Soviel zu "100% Polarlichtchancen"...

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Jens Wendler

Soviel zu "100% Polarlichtchancen"...

Beitrag von Jens Wendler » 25. Okt 2001, 09:30

Hallo an alle,

Da sehen wir mal wieder, wir verstehen eigentlich kaum wirklich viel von der Dynamik von CME´s. Sicher, oft paßt es halbwegs, aber, dass ein langsamer CME in den Sog eines schnelleren gerät (letztes Event) ist offensichtlich drin. Ebenso scheint mir, hatte im aktuellen Fall eine Verwirbelung der beiden CME´s eine abbremsende Wirkung. Vermutlich ist nun auch das IMF, quasi, "homogenisiert", sprich, es gibt vielleicht gar keine scharf nördlichen oder südlichen Komponenten mehr in der Magnetwolke.

Deshalb, denke ich, entschließt man sich im Spaceweather Geschäft selbst bei tierisch höffig wirkenden Ereignissen nur so höchstens zu 30% Starksturmwahrscheinlichkeit.

Vielleicht sind ja noch mehr Überraschungen drin, und Ihr da in den nebelarmen Gebieten bekommt heute abend noch was zu sehen. Ich für meinen Teil habe diese "Qualen astronomischen Ausmaßes" dermaßen satt, dass ich letzte Nacht die Entwicklung nichteinmal am Computer oder meinem Magnetometer weiter verfolgt habe.

Schließlich hätte man sich ja auch gern die Begegnung von Venus und Merkur in den nächsten Tagen angeschaut, aber was soll´s...

Grüße von unter der allerletzten Nebelsuppe,

Jens

Carsten Koebbemann

Re: Soviel zu "100% Polarlichtchancen"...

Beitrag von Carsten Koebbemann » 25. Okt 2001, 09:43

Hi,
ich habe gestern Abend um 20:30 auch den Rechner abgeschaltet, sämtliche Vorhänge geschlossen, und dann in Ruhe ne Flasche Wein genossen. Meine Frau meint übrigens, Polarlicht-Fieber sei auch eine Krankheit...
Gruß
Carsten

Mark (Rottal/Niederbayern)

Re: Soviel zu "100% Polarlichtchancen"...

Beitrag von Mark (Rottal/Niederbayern) » 25. Okt 2001, 10:03

Hallo Jens,
da muß ich dir recht geben. Wenn dieser kümmerliche Rest wirklich der CME gewesen sein sollte, dann lag ich total daneben. Hatte mit 100% PL-Wahrscheinlichkeit gerechnet, wo, hängt natürlich von der Ankunftszeit ab. Bin erstmal ratlos und verzichte auf weitere Prognosen.

Grüße,
Mark

> Hallo an alle,

> Da sehen wir mal wieder, wir verstehen eigentlich kaum wirklich
> viel von der Dynamik von CME´s. Sicher, oft paßt es halbwegs,
> aber, dass ein langsamer CME in den Sog eines schnelleren gerät
> (letztes Event) ist offensichtlich drin. Ebenso scheint mir,
> hatte im aktuellen Fall eine Verwirbelung der beiden CME´s eine
> abbremsende Wirkung. Vermutlich ist nun auch das IMF, quasi,
> "homogenisiert", sprich, es gibt vielleicht gar keine
> scharf nördlichen oder südlichen Komponenten mehr in der
> Magnetwolke.

> Deshalb, denke ich, entschließt man sich im Spaceweather
> Geschäft selbst bei tierisch höffig wirkenden Ereignissen nur so
> höchstens zu 30% Starksturmwahrscheinlichkeit.

> Vielleicht sind ja noch mehr Überraschungen drin, und Ihr da in
> den nebelarmen Gebieten bekommt heute abend noch was zu sehen.
> Ich für meinen Teil habe diese "Qualen astronomischen
> Ausmaßes" dermaßen satt, dass ich letzte Nacht die
> Entwicklung nichteinmal am Computer oder meinem Magnetometer
> weiter verfolgt habe.

> Schließlich hätte man sich ja auch gern die Begegnung von Venus
> und Merkur in den nächsten Tagen angeschaut, aber was soll´s...

> Grüße von unter der allerletzten Nebelsuppe,

> Jens

Jens Wendler

Polarlichtfieber=Krankheit: stimmt! *o.T.*

Beitrag von Jens Wendler » 25. Okt 2001, 10:04

Polarlichtfieber=Krankheit: stimmt! *o.T.*

Ulrich Rieth

Die 100% Chance ist immer noch gegeben...

