Glasperlenbogen auf dem Küchentisch

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Alexander Haußmann
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Glasperlenbogen auf dem Küchentisch

Beitrag von Alexander Haußmann » 30. Jun 2008, 16:58

Hallo zusammen,

meine Zufallsbeobachtung des "Regen"bogens in Glasperlen auf bzw. neben frischer Fahrbahnmarkierung hat mich darüber nachdenken lassen, den Effekt auch mal im Straßenlampenlicht zu studieren - leider waren die Glasperlen schon nach wenigen Tagen durch den Verkehr zu sehr verstreut. Ebenfalls durch Zufall habe ich nun erfahren, daß Glasperlen auch zur Oberflächenbearbeitung von z.B. Metallgegenständen benutzt werden, und ich habe mir von unserem Feinmechaniker mal eine "Handvoll" mitbringen lassen. Und los gings...

Als Lichtquelle habe ich eine kleine Glühlampe (analog Fahrradbirne) ohne Reflektor benutzt, schließlich soll die Beleuchtung so ideal wie möglich einem Punktstrahler entsprechen. Die Glasperlen habe ich auf einem schwarz eloxiertem Alublech (ca. 30 x 40cm) ausgestreut - der Effekt war überwältigend! Der Bogen kann genau wie in Christian Fenns Experiment mit Laser und rotierendem Spiegel in unterschiedlichsten Geometrien studiert werden. Die Revers-Geometrie ist am einfachsten umsetzbar (andernfalls ist der Schatten des Kopfes bei den geringen Entfernungen doch ziemlich groß). Man legt also das Blech auf einen Tisch und hält die Lampe drüber und schaut sich das in verschiedenen Kopfhaltungen an. Ich habe mal einige Fotos gemacht, die Lampe habe ich an einen Halter gebaut, wobei auch gleich das direkte Licht abgeschattet wird. Der erste Interferenzbogen ist ebenfalls sichtbar, auch kann eine deutliche Polarisation analog zum "Wasserbogen" nachgewiesen werden.

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Die Glasperlen sehen unter dem Mikroskop folgendermaßen aus:

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Den mittleren Radius habe ich auf 50µm geschätzt, die Standardabweichung auf 15µm. Es gibt aber verschiedene Größen zu kaufen. Im Fall von Wassertropfen sind bei dieser Größe die Farben schon recht verwaschen, so auch hier (fällt insbesondere auf, wenn man sich den Sonnen-Glasbogen anschaut). Außerdem ist das Glühlampen-Spektrum ziemlich "rot", daher der etwas merkwürdige Farbeindruck der Bilder.

Da ich von der Erscheinung recht fasziniert war, habe ich auch mal ein paar Simulationen mit Airy-Theorie für Glaskugeln gerechnet (dafür konnte ich Teile des Gespaltenen-Bogen-Quelltextes wiederverwerten). Für die Darstellung aus der Beobachterperspektive konnte ich auf die Schneedeckenhalo-Arbeit zurückgreifen (nach 10 Jahren schließt sich der Kreis...). Die fiktive Darstellung von oben zeigt deutlich den "Schnitt durch den Apfel" - bisher hat sich aber meines Wissens nach noch keiner mit der unterschiedlichen Breite des Farbbandes beschäftigt. Dieser Effekt tritt deutlich bei der "Öffnung des inneren Bogens durch Verschmelzen mit dem äußeren" (läßt sich schwer beschreiben, muß man gesehen haben) hervor (die Geometriedaten der Simulation entsprechen nicht exakt denen der Beobachtung, weil ich beim Fotografieren keine Messungen gemacht habe).

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Draufsicht (Beobachter in Bildmitte)

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gnomonische Projektion aus Beobachterperspektive, "simuliertes Foto"

Im Vergleich zu Christians Experiment möchte ich noch einige Unterschiede hervorheben: Hier lassen sich wegen der "Weiß"licht-Beleuchtung auch die "Regen"bogenfarben darstellen. Außerdem ist man nicht auf einen Schitt durch den Rotationskörper eingeschränkt, der die Lichtquelle enthält, denn hier liegt die "Taubogen"- und nicht die "Leuchtturm"geometrie vor. Allerdings kommt es wegen des anderen Brechungsindex zu anderen Extremalablenkungswinkeln (ca. 21° für Hauptbogen, ca. 90° für Nebenbogen). Den Nebenbogen in Glas konnte ich bisher aber noch nicht nachweisen, da wäre der Rotationskörper sogar ziemlich genau eine Kugel. Der "Apfel" des Hauptbogens greift viel weiter in den Raum als bei Wasser.

Fazit: Hier ist mit wenig Aufwand ein auch didaktisch lehrreiches Experiment möglich, alles was man außer haushaltsüblichen Gegenständen noch braucht, sind ein paar Glasperlen (gibts z.B. unter dem Schlagwort Strahlmittel zu kaufen, ca. 20 Euro für die 25 kg-Tüte) .

