Morgensichtbarkeit Sirius

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Elmar Schmidt
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Morgensichtbarkeit Sirius

Beitrag von Elmar Schmidt » 25. Sep 2026, 08:20

Hallo,

es sei darauf hingewiesen, daß es noch ein paar Tage möglich sein könnte,* dem Sirius in den Morgenhimmel zu folgen. Übermorgen (So, 27.9.) kulminiert er um 7:48 MESZ in 23 Grad Höhe (Angaben für Frankfurt/Main). Dann steht aber die um 7:19 aufgegangene Sonne auch schon 4 Grad hoch.

Man sollte also eher anfangen, so gegen 6:00, noch kurz vor Ende der astronomischen Dämmerung. Sirius steht dann 19 Grad hoch. Ich suchte gerade noch nach einem Anzeigerstern zum Südmeridian und kam leider nur auf Arneb (Alpha im Hasen, +2,6 mag) genau unterhalb Orions. Der hat 1 Grad weniger Deklination und kulminiert um 6:35 in 22 Grad Höhe. Deneb Kaitos (Alpha im Wallfisch, +2 mag) kulminiert schon um 1:51 und ebenfalls in 22 Grad Höhe, aber am sehr aufgehellten Himmel unterhalb des Vollmondes.

Viele Grüße

Elmar

*Achtung, Tagsichtungen von Sirius sind "kein leichtes Brot", selbst mit Fernglas, was sich ohnehin für das obige Programm empfiehlt.

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Elmar Schmidt
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Re: Morgensichtbarkeit Sirius (negativ)

Beitrag von Elmar Schmidt » 26. Sep 2026, 09:15

Letzte Nacht war es bestechend klar, vgl.

https://forum.meteoros.de/viewtopic.php ... 95#p254899

so daß ich den Morgenhimmel ab 6:00 MESZ in den Blick nahm, insbesondere Sirius (-1,18 mag mit Extinktion). Der war um 7:11 MESZ noch gut freisichtig. Das S/N zur Hintergrundleuchtdichte von 126 cd/m^2 lag bei 1,7 : 1 gemäß meinem "Sonneberg-Modell" (*). Meine letzte Sichtung fand aber schon um 7:20 statt, bei 286 cd/m^2, woraus ein S/N = 0,75 (1 : 1,3) folgte. Da war gerade die Sonne aufgegangen, so daß es sich um keine Tagsichtung handelte (für die wir mehr als 2 Grad Sonnenhöhe verlangen).

"Verloren geben" mußte ich Sirius schon um 7:32 (Sonnenhöhe 2 Grad), bei 600 cd/m^2 und einem S/N = 0,36 (1 : 2,8) und fand ihn auf die Schnelle auch nicht mehr im 6,5x21. Weitere Versuche gab ich auf. Bis 9:30 stieg die Himmelshelligkeit auf 2-3000 cd/m^2 an, was ein formidables S/N von weniger als 1 : 10 bedingt hätte, bei dem ich mir keine Erfolgschance mehr gebe.

Rigel (+0,31 mag mit Extinktion) verschwand für mich übrigens um 7:02 bei 20 cd/m^2, obwohl das zugehörige S/N noch bei 2 : 1 lag. Ich konnte mich wegen Sirius aber nicht auf ihn konzentrieren. Womöglich versinken schwächere Sterne auch schneller in der Dämmerung; das verheißt keine guten Aussichten für Canopus mit -0,74 mag (laut Arizona-Tonantzintla-Katalog, den ich für die zuverlässigste Quelle für helle Sterne halte).

Ich habe auch an Venus den Eindruck gewonnen, daß meine altersmüden Augen für nicht weniger gut sind als 1 : 2 und werde daher mit dieser Visusfunktion hier keine Tagsichtungen von Sirius mehr versuchen, es sei denn, ich könnte dafür ein GoTo-Teleskop mit Visier verwenden.

Ich schließe aber nicht aus, daß Tagsichtungen von südlicheren Premiumstandorten, wo Sirius höher am Himmel steht, und die Himmelsleuchtdichte bei nur 1000 cd/m^2 liegt, möglich sind. Aus diesen Angaben käme man auf ein S/N von 1 : 4. So ähnlich stufe ich jene Mittagssichtung von Günther Können auf La Palma ein. Gut wäre es aber, wenn danebenstehende und jüngere Himmelsunkundige so etwas bestätigen; denn es ist bei (Über-)Motivierten nicht auszuschließen, daß sie sich etwas einbilden.

Gruß, Elmar

(*) beim Modell für Grenzhelligkeiten arbeite ich zwar lieber mit Leuchtdichten, habe es aber nochmal auf die Magnitidun-pro-Quadratbogensekunden-Skala umgestrickt** (doch messen die SQM-Geräte überhaupt Tag- und Dämmerungshelligkeiten?):

Bild

**Die Umrechnung lautet L = 2,512^(12,5-H)

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Christoph Gerber
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Re: Morgensichtbarkeit Sirius

Beitrag von Christoph Gerber » 27. Sep 2026, 17:03

Hallo Elmar,

gestern habe ich leider den klaren Morgen verpasst. Dafür heute nach Sirius geschaut, aber der Himmel war mit Cirren versehen.
Daten: Sonnenaufgang: 7:19 MESZ, Sirius-Kulmination 7:47 MESZ
7:17 war Sirius (noch) sehr deutlich freisichtig zu erkennen, um 7:27 noch einmal (trotz Cirren!), um 7:31 ebenso, um 7:34 sehr unsicher. Beobachtungsunterbrechung, danach (7:55) nicht mehr wiedergefunden (mit 12x60) – jetzt auch durchgehend dünner Cs.
Die Sonnenhöhe um 7:34 betrug ganz knapp 2.0° – heute also keine Tagessichtung, aber mit der Erkenntnis, dass auch Cirren nicht unbedingt eine Sichtung unmöglich machen...

