.
Als wir gegen 2 Uhr in Duncansby Head ankamen dann totale Ernüchterung...super dichter, feuchter, salziger Nebel und Orkan. Es waren sicherlich 50 oder mehr Autos auf der Klippe und die Schafe ranten sogar um ein paar Zelte (wie die stehenbleiben konnte, bei dem Sturm, wüsste ich auch mal gerne). Das Licht des Leuchtturms konnte man erst knapp 50-100 Meter, bevor man direkt vor dem Turm stand, sehen, also war der Nebel wirklich übel. Ein Blick auf die Uhr, noch knappe 2 Stunden bis Sonnenaufgang.
Also ungedreht und zurück. Glücklicherweise war der Nebel unterwegs jetzt nicht mehr so dicht und ich konnte den Mondeo mit Automatikgetriebe voll ausreitzen. (Kann mir eigentlich mal jemand sagen, wo die Geschwindigkeitsbeschränkungen in Schottland liegen?)
In etwas weniger als 2 Stunden haben wir es tatsächlich wieder bis herunter nach Brora geschafft, was etwa 2/3 des Rückweges entspricht.
Hier war der Himmel klar, aber der Nebel im Norden behinderte doch die Sicht bis etwa 3 Grad über dem Horizont.
Etwa 10min vor Sonnenaufgang haben wir unseren Beobachtungsplatz direkt am Meer, Mitten auf einem Golfplatz, der im Sommer auch als Kuh- und Schafweide und im Winter als Langlauf- und Abfahrtsskigebiet genutzt wird, aufgebaut.
Vorort waren auch ein paar Schotten (einer, er sprach deutsch, da er Busfahrer mit Deutschlandtouren ist, hat uns dann nach der Finsternis sogar zum Kaffee eingeladen). Die anderen Schotten machten sich einen Spaß daraus die Engländer zu vertreiben. Außerdem waren noch Franzosen da.
Als dann der theoretische Sonnenaufgang kam, war noch nichts zu sehen. Auch 10min später noch nichts.
Dann lief es auf die Annularität zu, aber leider noch nichts. Schade...aber sie sollte ja rund 1.5min dauern, vielleicht reicht es irgendwie.
Aber leider Fehlanzeige. Kein Ring zu sehen.
Und dann, 40sec nach dem 3.Kontakt ruft mir ein Franzose, der etwa 5m neben mir stand zu "Look there, the Crescent!"
Shit! 40sec zu spät, aber immer noch ein extremer Bedeckungsgrad.
Ich würde schätzen, dass vom Vollring erst ein 30 Gradsegment gefehlt hat. Schnell ein paar Schnappschüsse mit dem 300er Objektiv gemacht. Das hatte ich kurz vor Beginn der theoretischen Ringförmigkeit draufgebaut, damit ich schnell reagieren kann, falls doch noch was zu sehen sein sollte, denn die 500er Tonne mit 2-fach Konverter hätte ich so schnell nicht ausgerichtet bekommen.
Nun ja, nach den 300er Shots habe ich dann schnell auf 1000mm gewechselt und noch eine stark verfinsterte wunderbar rote Sonne aufgenommen.
Danach habe ich dann einfach den restlichen Verlauf der partiellen Phase mit verschiedenen Brennweiten, sowie unserem Beobachtungsort am Strand dokumentiert.
Insgesamt würde ich die Finsternis nicht wirklich als Fehlschlag werten, auch wenn ich leider meinen ersten Ring noch nicht gesehen habe.
Nachdem wir unser ganzes Gerödel wieder im Wagen verstaut hatten, sind wir zunächst der Einladung zum Kaffee gefolgt, bevor wir wieder weiter nach Süden gefahren sind.
Unterwegs gabs noch ein nettes Castle, an dem wir gehalten und gefrühstückt haben.
Dann haben wir uns am Loch Ness am Museeum auf den Parkplatz gestellt und 30min gedöst, bevor die andere Crew auch dort aufgeschlagen ist. Auch diese Beobachter konnten die Sonne erst knappe 2min nach dem 3.Kontakt auffassen.
Der Rückweg der völlig geschafften Beobachter führte zunächst noch an einer schönen Ruine vorbei und zu einem tollen Aussichtspunkt auf Ben Nevis, den höchsten Berg Großbritanniens.
Von dort aus ging es dann durch die wunderschönen Highlands. Teilweise bizzare Mondlandschaften. Ich habe mich sogar gefragt, ob es schon Moon-Hoax Seiten im Netz gibt, wo Aufnahmen von dort mit Mondaufnahmen verglichen werden. Echt genial.
Irgendwann kurz nach 17BST sind wir dann glücklich wieder in Dundee gewesen. Und dort wurde, obwohl die lokale Mannschaft den schottischen Fussball-Pokal nicht gewonnen hatte, durchaus gut gefeiert.
Wir selber sind "nur" zum Italiener, wobei die uns erstmal zum Laden um die Ecke geschickt haben, damit wir unseren Wein selber einkaufen, da sie selber keine Lizens zum Alkoholverkauf nach 22 Uhr hatten, echt cool.
Irgendwann sind wir dann mit dem Taxi zurück zum Quartier gefahren, wobei wir einen Taxifahrer erwischten, der 23 Jahre lang in Deutschland stationiert war. Naja, er hat die Unterhaltung aber doch lieber auf englisch mit finsterem schottischen Akzent geführt.
Der Sonntag brachte dann praktisch nur noch die Rücktour nach Prestwick und den Heimflug. Hier gab es, bis auf ein paar schöne Cb's über Belgien keine besonderen Vorkommnisse mehr.
Jetzt bin ich aber auch echt fertig und es wird Zeit, dass ich etwas Schlaf nachholen kann.
Als Fazit würde ich mal sagen, Schottland ist wirklich toll, vor allem wenn man so untypisches Wetter hat wie wir, es hat nie geregnet!
Die Finsternis war ebenfalls schön, wenn auch der Ring gefehlt hat.
Und dass es noch Polarlicht gab, dass macht natürlich den teilweisen Finsternismisserfolg wieder wett.
Mal sehen, ob wir diesen Mai 2003 (*) nochmal irgendwie übertreffen können. Ich glaube das ist theoretisch unmöglich und man sollte sich besser ein anderes Hobby suchen.
Grüße und klaren Himmel!

Ulrich

(*)
Merkurdurchgang - gesehen
Mondfinsternis - gesehen
Polarlicht - gesehen
ringförmige Sonnenfinstern - fast komplett gesehen

PS.: Ach ja, Bilder gibt es hoffentlich morgen Abend.

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