13.05.2017 - Starke Gewitter mit Tornado in Schleswig-Holstein

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Laura Kranich
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13.05.2017 - Starke Gewitter mit Tornado in Schleswig-Holstein

Beitrag von Laura Kranich » 14. Mai 2017, 15:20

Moin Moin!

Endlich bahnte sich gestern mal wieder eine vielversprechende Lage für den hohen Norden an und im Endeffekt wurde es ein ganz schön krasser und denkwürdiger Tag, noch viel genialer als ich für möglich gehalten hatte. :wow:
Bereits gegen Mittag zog von Westen eine Linie aus Niedersachsen auf und zerfiel bei Hamburg in zwei Teile, eine ziemlich genau nach Osten ziehende Linie und einige nach Norden ausscherende starke Zellen. Aufgrund der hohen Taupunkte und Temperaturen im Westen des Landes entschied ich mich, aus Kiel Richtung Rendsburg und von dort dann nördlich Richung Schleswig zu fahren, um mich genau vor die vielversprechendsten Zellen zu setzen. Dort angekommen sah es alles erstmal recht unspektakulär aus, nur ein paar Blitze mit wirklich ohrenbetäubendem Donner selbst bei größerer Entfernung waren bemerkenswert. Hier der Blick nach Süden:

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Ich fuhr dann ein Stück weit auf die Zellen zu bzw. hinein, aber viel mehr Struktur konnte ich erst einmal nicht ausmachen. Ich stellte mich deshalb bei mäßigem Regen an ein Feld und wollte versuchen, ein paar Blitze mit ihren extrem lauten Knalls einzufangen. Tja und was dann passierte, seht ihr hier im Video...


https://www.youtube.com/watch?v=gMIf9OAyxiw

Zwischendrin habe ich noch ein paar Fotos gemacht:
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Die rotierende Wolkenbasis war mit bloßem Auge nicht zu erkennen, dafür rotierte sie zu langsam. Als ich aber den Staub vom Boden aufwirbeln sah, gefror mir das Blut in den Adern.
Als der Tornado nach ca. 10 Minuten seit Entstehung im Regen verschwand, machte ich dass ich wegkam, musste dann durch sehr heftigen bereits zu Überschwemmungen führenden Starkregen fahren und hielt ca. 2 km weiter am Ortseingang Schuby nochmal kurz, wo inzwischen eine ansehnliche Shelf mit sehr niedrigen Wolkenfetzen und grünlichem Hintergrund zu sehen war. Ich vermute, der Tornado oder Rest davon könnte rechts noch zu sehen sein. Wegen des Zeitdrucks durch nahendes Ungemach habe ich aber keine bewegten Bilder gemacht und dort auch nicht länger beobachtet.

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Dort blieb ich nämlich angesichts dieses Anblicks nur ganz kurz und fuhr dann weiter in ungefährer Zugrichtung nördlich an Schleswig vorbei und machte in etwas größerer sichererer Entfernung nochmal Halt. Faszinierend war, dass obwohl die Zelle recht langsam zog und ich ihr mühelos davonfahren konnte, sie ihr Erscheinungsbild rapide veränderte und die Rotation der Zelle auch aufgrund ihrer gesamten Struktur nun offensichtlich war.

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Sie scherte infolgedessen nördlich aus, und ich hatte Glück, ich befand mich aufgrund der Straßenführung jetzt nämlich etwas östlich von ihr, sodass ich tendentiell aus dem größten Gefahrenbereich heraus war.
Ein Stück weiter entstand noch dieses Bild:

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Ich fuhr dann nordwärts Richtung Flensburg, konnte aber keine schönen Strukturen mehr ausmachen, die Zelle scherte immer weiter nordwestlich aus, sodass sie mir davon zog.
Kurz vor Flensburg kehrte ich um und fuhr durch den Bereich, über die ihr Niederschlagskern hinweggezogen war. Bereits bei Schuby hatte es sehr heftigen Niederschlag gegeben, der sofort großflächige Überschemmungen verursachte, da das Wasser gar nicht so schnell ablaufen konnte, wie es fiel. Hier die Folgen bei Flörup:

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Da erstmal nichts mehr auf Radar und Blitzkarte auszumachen war, fuhr ich Richtung Schuby zurück, um dort nach Spuren des Tornados zu suchen.
Außer einigen herumliegenden und abgeknickten Ästen und umgefallenen Gartenmöbeln fand ich aber nichts. Anwohner die ich dort antraf berichteten mir, dass es für einige Minuten sehr stürmisch gewesen war, während es an meinem ca. 800m entfernten Beobachtungsstandort nicht nennenswert stürmte.

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Als ich da fertig war, sah ich auf einmal, dass sich kurz vor Kiel eine neue Zelle gebildet hatte und nun ordentlich am feuern war. Also fuhr ich zurück Richtung Kiel und als ich etwas vor Gettorf war, fand ich eine schöne freie Stelle mit Blick auf den ganzen Apparat mit nahender Shelf.

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Mit einer schön turbulenten Rückseite verabschiedete sich das Teil dann Richtung Norden. Ich fuhr nochmal hinterher und wollte mich erneut davor setzen, aber die Shelf schien sich dann schon wieder aufgelöst zu haben.

Was bleibt mir da noch zu sagen?!
Einfach nur WOW! Was für ein Tag! Mein erster Tornado in fast 8 Jahren aktiver Gewitterfotografie.. Und wie ich da einfach draufgehalten habe, als mir noch gar nicht klar war, was da abgeht.. :wow: Dass der sich da einfach direkt vor meiner Nase gebildet hat.. Unglaublich! Aber auch sonst war die Fotogenität der Gewitter sehr nett. 8)

Hier noch Radarbild und Dopplerradar zum entsprechenden Zeitpunkt (14:55 Uhr). Das Foto vom Tornado entstand genau um 14:55 Uhr MESZ. Das weiße Kreuz markiert meinen Standort, der Blick auf den Tornado war von mir aus nach Süden. Also ganz am äußersten südlichen Zipfel des Echos der nördlichen Zelle. Und schön auch genau dort die stark gegenläufigen Strömungen auf dem Doppler. Bilderbuchmäßig.

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https://kachelmannwetter.com/de/einzelr ... 1255z.html

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https://kachelmannwetter.com/de/doppler ... 1255z.html

Einmal ist immer das erste Mal.. :D

Schwindlige Grüße,
Laura
Zuletzt geändert von Laura Kranich am 17. Mai 2017, 14:36, insgesamt 1-mal geändert.

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Laura Kranich
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Re: 13.05.2017 - Starke Gewitter mit Tornado in Schleswig-Holstein

Beitrag von Laura Kranich » 17. Mai 2017, 14:15

Moin!

Ich war gestern nochmal am Ort des Geschehens um meine Vermutung einer längeren Zugbahn zu überprüfen und war halbwegs erfolgreich.
Meine Vermutung war nach längerer Betrachtung der auf meiner Flucht entstandenen Panoramen die gewesen, dass der Tornado noch für einige Minuten genau in nördlicher Richtung weitergezogen war.

Konkret geht es um diese beiden Bilder, die ich am westlichen Ortsrand von Schuby gemacht habe.

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Ich habe leider dort keine Videoaufnahmen gemacht, da mir das alles in dem Moment etwas zu heiß war und ich nicht wusste, wie sich das weiter entwickeln würde. Deshalb blieb ich nur kurz, schoss aber immerhin zwei Panorama-Reihen, die es zulassen, eine gewisse zeitliche Entwicklung und die Bewegung der Wolken zu rekonstruieren. Es sieht also nicht nur so aus, als ob das da auf der rechten Seite der Tornado ist, sondern die Wolkenbewegung legt es ebenfalls sehr nahe. Davon abgesehen stimmt die Richtung mit der vorherigen Beobachtung sehr gut überein, lässt aber vermuten, dass er einige hundert Meter durchaus am Boden zurückgelegt haben könnte, auch weil diese Bilder mehr als 10 Minuten nach meinen Videoaufnahmen entstanden.