Beitrag von Ulrich Rieth » 25. Okt 2001, 10:26

...ich hab zwar nicht nachgerechnet (kann das bitte mal jemand machen).
Aber ein CME mit 64 Stunden Transit Time muss schnellere Windgeschwindigkeiten als knapp 500km/s bringen.
Gruß

Ulrich

Carsten Koebbemann

Re: Ist aber ne schöne Krankheit ;-) *o.T.*

Beitrag von Carsten Koebbemann » 25. Okt 2001, 10:26

Re: Ist aber ne schöne Krankheit ;-) *o.T.*

Michael aus Hannover

Re: Die 100% Chance ist immer noch gegeben...

Beitrag von Michael aus Hannover » 25. Okt 2001, 10:46

Hallo Ulrich,

im Mittel hätte der 650 km/s haben müssen. Allerdings kann das ja sein, dass er am Anfang schneller war und dann von 820 km/s auf die jetzt beobachteten 480 km/s (etwa 60%) runter gebremst wurde. Kann man wahrscheinlich nicht sooo einfach rechnen, das Bremsen ist ja wohl nicht linear, oder?

Gruß
Michael

Lutz Schenk

Speed paßt 100%ig

Beitrag von Lutz Schenk » 25. Okt 2001, 14:44

Bei eine Reisedauer von ca 62 h war die Schnittspeed ca. 660 km/s.

hatte bisher immer so mit ca. 70 % des Schnitts als Schock gerechenet.
Dies ergibt ca. 460km/s, was auch ziemlich gut zum aktuellen Schock paßt.

Gruß Lutz

Herwig, Rostock

Beispiel für nichtlineare Bremsung

Beitrag von Herwig, Rostock » 25. Okt 2001, 16:29

> Hallo Ulrich,

> im Mittel hätte der 650 km/s haben müssen. Allerdings kann das
> ja sein, dass er am Anfang schneller war und dann von 820 km/s
> auf die jetzt beobachteten 480 km/s (etwa 60%) runter gebremst
> wurde. Kann man wahrscheinlich nicht sooo einfach rechnen, das
> Bremsen ist ja wohl nicht linear, oder?

> Gruß
> Michael

Hallo Michael,

am 9.Okt.01/1113UT gab es einen M 1.4 mit full halo und Verwirrung zum Startspeed. Lasco-Team errechnete für P.O.S 1041 km/s in Süden.
Hatte mir zum Vergleich C 3 1024x1024 etliche ausgedruckt und gemessen.
UT 1142-1218-----1063
UT 1218-1242-----918
UT 1242-1342-----850
UT 1342-1418-----773
UT 1418-1518-----715
Ist natürlich mein Privatquark, aber in diesem Falle ergab die Abtragung der Spitzen (über 700) auf Zeitleiste trotz kleiner Unstimmigkeiten einen degressiven Abfall.

Dieser M 1.4 kam nach 53:07h mit ziemlich genau 500 bei ACE an.

Gruß Herwig

Herwig, Rostock

Re: Ja , allerdings...

Beitrag von Herwig, Rostock » 25. Okt 2001, 17:07

> Bei eine Reisedauer von ca 62 h war die Schnittspeed ca. 660
> km/s.

> hatte bisher immer so mit ca. 70 % des Schnitts als Schock
> gerechenet.
> Dies ergibt ca. 460km/s, was auch ziemlich gut zum aktuellen
> Schock paßt.

> Gruß Lutz

Hallo Lutz,

...meinst Du mit 62h, dass der X 1 das Rennen gemacht hat.
SEC 1043 x 63% = 657 Schnitt, vorstellbar.
Passen wurde glaube ich auch noch der M 6 nach 64:56h mit
955 x 66% = 630 Schnitt (als Abastand 146.714.800 verwendet).

Das einzige, was ganz schräg aussieht, sind die Prozente, wenn man den M 6 mit P.O.S. 1304 versucht in 65 Stunden unterzubringen.
Ergebnis: 48,3..%.

So gleichlaufend eben, wie EPAM sich seit Stunden zeigt, haben sich die beiden CME's unterwegs vermutlich auf ein Totes Rennen geeinigt.
Mein Verdacht ist, dass der M 6 sich weit geöffnet hat (hohe P.O.S.) und den X 1 "geärgert" hat.
Die bisher geringe Dichte finde ich auch bedenklich -
sieht für mich fast so aus, als ob ein Beitrag vom X 1 fehlt.

