Endlich bahnte sich gestern mal wieder eine vielversprechende Lage für den hohen Norden an und im Endeffekt wurde es ein ganz schön krasser und denkwürdiger Tag, noch viel genialer als ich für möglich gehalten hatte.
Bereits gegen Mittag zog von Westen eine Linie aus Niedersachsen auf und zerfiel bei Hamburg in zwei Teile, eine ziemlich genau nach Osten ziehende Linie und einige nach Norden ausscherende starke Zellen. Aufgrund der hohen Taupunkte und Temperaturen im Westen des Landes entschied ich mich, aus Kiel Richtung Rendsburg und von dort dann nördlich Richung Schleswig zu fahren, um mich genau vor die vielversprechendsten Zellen zu setzen. Dort angekommen sah es alles erstmal recht unspektakulär aus, nur ein paar Blitze mit wirklich ohrenbetäubendem Donner selbst bei größerer Entfernung waren bemerkenswert. Hier der Blick nach Süden:

Ich fuhr dann ein Stück weit auf die Zellen zu bzw. hinein, aber viel mehr Struktur konnte ich erst einmal nicht ausmachen. Ich stellte mich deshalb bei mäßigem Regen an ein Feld und wollte versuchen, ein paar Blitze mit ihren extrem lauten Knalls einzufangen. Tja und was dann passierte, seht ihr hier im Video...
https://www.youtube.com/watch?v=gMIf9OAyxiw
Zwischendrin habe ich noch ein paar Fotos gemacht:

Die rotierende Wolkenbasis war mit bloßem Auge nicht zu erkennen, dafür rotierte sie zu langsam. Als ich aber den Staub vom Boden aufwirbeln sah, gefror mir das Blut in den Adern.
Als der Tornado nach ca. 10 Minuten seit Entstehung im Regen verschwand, machte ich dass ich wegkam, musste dann durch sehr heftigen bereits zu Überschwemmungen führenden Starkregen fahren und hielt ca. 2 km weiter am Ortseingang Schuby nochmal kurz, wo inzwischen eine ansehnliche Shelf mit sehr niedrigen Wolkenfetzen und grünlichem Hintergrund zu sehen war. Ich vermute, der Tornado oder Rest davon könnte rechts noch zu sehen sein. Wegen des Zeitdrucks durch nahendes Ungemach habe ich aber keine bewegten Bilder gemacht und dort auch nicht länger beobachtet.


Dort blieb ich nämlich angesichts dieses Anblicks nur ganz kurz und fuhr dann weiter in ungefährer Zugrichtung nördlich an Schleswig vorbei und machte in etwas größerer sichererer Entfernung nochmal Halt. Faszinierend war, dass obwohl die Zelle recht langsam zog und ich ihr mühelos davonfahren konnte, sie ihr Erscheinungsbild rapide veränderte und die Rotation der Zelle auch aufgrund ihrer gesamten Struktur nun offensichtlich war.




Sie scherte infolgedessen nördlich aus, und ich hatte Glück, ich befand mich aufgrund der Straßenführung jetzt nämlich etwas östlich von ihr, sodass ich tendentiell aus dem größten Gefahrenbereich heraus war.
Ein Stück weiter entstand noch dieses Bild:

Ich fuhr dann nordwärts Richtung Flensburg, konnte aber keine schönen Strukturen mehr ausmachen, die Zelle scherte immer weiter nordwestlich aus, sodass sie mir davon zog.
Kurz vor Flensburg kehrte ich um und fuhr durch den Bereich, über die ihr Niederschlagskern hinweggezogen war. Bereits bei Schuby hatte es sehr heftigen Niederschlag gegeben, der sofort großflächige Überschemmungen verursachte, da das Wasser gar nicht so schnell ablaufen konnte, wie es fiel. Hier die Folgen bei Flörup:



Da erstmal nichts mehr auf Radar und Blitzkarte auszumachen war, fuhr ich Richtung Schuby zurück, um dort nach Spuren des Tornados zu suchen.
Außer einigen herumliegenden und abgeknickten Ästen und umgefallenen Gartenmöbeln fand ich aber nichts. Anwohner die ich dort antraf berichteten mir, dass es für einige Minuten sehr stürmisch gewesen war, während es an meinem ca. 800m entfernten Beobachtungsstandort nicht nennenswert stürmte.





Als ich da fertig war, sah ich auf einmal, dass sich kurz vor Kiel eine neue Zelle gebildet hatte und nun ordentlich am feuern war. Also fuhr ich zurück Richtung Kiel und als ich etwas vor Gettorf war, fand ich eine schöne freie Stelle mit Blick auf den ganzen Apparat mit nahender Shelf.








Mit einer schön turbulenten Rückseite verabschiedete sich das Teil dann Richtung Norden. Ich fuhr nochmal hinterher und wollte mich erneut davor setzen, aber die Shelf schien sich dann schon wieder aufgelöst zu haben.
Was bleibt mir da noch zu sagen?!
Einfach nur WOW! Was für ein Tag! Mein erster Tornado in fast 8 Jahren aktiver Gewitterfotografie.. Und wie ich da einfach draufgehalten habe, als mir noch gar nicht klar war, was da abgeht..
Hier noch Radarbild und Dopplerradar zum entsprechenden Zeitpunkt (14:55 Uhr). Das Foto vom Tornado entstand genau um 14:55 Uhr MESZ. Das weiße Kreuz markiert meinen Standort, der Blick auf den Tornado war von mir aus nach Süden. Also ganz am äußersten südlichen Zipfel des Echos der nördlichen Zelle. Und schön auch genau dort die stark gegenläufigen Strömungen auf dem Doppler. Bilderbuchmäßig.

https://kachelmannwetter.com/de/einzelr ... 1255z.html

https://kachelmannwetter.com/de/doppler ... 1255z.html
Einmal ist immer das erste Mal..
Schwindlige Grüße,
Laura








