FR-Artikel zur Pol-Wanderung

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Peter Kuklok

FR-Artikel zur Pol-Wanderung

Beitrag von Peter Kuklok » 19. Mär 2002, 11:27

2050 Polarlichturlaub in Norddeutschland ;-) aber lest selber ...

Grüße
Peter

Wandernder Pol zieht Weltraumstürme nach Europa

Das Erdmagnetfeld zeigt auffällige Veränderungen / Höheres Risiko für Satelliten,Vielflieger und Stromversorgung

Von Volker Mrasek

Der irdische Geodynamo läuft nicht mehr rund: Das weit in den Weltraum hinausragende geomagnetische Feld der Erde schwächt sich ungewöhnlich stark ab; der nördliche magnetische Pol verschiebt seine Position zügiger denn je. Damit verbunden sind höhere Risiken - für Satelliten und Vielflieger, aber auch für die Stromversorgung in Deutschland.

Im März 1989 gingen in der kanadischen Provinz Quebec auf einen Schlag die Lichter aus. Sechs Millionen Einwohner saßen für Stunden im Dunkeln. Der Blackout des Stromnetzes hatte außerirdische Ursachen: Ein ungewöhnlich starkes Gewitter geladener Teilchen ging auf den magnetischen Schutzschirm der Erde nieder und durchlöcherte ihn, ausgelöst durch einen gigantischen Gasausbruch in der äußeren Atmosphäre der Sonne, der Korona. Der geomagnetische Sturm aus Protonen und Elektronen hatte Auswirkungen bis zum Erdboden, induzierte starke Spannungsstöße in den Überlandleitungen, überhitzte Transformatoren und legte am Ende das Stromnetz lahm.

Solche Szenarien sind mittelfristig auch in Deutschland denkbar - wenn sich ein Trend fortsetzt, den Geophysiker derzeit halb fasziniert, halb alarmiert beobachten: Der nördliche magnetische Pol, heute noch in der kanadischen Arktis gelegen, driftet immer schneller nordwestwärts, in Richtung des geographischen Nordpols - und am Ende womöglich darüber hinaus. "Macht er so weiter, erreicht er Sibirien, bevor das Jahrhundert halb um ist", sagt Larry Newitt vom Geologischen Dienst Kanadas. Derzeitiges Tempo der Nordwest-Drift: 40 Kilometer pro Jahr. Für geologische Verhältnisse ist das rasend schnell.

Dadurch rückt der nördliche Magnetpol zugleich näher an Europa heran, und mit ihm auch die "Gefahrenzone", in der starke magnetische Stürme wüten können. Das ist das so genannte Polarlicht- oder Aurora-Oval: ein riesiger Reifen mit einem Radius von 2000 Kilometern rund um den Magnetpol, in dem Polarlichter auftreten. Auch sie werden durch die Solarstürme entfacht: Zu den Leuchterscheinungen kommt es, wenn Elektronen entlang der Feldlinien des Erdmagnetfeldes fast lotrecht zum Pol niedersausen und mit Sauerstoffatomen und Stickstoffmolekülen in 100 bis 300 Kilometern Höhe kollidieren.

Bei ruhigem Weltraumwetter reicht das Aurora-Oval heute in etwa bis ans Nordkap. Steuere der Magnetpol weiter so strikten Nordwest-Kurs, dann, sagt Hermann Lühr vom Geoforschungszentrum (GFZ) Potsdam, rücke das Oval "mehr in die hoch technisierte Welt Westeuropas hinein". Seine mittlere Lage erwartet der Geophysiker "um 2050 in Süd-Finnland". Bei magnetischen Stürmen "hätten wir es dann plötzlich auch über Norddeutschland", fürchtet Lühr. Denn in den Phasen starker Teilchenschauer dehnt sich das Polarlicht-Oval meist noch einmal 1000 Kilometer oder mehr nach Süden aus.