Gruß Herwig


Ulrich Rieth

...wie wäre es hiermit ?

Beitrag von Ulrich Rieth » 25. Okt 2001, 17:22

Hallo Ihr Spekulanten !

Was haltet Ihr von folgender Lösung:

- der M6 hat einen großen Öffnungswinkel
- der X1 einen kleinen Öffnungswinkel
- da der X1, schneller ist, als der M6, lauft er von hinten sofort, also nach wenigen Stunden, in die Wolke des M6 rein
- bei diesem "reinlaufen" verhält sich der M6 wie eine Wand und die Wolke des X1 prallt einfach wieder nach hinten oder zu den Seiten hin ab
- was übrig bleibt ist ein kleiner "Push" für den M6 und der Totalverlust des X1

Der Spekulation sind hiermit Tür und Tor geöffnet.
Gruß

Ulrich

PS.: Heute gibt es hier wohl die klarste Nacht des Jahres. Tief dunkelblauer Himmel mit einigen verlassenen Wölkchen dazwischen. Das wäre ein Fest geworden :-(

Herwig, Rostock

Bei grinst der Mond gestochen scharf herein *o.T.*

Beitrag von Herwig, Rostock » 25. Okt 2001, 18:24

Bei grinst der Mond gestochen scharf herein *o.T.*

Lutz Schenk

Sehr gut möglich...

Beitrag von Lutz Schenk » 25. Okt 2001, 20:39

Es ist ja alles eh mehr oder weniger Spekulation.

Irgendwie hat es wohl eine ungünstige Interaktion zwischen den beiden CME's gegeben. Aber welche, und was da genau passiert werden wir wohl erst erfahren wenn dort oben ca. 50 Sateliten kreisen, (Vielleicht reichen ja auch 5 oder 10) die die Vorgänge aus allen Blickwinkeln erfassen.

Bis dahin werden wir da wohl über die genauen Ursachen weiterhin nur spekulieren können.

Wissenschaft (auch wenn sie nur hobbymäßig betrieben wird) ist nun mal der Versuch, Modelle aufzustellen, die Ergebnisse dieser Modelle immer wieder mit der Beobachtung vergleichen, und dann die Modelle wieder anzupassen, um ein Muster darin zu erkennen, oder den wahren Hintergrund zu enträtseln.

Ich denke, hier würden nur mehrere Satelliten auf einer stationären Bahn um die Sonne weiterhelfen. Von einer Realisierung eines solchen Projektes sind wir wohl noch einige Dekaden entfernt.

Aber die Einwirkung des Schocks, so klein er auch gewesen sein mag:
Es war ein eindeutiges Umschwenken des IMF Rtg. Norden. Irgendwie erkenne ich da nun mal ein Muster. Auch die erfolgversprechenden Events des Spätsommers und Herbstes waren oft CME's von der Südhälfte, mit dem entsprechenden mageren Ergebnis.

Gruß Lutz

Lutz Schenk

Re: Beispiel für nichtlineare Bremsung

Beitrag von Lutz Schenk » 25. Okt 2001, 20:53

Hallo Herwig,

ich finde deine Messungen durchaus plausibel.
Ein CME der sich ja nach kubischen Gesetzen ausdehnt, muß zwangsläfig eine degressive Abbremsung erfahren.

Normalerweise könnte man ja denken, ein Teilchen welches einmal in den Weltraum (Vakuum) mit einer bestimmten Speed geschossen wird behält diese bei.

Das ist wohl ohne Einwirkung von Massen oder Magnetfeldern auch richtig.

Nur beim Sonnenwind (oder CME's) ist es nun mal ein komplexes Zusammenspiel von Teilchen, Magnetfeldern und der Corona, deren Mechanismus ihrer Heizung noch nicht vollends geklärt ist. (Dort, in der näheren Sonnenumgebung ist auch gegenüber dem interstellarem Raum zwar auch noch Vakuum, aber mit trotzdem wesentlich höherer Teilchendichte)

Ich vermute, das CME's zwar nicht die Hauptheizung der Corona sind, diese aber auch mit ziemlicher Sicherheit dort Wechselwirken, und einen Teil ihrer Energie dort abgeben.

Oh wei, wieder viel Halbwissen abgelassen...

Gruß Lutz

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