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Mir schien daher so, als ob eine neuerliche Begutachtung eventueller Schäden auch in größerem Umkreis sinnvoll wäre, da ich am gleichen Tag der Analyse nur relativ wenig Zeit gewidmet hatte, auch weil er offenbar an der zuerst beobachteten Stelle keine nennenswerten Schäden verursachte.

In nachfolgender Grafik markiert das große weiße Kreuz den Entstehungsort der Panoramabilder in Schuby, die rote Linie die ungefähre Sichtlinie von dort zum Tornado (zum Zeitpunkt als ich die Panos aufnahm). Zuvor hatte ich nur leichte Schäden im rot eingekreisten Bereich entdeckt.

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Hier meine Suchroute:
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Mein gründliches Absuchen der Gegend ergab nun nachfolgendes Bild:
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Der Tornado hatte sogar eine leicht nordwestliche Zugbahn und offensichtlich für mindestens 10, eher 15 Minuten lang Bodenkontakt. Er hat jedoch nur kleinere vor allem morsche Äste und ein wenig Laub durch die Gegend gewirbelt, die Vegetation war nirgends nennenswert beschädigt. Weiter nördlich an dem dort gelegenen Windpark sah ich in einiger Entfernung nach Norden hin eine verdächtige Stelle von entlaubten Bäumen, vor Ort erwies sich das bei genauer Überprüfung aber als nur durch die Perspektive bedingt. Die letzten frisch verfrachteten Äste fand ich bereits ein Stück davor, sodass der Tornado ca. eine Strecke von 1,3 km zurückgelegt haben dürfte und sich etwa zum Zeitpunkt der Aufnahme der Panoramabilder an deren nördlichem Ende, d.h. wieder in Auflösung befand. F0 ist wohl nach wie vor die korrekte Kategorie bzw. T0, maximal T1 auf der Torro-Skala. Da die Bäume erst in den letzten Tagen richtig Laub ausgetrieben haben, kann man vielleicht von etwas höheren Windgeschwindigkeiten ausgehen, aber von diesem Tornado ging dennoch wohl eher keine Gefahr für Leib und Leben aus. Er ist mehr etwas für die Statistik und für's Auge. Im Prinzip genau so, wie ich es mir immer erhofft habe, ein langjähriger Traum von mir ist damit wahr geworden! :-D

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Als wäre das alles noch nicht kurios genug, flogen während meiner Suche gestern zwei Bundeswehr-Tornados aus dem wenige Kilometer entfernten Fliegerhorst Jagel über meine Köpfe hinweg. :lol:
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PS: Die Radarbilder habe ich mal rausgenommen, da mir zu Ohren kam, dass es da in der Vergangenheit Probleme gab... Sind aber archiviert.

Zum Abschluss hab ich noch ein Bild aus Idstedt (etwas nördlich von Schleswig):
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Viele Grüße aus Berlin,
Laura

http://www.lk-photo-film.de

Olaf Brandt
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Re: 13.05.2017 - Starke Gewitter mit Tornado in Schleswig-Holstein

Beitrag von Olaf Brandt » 17. Mai 2017, 15:15

Hallo Laura, ich bin echt begeistert von deinen Fotos und Video. Du hast eine Gespür für solche Vorkommnisse. Okay, Du hast es ja auch studiert. Trotzdem bewundere ich es, dass du immer am richtigen Ort bist. Deine PL- Aufnahmen sind auch immer genial perfekt.
Liebe Grüße
Olaf

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Susanne Althoff
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Re: 13.05.2017 - Starke Gewitter mit Tornado in Schleswig-Holstein

Beitrag von Susanne Althoff » 18. Mai 2017, 22:01

8) wow! Die sind echt beeindruckend! Und Glückwunsch zur Tornado-Sichtung in 'freier Wildbahn'- klein, aber trotzdem spannend!
Scheint ein guter Tag zum Jagen gewesen zu sein... ;-)

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