"Darauf sind wir überhaupt nicht vorbereitet", warnt Lühr. Es sei an der Zeit, "bald Vorkehrungen" für unsere Energieversorgung zu treffen: "Auch beim Ausstieg aus der Atomkraft denkt man ja bis ins Jahr 2030", so der GFZ-Experte und Geophysik-Professor an der TU Braunschweig. Schutzlos muss in der Tat kein Leitungsnetz den magnetischen Turbulenzen ausgesetzt sein. Transformatoren lassen sich so auslegen, dass sie induzierte Spannungsspitzen und den gleichstromartigen Störcharakter der "außerirdischen Zusatzströme" verkraften.

Lühr ist auch Chef-Geomagnetiker der deutschen "Champ"-Mission. Ein Klein-Satellit dieses Namens kreist seit Juli 2000 in rund 400 Kilometern Höhe um die Erde. Dem Wächter im All ist eine weitere Veränderung des Geomagnetfeldes nicht entgangen: Es schwächt sich derzeit stark ab. Besonders krass fällt der Trend im Südatlantik aus: Dort schwand die Magnetfeldstärke nach den "Champ"-Daten seit 1980 um zehn Prozent.

Das hat fatale Folgen, wenn man bedenkt, dass das irdische Magnetfeld auch als Schutzschirm gegen die allgegenwärtige - und hochenergetische - kosmische Hintergrundstrahlung aus den Tiefen des Weltalls wirkt. Die wird zwar auch von der Erdatmosphäre gefiltert. Doch Satelliten und Flugzeuginsassen sind der Strahlung stärker ausgesetzt, wenn das Geomagnetfeld schwächelt wie derzeit über dem Südatlantik. Wer dort im Langstrecken-Jet unterwegs ist, bekommt Lühr zufolge "etwa 1000mal so viel Strahlung ab wie auf einem Flug zwischen Deutschland und Japan, wo das Magnetfeld stark ist". Von Satelliten in Umlaufbahnen bis an die 1000 Kilometer weiß man, dass sie sich inzwischen rund 90 Prozent ihrer kosmischen Strahlenbelastung über dem Südatlantik einfangen.

Pol-Drift und Feldstärken-Verlust - für die Geophysiker sind das Vorboten einer möglichen Umpolung des Erdmagnetfeldes in vielleicht schon 1000 bis 2000 Jahren. Das wäre nichts Ungewöhnliches. Der äußere flüssige Erdkern mit seinen Strömen aus elektrisch gut leitender Eisen-Schmelze gilt als ein "selbsterregender Dynamo": Er produziert ein Magnetfeld ohne bestimmte Vorzugsrichtung, das sich in der Erdgeschichte immer wieder einmal umpolte - zuletzt vor über 700 000 Jahren.

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Copyright © Frankfurter Rundschau 2002
Dokument erstellt am 18.03.2002 um 21:11:55 Uhr
Erscheinungsdatum 19.03.2002

Quelle: http://www.fr-aktuell.de/

Anbei die Karte, die ich vor ein paar Monaten schon mal hier gepostet hatte.




Bernd

Interessante Karte...

Beitrag von Bernd » 19. Mär 2002, 13:45

...so etwas suche ich schon seit längerem. Der Pol wandert darauf aber nicht auf uns zu, sondern parallel zu uns. Warum also die "Aufregung"? Außerdem hätte man erwähnen können, daß das Magnetfeld in den letzten Jahrhunderten ungewöhnlich stark war. Die Abschwächung ist also eher eine "Normalisierung" als eine "Katastrophe".

Gruß,

Bernd

udo, dk5ya

Re: Normalisierung....

Beitrag von udo, dk5ya » 19. Mär 2002, 19:21

>Die Abschwächung ist also eher eine
> "Normalisierung" als eine "Katastrophe".
> Bernd

Hi Bernd,

"Normalisierung" verkauft sich eben schlechter als "Katastrophisierung"...

Gruß
Udo

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