Hallo Halobeobachter,
hier in HD war am Morgen (22. Mai 2020) kurz ein nettes Halo-"Emsemble" zu beobachten. Hier der Bericht:
Noch bevor die Sonne über den Berg kam, entdeckte ich die
linke Nebensonne direkt am Hang – und über der Sonne den kurzen
U-förmigen Bogen des OBB (7:00 MESZ). Die Lage: Cirren von der Warmfront des herannahenden Tiefs Gudrun zogen scheinbar von Nord nach Süd. Unter den heterogenen Cirren befand sich auch ein breiter Cirrenstreifen, der Halo-aktiv war. Einige Minuten später verlängerte sich der linke Arm des OBB, keine zwei Minuten später war es der rechte (7:06) und dann gesellte sich noch ein sehr seltener Gast hinzu: der
obere konkave Parry-Bogen spannte sich wie ein Brückenbogen hoch über den OBB. Gleichzeitig schien ein äußerst schwacher
linker Supralateralbogen sichtbar zu sein – kaum wahrnehmbar, aber ich war mir sicher. Der OBB hielt bis 7:09 und verschwand dann, zeitgleich bildete sich der
Zirkumzenitalbogen schwach aus. Von einem SLB war in diesen Minuten nichts zu sehen. Um 7:10 war die Cirre schon so weit südwärts gezogen, dass sich der
rechte SLB nun schön zeigte, am Höhepunkt um 7:13 stand er wie ein Regenbogen(fragment) da! Um 7:15 leuchtet dannn die
rechte Nebensonne auf, begleitet von einer
„Säule“. Bei niedrigen Sonnenständen ist die NS oft von einer „Säule“ begleitet, die identisch mit dem Sektor f (bzw. b bei der linken NS) des 22°-Ringes zu sein scheint. Ich bezeichne diese Erscheinung lieber als „NS-Säule“, da sie oft zu sehen ist, obwohl vom 22°-Ring sonst nichts zu erkennen ist. Bevor die NS zwei Minuten später verschwand, bildete sie noch einen schönen Schweif aus. Dann war es mit den Halos vorbei.
Obwohl insgesamt 6 Haloerscheinungen zu sehen waren, hat sich zu keinem Zeitpunkt ein echtes „Halophänomen“ (5 Erscheinungen gleichzeitig) ergeben. Aber es fühlte sich zumindest so an! Denn wäre die Wolke größer gewesen, wäre das sicherlich der Fall gewesen. So sind innerhalb von etwa 17 Minuten verschiedene Halos zu sehen gewesen – nur eine kurze Show. Immerhin waren SLB und oberer Parry doch sehr seltene Gäste. Offenbar bestand diese Cirre aus
Säulenkristallen: horizontal (EE05, EE21), doppelt orientierten (EE27A) (die Säulenkristalle waren offenbar so stark orientiert, dass sich kein kleiner Ring (EE01) ausbilden konnte: das ist möglicherweise dann auch die Ursache der „Nebensonnen-Säule“) und
Plättchenkristallen horizontal (EE02/03, EE11).
PS: später war für eine längere Zeit (9:45 und 11:35) dann der vollständige 22°-Ring im homogenen, dichten Cirrostratus zu sehen gewesen. Aber das war eine ganz andere Haloerscheinung – und sie endete irgendwann, als die Wolken dichter und tiefer daherkamen. Allerdings brachten sie so gut wie keinen Regen mit sich.
Auf den Fotos ist noch Folgendes zu erkennen:
1. Haloverursachende orientierte Säulenkristalle scheinen aus den Virga eines verwehten Kondensstreifens zu kommen. Deshalb waren SLB, Parry und OBB so begrenzt.
2. In der Bilder-Sequenz ist sehr schön zu erkennen, dass das gesamte Feld zwischen OBB und Parry gleichmäßig aufgehellt ist. Die Bereiche unmittelbar außerhalb zeigen einen starken Helligkeitsabfall. Es sieht fast so aus, als ob das gesamte Feld eine einzige Haloerscheinung sei, die durch den OBB nach unten und den Parry nach oben begrenzt ist.
3. vom 22°-Ring ist ganz schwach der obere Scheitel (Sektor d) zu sehen gewesen.
Christoph

- 07:07 MESZ OBB und Parry sowie beide Nebensonnen mit "Säule"

- 07:13 MESZ rechter SLB mit ZZB-Rest

- 07:17 MESZ rechter SLB (verblassend) mit Nebensonne