2016-10-05 möglicher Gespaltener Regenbogen in Dresden

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Alexander Haußmann
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2016-10-05 möglicher Gespaltener Regenbogen in Dresden

Beitrag von Alexander Haußmann » 9. Okt 2016, 16:27

Hallo allerseits,

letzten Mittwoch bei der mittäglichen Kaffeerunde machte mich der Kollege auf dem Platz mit Nordblick auf ein Stück Regenbogen aufmerksam. Ich hab dann so schnell wie möglich meine Kamera geholt und bin zu einem Fenster mit einigermaßen freier Sicht gerannt. Schon der erste kurze Blick hatte mir gezeigt, dass es sich um eine Spaltung oder ausgeprägte Interferenzbögen handeln müsste. Ich hab dann leider nur noch den "absteigenden Ast" der Intensität erwischt, da rasch wieder Wolken vor die Sonne zogen und der Regenbogen verschwand. Zumindest auf dem ersten Schnappschuss (noch durch die Fensterscheibe) ist was Brauchbares drauf:

12:41 MESZ, f = 32 mm:

Bild

USM:

Bild

Ob es sich nun um einen Gespaltenen Regenbogen oder einen Hauptbogen mit einem einzelnen Interferenzbogen handelt, ist für mich nicht klar abzugrenzen. Einerseits ist der innere Ast schmaler als der äußere, und es fehlt Blau, d.h. es gibt deutliche Unterschiede zwischen beiden. Andererseits ist es aber untypisch für eine "klassischen" Regenbogenerscheinung, dass sich an den intensiven ersten Interferenzbogen nicht noch weitere anschließen (zumindest andeutungsweise). Aus Simulationen ist mir bekannt, dass es solche "Übergangsphänomene" geben kann, je nachdem, welche Tropfengrößenverteilung man reinsteckt.

Am meisten hat mich aber erstaunt, dass der Zufall hier mitgespielt hat, nachdem mich der "Instinkt" im Stich gelassen hat. Ich hatte am gleichen Tag zwar schon früh ein (normales) Regenbogenfragment gesichtet, aber war mittags nicht mehr richtig aufmerksam. Der Schauer kam auch erst nach dem Regenbogen reingezogen, also nicht wie bei den typischen Nachmittagssichtungen.

Viele Grüße,
Alex

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Elmar Schmidt
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Re: 2016-10-05 möglicher Gespaltener Regenbogen in Dresden

Beitrag von Elmar Schmidt » 9. Okt 2016, 18:10

Hallo Alex,

ja, sieht irgendwie "ungewöhnlich" aus, selbst für mich, der ich noch nie einen Spaltbogen sah. Da dem niedrigen Bogen aber notwendigerweise die Füße fehlen, ist dieser Fall wohl nicht mehr zu entscheiden. Interessant bleibt, mit welcher Tropfengrößenverteilung die Interferenz simuliert werden kann.

Gruß, Elmar

Alexander Haußmann
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Re: 2016-10-05 möglicher Gespaltener Regenbogen in Dresden

Beitrag von Alexander Haußmann » 9. Okt 2016, 22:05

Hallo Elmar,

ich habe noch mehr Bilder, die zumindest das gesamte Segment über dem Horizont (wenn auch keine Füße...) und auch einen schwachen Nebenbogen zeigen. Hier mit 18 mm Brennweite 24 s nach dem ersten Bild aufgenommen:

Bild

Bild

In der nächsten Minute war dann Schluß.

Speziell was simuliert habe ich dazu noch nicht, aber im allgemeinen sieht es so aus, dass bei höherem Sonnenstand die Spaltungen breiter werden.

Viele Grüße,
Alex

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Elmar Schmidt
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Re: 2016-10-05 möglicher Gespaltener Regenbogen in Dresden

Beitrag von Elmar Schmidt » 10. Okt 2016, 08:26

dass bei höherem Sonnenstand die Spaltungen breiter werden
Ja, kannnt Du das anhand Deiner vielen Exemplare so sagen?

Eine Erklärungshypothese dafür wäre vlt., daß bei höherem Sonnenstand der Regenbogenkegel flacher in ein Regenfeld schneidet (bevor er auf die Wolke trifft) und somit in der Tiefe eher verschiedene Tropfenkollektive (des mer dös noch ähmohl soagn koann, hioarh...) durchläuft.

Gruß, E.

Alexander Haußmann
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Re: 2016-10-05 möglicher Gespaltener Regenbogen in Dresden

Beitrag von Alexander Haußmann » 11. Okt 2016, 21:09

Hallo Elmar,

also meine "eigenen" Exemplare sind auch nicht so zahlreich, aber ich habe ja viele (~120) Beispiele auf Flickr oder Instagram gesehen (oft als "triple rainbow" bezeichnet). Wobei natürlich auch das Zusammenschrumpfen des sichtbaren Segments bei höherem Sonnenstand eine Rolle spielt, da wirkt die Spaltung auch "größer".

Auf die Regenschauergeometrie wollte ich eigentlich gar nicht hinaus, obwohl das natürlich einen Einfluß hat. Eigentlich ging es mir (wieder mal) um die Verschiebungen durch die Abplattung. Je nach Sonnenstand wirkt sich das unterschiedlich aus. Hier mal ein Beispiel mit zwei Modellen (geometrisch-optische Strahlverfolgung und verschobene Debye-Reihen-Daten) für alle Sonnenhöhen von 0° bis 90°, und auch den Unterhorizont-Teilen der Regenbögen:

https://dl.dropboxusercontent.com/u/884 ... GO_DMK.avi

Viele Grüße,
Alex

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Re: 2016-10-05 möglicher Gespaltener Regenbogen in Dresden

Beitrag von Elmar Schmidt » 11. Okt 2016, 22:44

Hallo Alex,

danke für die Simulationen. Demnach gibt es bei Sonnenuntergang oben (fast) keine Spaltung, beim (so gut wie immer) unsichtbaren Unterhorizontbogen aber doch. Wie kann man das einsehen?

Und wenn ich mich nicht verguckt habe, erreicht die Spaltung am (oberen) Scheitel mit steigender Sonne bei schätzungsweise 30-35 Grad einen Größtwert (das müßte man mal genauer plotten, des mer mol wos sidt), um dann aber herunterzugehen bzw. am unteren Scheitel (auch noch unterm Horizont) zu erscheinen. Müssen das hier nicht im Detail weiter durchgehen, ich tät' vielmehr sagen: der nächste Vortrag ist gewiß.

Experimentell könnte man ja dazu mal ein paar Exemplare grob ausmessen und zusammen mit der Vorhersage auftragen. Und noch experimenteller braucht's ne Regen(bogen)drohne.

Gruß, Elmar

Alexander Haußmann
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Re: 2016-10-05 möglicher Gespaltener Regenbogen in Dresden

Beitrag von Alexander Haußmann » 13. Okt 2016, 22:02

Hallo Elmar,

bei den Brötchentropfen (mit stärker abgeplatteter Unterseite) ist die oben/unten-Symmetrie bei Sonnenuntergang aufgehoben.

Das Maximum der Verschiebung liegt für den Scheitel des Hauptbogens in der Tat bei ca. 30° Sonnenhöhe. Grafiken dazu waren auch in meinem Granada-Vortrag drin.

Grob ausmessen wäre möglich, jedoch ist die Verschiebung abhängig von der konkreten Tropfenmischung und kann deswegen unterschiedlich ausfallen. Die Simulationen sind nur ein Beispiel.

Viele Grüße,
Alex

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