Schöne Grüße,
Alex

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Richard Löwenherz
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Beitrag von Richard Löwenherz » 30. Jun 2008, 19:11

Hallo Alex,

sehr schönes Experiment und vor allem sehr anschaulich! Dass der "Regenbogen-Apfel" nach 10 Jahren noch eine so hübsche Simulation bekommt, hätte damals wohl keiner gedacht. Ich staune ja immer wieder, wie du die Zeit findest, sowas "nebenbei" auszurechnen...

Gruß aus Berlin,
Richard

Michael Ellestad
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Divergent light bows

Beitrag von Michael Ellestad » 30. Jun 2008, 20:55

Alexander,

That is a neat experiment you did with minneart cigar effect with the divergent light making a rainbow in the glass beads. I am going to have to try that one myself because I have some in a can somewhere.

I once did a divergent light rainbow at night but it was a circle instead of the fan like your experiment shows.


Regards from the USA,


Michael

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Beitrag von Christian Fenn » 1. Jul 2008, 09:25

Hallo Alex, hallo Richard, schön mal wieder von euch zu hören.
Und verdammt beeindrucken, Alex, was Du da schreibst und simulierst. Werde mir wohl als nächstes mal einen Satz Glaskugeln kaufen.

Vielleicht könnten Deine Beobachtung ja noch in einen Artikel umgeschrieben werden. Die Internetseiten warten sowieso auf Ergänzungen.

Grüße aus Bayern, auch wenn ich gerade in Hessen sitze.

Christain

Alexander Haußmann
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Beitrag von Alexander Haußmann » 1. Jul 2008, 18:40

Hallo Richard, Michael & Christian,

danke für die positiven Stellungnahmen. Ich glaube der Programmieraufwand für diese Simulationen nimmt sich noch recht harmlos gegenüber dem aus, was die Videometeorbrigade im AKM leistet, zumal ich in diesem Fall bloß verschiedene "Bausteine" zu kombinieren brauchte. Natürlich ist das Ergebnis nicht mit den Möglichkeiten von 1998 zu vergleichen.

I think Michael's observation represents the usual case for rainbows in divergent light as reported by Christian and others. Without any restriction either of the scattering particles ("dew bow") or the illuminating light ("lighthouse") towards a 2D plane one will only see the "normal" rainbow because of the accumulation effect in the cone-like part of the Minnaert cigar close to the observer. In 1997 I made a photograph of the fog bow and the glory in artifical light (not purely divergent as there was a reflector behind the lamp):

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Außerdem habe ich heute noch mal etwas genauer hingesehen und auch den Glas-Nebenbogen im Sonnen- und Lampenlicht identifizieren können - ohne das Vorwissen, daß er bei ca. 90° liegt, wäre das allerdings kaum möglich gewesen. Die Vorwärtsstreuung (also der Effekt, der den tertiären Bogen in Wassertropfen nahe der Sonne unsichtbar macht) spielt da schon sehr störend mit hinein. Da die Minnaert-Zigarre hier zur Kugel wird, sind die Schnittkurven immer kreisförmig, allerdings durch die Perspektive verformt, da der Beobachter sich nicht über dem Kreismittelpunkt befindet. Die Aufstellung Lampe - Glasperlenebene - Auge entspricht dabei der Schneedeckenhalo-Geometrie. Mit der Sonne als Lichtquelle erscheint der Nebenbogen tatsächlich als mehr oder weniger gerader Strich (Großkreis aus dem Kugelmittelpunkt gesehen). Hier zur Veranschaulichung mal ein Diagramm, welches die Ablenkwinkel in Abhängigkeit vom Brechungsindex der Kugeln zeigt:

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Der abfallende Kurvenast für den Nebenbogen bei kleinen Brechungsindizes entspricht übrigens dem von Yuhi Ayatsuka beschriebenem Fall für gleiche Farbfolgen in Haupt- und Nebenbogen (die Bögen wenden einander nicht mehr das Rot zu), siehe Meteoros 07/2006.

Viele Grüße,
Alex

Michael Ellestad
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Divergent light bows

Beitrag von Michael Ellestad » 2. Jul 2008, 04:34

Yeah,

One thing I noticed when ever I would do a divergent light fogbow using the cars hi-beams the bow near the light was small in radius and diffuse but when I got farther away the bow expanded and became more sharper defined with its supernummery arcs and the wide secondary.

Heres link to photos I have on my gallery on spacew.com

http://www.spacew.com/gallery/image005050.html
http://www.spacew.com/gallery/image005052.html

Enjoy the photos.


Regards,


Michael Ohio USA

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Claudia Hinz
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Beitrag von Claudia Hinz » 3. Jul 2008, 10:15

Hallo Alex,

das ist ja wieder echt beeindruckend, was Du an Beobachtung und Simulationen hier lieferst! Echt genial!!!

Begeisterte Grüße
Claudia

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