
Das zwang den Halojünger (in meinem Fall eher ein Haloälter) zur bekannten senilen Bettflucht nach draussen. Das erste, was mir in der Suppe auffiel, waren perfekte Lampenkreuze. Zunächst dachte ich sogar an Linsen- oder Gardinenartefakte, aber beides war ja nicht vor dem Auge.

Das Schneekanonenmaterial war heftig, hier sind wir 900m entfernt:

Lampensterne

Breite Lichtsäulen

Aber da war auch etwas oberhalb der Lampe

Leider hatte ich kein Stativ dabei, aber die beiden Bilder zeigen wenigstens je ein, zwei Dutzend der beteiligten Kristalle

Es war ein Lampen-Moilanenbogen! Er war spitzer als ich erwartet hatte. Das schwache, aber einwandfrei mit dem Auge erkennbare V hatte keine Verbindung zur Lampe und war auch bei unterschiedlicher Position zur Lampe immer am richtigen Platz. Zunächst dachte ich nämlich an ein Lampen-"Sektglas", das ich hier in Davos - im Gegensatz zu Lichtsäulen - allerdings noch nie gesehen habe.

Auf dem Rückweg, bei den Lampensternen dachte ich, na wenn das so ist, und die waagerechte Sternkomponente ein Horizontalkreissegement ist, dann geht vielleicht noch mehr? Ging tatsächlich: Dicht bei einer der Strassenlampen stehend (75° zu ihr) war ein vollständiger perfekter HK zu sehen. Er war überraschend scharf begrenzt, aber erheblich breiter als die Sonnen-HKs, er war nämlich rundherum exakt so breit wie das Lampenglas... Leider auch da: Der Lampen-Horizontalkreis war ohne Stativ völlig unmöglich zu fotografieren, habe es versucht...

Ich möchte noch einmal Minnaert zitieren: Man kann nur sehen was man kennt. Normal hätte ich weder Lampen-MB noch Lampen-HK gesehen - wenn ich nicht gezielt danach Ausschau gehalten hätte.
Klar, am Morgen rechtzeitig raus, um 8:10 kommt die Sonne über den Berg. Bei der üblichen verdächtigen Kaltluftsee-Stelle war nix, der Wind hatte den Nebel etwas versetzt. Aber 100m weiter rechts ging es dann doch. Morgenbild:

Und da war der Bruder des Nachtgespenstes ja schon:

(Composite, perspektivische Entzerrung mit Mitte = Sonne)
Moilanenbogen-Portrait. Beachte den roten Saum unten; es muss also eine Kristallrotation um die Querachse geben, ähnlich wie beim OBB. Deswegen glaube ich die Fotos von MB-auslösenden Plättchen nicht so ganz.

Der 46°er war mit dem Auge gerade zu erahnen, und fotografisch auch nicht besonders gut darstellbar. Wegen der eher sehr runden Kreisform statt einer Glockenform halte ich ihn nicht für einen SLB, obwohl das Kristallthema hier ja eher "Säulchen" heisst. Aber immerhin ist der 22°er ja inzwischen auch gut zu erkennen.

Composite
Noch ein bisschen Beifang, hier eine Untersonne, die am Bachufer immer schön zu erkennen ist

Auch hier wieder, wie schon so oft: Der Moilanenbogen ist ein Schnellstarter. Seine Kristalle sind immer die ersten eckigen Dinger, die sich aus oder an den Minieiskügelchen des Schneeföhns bilden.

Eine Unternebensonne habe ich auch schon länger nicht gesehen, da ich im Winter inzwischen seltener oben am (Ski-)Hang bin. Mit dem Auge sah sie merkwürdig kreisförmig wie ein Unter-22°-Segment aus.

Noch einmal ein Composite-Panorama, der Wind hatte ein Stück gereifteren Nebel direkt vor meine Nase getrieben; der MB war "gefühlte" drei Meter vor meinen Augen.

Ein bisschen in den Nebel hineingelaufen. Die "Regentropfen" sind die Kristalle direkt im Nahbereich vor der Linse. Fun fact für diejenigen, die Diamond Dust noch nicht erlebt haben: wenn er wirklich dicht ist und man immer weiter in ihn hineingeht, verschwinden langsam alle Halos! Im gleichen Mass wie die Sonne im Grau verschwindet. Und parallel dazu kann man nicht mehr scharf sehen, alles ist verschwommen. Es ist als ob man unter Drogen stünde.

Noch ein schönes Schlussbild

Heute Morgen im Prinzip die gleiche Situation, aber deutlich kleinere Eisnebelwolke. Ausserhalb der Reichweite der Schneekanonen waren trotz -9° bis -11° alle Autos und Balkongeländer etc. Reif-frei. Also müssten im Umkreis der Schneekanonen doch Myriaden von Moilanen-Kristallen herumliegen?
etwa 350m vor der Schneekanone - dünnes feines Eisgranulat, sehr homogene Korngrösse, auf einem grossen Plastikdeckel herabgerieselt

diese Bilder mit DSLR und manuell vorgehaltener starker Leselupe
etwa 200m Entfernung - mehr Material, auf einem verzinkten Eisenrohr (in Whatsapp falsche Angabe)

etwa 40m Entfernung - frisches dichtes Material auf dem Strassenbelag

etwa 1000m Entfernung im schattigsten Teil des Tales - hier scheint Granulat dünn auf einzelne Plättchen (älter? Diese Gegend hat "Polarnacht" ohne Sonne) herabgeschwebt zu sein.

So, der Winter fing schon mal gut an
LG Bertram