Ja klar, Anke. Ich fotografiere (neben immer noch Dias mit 'ner alten Leica RE und 35mm 1:1,4

) mit einer Nikon D700 mit dem Nikkor 28mm 1:1,8 - Objektiv bei Blende 2,0.
Iso stelle ich auf 1600 ein und belichte mit Zeitautomatik (ja ich weiß, ist schlecht für Filmchen; damit kenne ich mich aber auch noch nicht so aus...) und manueller Scharfstellung. Bei Neumond und schwächeren Nordlichtern korrigiere ich auf bis zu +3,0 Blendenwerten. Bei hoher Helligkeit (Schnee und Mondschein z.B.) brauche ich kaum zu korrigieren. Jetzt die Bilder entstanden bei völliger Dunkelheit (nur Sternenhimmel und NL) und der genannten Einstellung mit Belichtungszeiten von 4-8 sec.
Dabei entstehen teilweise sehr kräftige Farben, die dem visuellen Eindruck nicht entsprechen. Ich habe in der Nachbearbeitung dann die Farebn angepasst und insbesondere dem Grün einiges an Intensität genommen.
Das Thema Nachbearbeitung ist ein endloses Thema, das ich selber auch schon öfters hier eingeworfen habe.
Das liegt einfach an dem Grundübel, dass Nordlichter in einer Helligkeit auftreten, die oft nur die Stäbchen in unseren Augen anregen (die sind für das Dunkelsehen verantwortlich und nehemn KEINE Farben war, deshalb sind nachts alle Katzen (und auch eben nicht so helle Nordlichter) grau).
Erst hellere Nordlichter (oder Katzen

) lassen auch die "Zapfen" in unseren Augen anspringen. Die nehmen dann auch die Farben wahr, brauchen aber mehr Lichtintensität.
NLs liegen oft genau in diesem Grenzbereich der Wahrnehmung Stäbchen vs. Zapfen. Und das ist auch noch individuell verschieden und verändert sich auch im Alter.
Das heißt die subjektive Wahrnehmung eines NL kann völlig anders sein als die subjektive Wahrnehmung des selben NLs einer anderen Person.
Eine Kamera (der Chip darin oder früher die Filme) nimmt aber immer alle real vorhandenen Farben wahr. Und genau jetzt beginnt das Drama des Fotografen. Wie bearbeite ich die Bilder?
Nach
meinem visuellen Eindruck?
Nach dem eines kleinen Kindes, das noch mehr Farben sehen dürfte (Zapfen noch aktiver als bei mir alter Socke (51))?
Oder sag ich mir, die Kamera sieht "objektiv", also lasse ich die Bilder kunterbunt?
Du merkst, jetzt wird es philosophisch.
Ich bearbeite die Bilder so nach, dass sie meinem Eindruck in etwa wiedergeben und
für mich natürlich wirken. Da kann das NL evt. auch eine kleine Nuance grüner sein als ich es in Wirklichkeit wahrgenommen habe. Ich mag aber diese ganzen kunterbunten NL-Bilder, die man hi und da im Netzt sieht, nicht sonderlich, weil die nun so gar nichts mehr mit einem natürlichen Eindruck zu tun haben (deshalb sind so viele Hurtig-Routen-Fahrer so enttäuscht von ihrem ersten Nordlicht, weil dann eben nicht der Himmel in allen Farben glüht. Denn das, und das sagt einer, der schon viele NLs gesehen hat, auch wirklich sehr intensive, ist wirklich sehr selten...).
Tja, und zu allem Überfluss kommt dann theoretisch noch die Abhandlung über den "richtigen", geeichten Monitor/Bildschirm. Denn die NL-Bilder von oben sehen bei meiner Freundin schon etwas anders aus und bei einem befreundeten Schweden auf dem I-Pad oder wie die Dinger heißen, fürchterlich bunt. Was davon ist "richtig"?
Ich orientiere mich bei meiner Nachbearbeitung immer an einem alten Röhrenmonitor, der mir über die Jahre gute Dienste geleistet hat und aus jedem Winkel betrachtet den gleichen Farbeindruck vermittelt. Und diese Ergebnisse decken sich dann auch mit meiner Lieblings- Leinwanddruckerei; d.h. die Bilder auf meinem Monitor kommen dann auch farblich genau so als Leinwandbild bei mir zu hause an.