Gruß aus HD,
Christoph

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Elmar Schmidt
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Re: Morgensichtbarkeit Sirius / Tagsichtung Mondsicheln

Beitrag von Elmar Schmidt » 7. Okt 2026, 06:44

Lieber Christoph,

heute früh war es wohl letztmals dieser Tage sehr klar. Zum Beleg: meine Helligkeitsmessung an Sirius landete nach Abzug von 29% Untergrund (nautische Dämmerung, Sonne 10,5 Grad tief) und Anwendung meiner idealen Extinktionsformel fürs Tiefland mit -1,44 mag fast bei seiner Kataloghelligkeit (-1,45 mag), so daß ich eine Stunde später wieder nach dem hellsten Fixstern Ausschau hielt.

Die Sichtung gelang im 6,5x21-Fernglas auch sofort. Mit dem bloßen Auge sah ich Sirius kurz nach seiner Kulmination noch bis 7:41 MESZ mit einem S/N=0,62, wobei eine hohe Wolke nahebei das Auffinden erleichterte. Eine Tagsichtung war das aber wieder nicht; denn die Sonne stand erst 0,8 Grad hoch. Ich denke, Du bist oder wärst noch etwas länger dran geblieben. Für mich bleibt Sirius der absolute Grenzfall für Tagsichtungen.

Herzliche Grüße

Elmar


PS: der -7,8 mag helle Mond stand übrigens um 6:30 MESZ nur 1,8 Grad südlich von Regulus mit 1,35 mag. Das hätte ich eigentlich auch verfolgen müssen, aber im Moment ist so viel los am Himmel,* daß man vor lauter, lauter... Apropos, der Mond wird nun dünner und steht so günstig, daß sich wieder mal ein kritischer Tagsichtungsversuch lohnt. Die 5,8%-ige Sichel ist um die -6 mag hell und steht zur Kulmination morgen (8.10.) um 11:30 MESZ 44 Grad hoch, aber nur 28 Grad westlich der Sonne (diese unbedingt abdecken!). Das wird gemäß unserer gesammelten Erkenntnisse zu einer anspruchsvollen, aber noch nicht grenzwertigen Tagsichtung.

Da das Wetter leider morgen umgeschlagen sein soll, habe ich heute um 11:55 MESZ nach der 11,4%-igen Mondsichel geschaut (Helligkeit noch etwa -7,2 mag), und sie war trotz leichter Cirren in 40 Grad Abstand zur Sonne völlig unschwer freisichtig. Das S/N lag bei 0,051, also gut 1 : 20. Das ist um Faktoren 7-10 niedriger als das mittl. S/N bei Tagsichtungen von Venus und Jupiter und noch nicht mal die Untergrenze. Hieran zeigt sich, daß beim "flächigen" Mond unterschiedliche Tagsichtbarkeitsbedingungen vorliegen müssen als bei Punktobjekten (fürs bloße Auge).

*habe übrigens gerade die Photometrie zur fünften Marsopposition seit 2018 begonnen. In 270 Messungen während der vorigen vier deutet sich an, daß der rote Planet um etwa 8,5% heller ist als in seiner Ephemeride "erlaubt". Schaunmermal.
Zuletzt geändert von Elmar Schmidt am 7. Okt 2026, 14:47, insgesamt 1-mal geändert.

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Christoph Gerber
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Re: Morgensichtbarkeit Sirius

Beitrag von Christoph Gerber » 7. Okt 2026, 14:02

Hallo Elmar,

Sirius habe ich inzwischen (für diese Saison zumindest) gestrichen. Ich hatte eigentlich vor, gestern nach der Meteorbeobachtung noch den Sirius in den Tag zu verfolgen. Dann habe ich aber festgestellt, dass er an dem Ort, an dem ich ihn am 27.9. kurz nach Sonnenaufgang gesichtet habe, bereits eine gute halbe Stunde vor Sonnenaufgang steht. Also ist er nach Sonnenaufgang (H=2°) schon so weit westlich, dass ich ihn nicht mehr sehen kann (Bäume und Hang). Im Frühjahr läuft Sirius in den Tag hinein, dann gibt es kein "Ende"...

Ich hatte gestern vergessen, auf den Regulus hinzuweisen (immerhin an drei aufeinaderfolgenden Morgen Mond bei Mars, Jupiter, Regulus!). Es gelang mir, den Stern um 7:40 MESZ (und nochmals 7:42) mit dem 12x60 zu orten (Entfernung schon 2.3°). Das war kurz nach Sonnenaufgang (um 7:33, also bis zu 1° Sonnenhöhe). Um 8:15 ist mir ein Wiederfinden nicht gelungen (er darf eben nicht weiter als 2.5° vom Mond entfernt sein, um ihn noch in der Blickfeldmitte zu platzieren). Ein Punktobjekt wie Regulus ist eben doch ein anderes Kaliber als ein (sehr) kleines Marsscheibchen...

Gruß aus HD,
Christoph

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