Räumlichkeit von Haloerscheinungen

Forum für Halo-Erscheinungen, Regenbögen, Blitze und alle anderen Lichterscheinungen, die neben Polarlichtern in der Erdatmosphäre auftreten.
Antworten
Benutzeravatar
Bertram Radelow
Beiträge: 1187
Registriert: 20. Dez 2005, 12:19
Wohnort: Davos / Graubünden / Schweiz
Kontaktdaten:

Räumlichkeit von Haloerscheinungen

Beitrag von Bertram Radelow » 27. Nov 2008, 10:38

hi,

ich stand heute morgen etwa eine halbe Stunde im Eisnebel an der Landwasser, so heisst der kleine Fluss durch Davos, und betrachtete das Geschimmere der ziemlich kleinen Eisplättchen (ich habe sie 2006 einmal fast in Briefmarkengrösse gesehen, also jedenfalls >20mm).

Man sollte annehmen, dass einem die verschiedenen Bögen unendlich weit weg vorkommen, weil der Strahlengang sich zwischen linkem und rechten Auge fast nicht unterscheidet. Dem ist aber nicht so. Am nächsten kam mir der Moilanenbogen vor, als ob er in etwa drei bis zehn Meter Entfernung schwebte. Der Obere Berührungsbogen kam mir wesentlich weiter weg vor, so 40 bis 100 Meter, und Supralateralbogen und 22°-Kreis noch wesentlich weiter weg, eher unendlich.

Es hat eine Weile gedauert bis ich es verstanden habe, aber ich denke jetzt, dass es an der Grösse der Lichtblitze liegt: Das Gefunkel des Moilanenbogen war weitaus am stärksten (wobei ich nicht meine, dass er insgesamt sehr hell war): die Lichtreflexionen waren am grössten und intensivsten, fast wie bei einer nahen Untersonne. Die "Photonen" aus dem OBB bzw. dem hellen Feld darüber konnte man auch noch sehr gut einzeln sehen, die aus den anderen Bögen kaum noch einzeln unterscheiden.

Per Zufall sieht man das was ich meine auf dem zweiten Foto annähernd abgebildet.

Bild

Bild

Leider hat der Autofocus heute sehr stark geschwächelt, ich darf gar nicht darüber reden (Sonnenbogen usw.). Ich hatte Tage vorher noch die Macro-Option aktiviert und das vergessen. :oops:

Bertram

Benutzeravatar
Christian Fenn
Moderator
Beiträge: 842
Registriert: 20. Jan 2004, 21:21
Wohnort: Hammelburg, Unterfranken in Bayern
Kontaktdaten:

Beitrag von Christian Fenn » 27. Nov 2008, 19:36

Hallo Bertram, erstmal wieder Glückwunsch zu Deinem Moilanenbogen. Vielleicht ziehe ich ja auch demnächst nach Davos, scheint effektiver zu sein als Hammelburg.

Jedenfalls habe ich mich mal recht ausführlich mit der Frage nach der scheinbaren Entfernung der Bögen auseinandergesetzt, deshalb ziehe ich Dir mal den Link hier rein:

http://www.meteoros.de/php/viewtopic.php?t=4806

Benutzeravatar
Bertram Radelow
Beiträge: 1187
Registriert: 20. Dez 2005, 12:19
Wohnort: Davos / Graubünden / Schweiz
Kontaktdaten:

Beitrag von Bertram Radelow » 27. Nov 2008, 21:38

hi Christian,

danke für den Link! Ich muss ihn damals überlesen oder aber inzwischen vergessen haben. Deine Ausführungen sind äusserst aufschlussreich.

Ich bin im Moment noch hin- und hergerissen, ob wirklich 0,5° breite Lichtquellen je nach Spiegelflächengrösse unterschiedlich entfernte Halos vorgaukeln:
a) entweder der Kristall ist breit genug oder nicht. Wenn er es ist, sieht der Bogen x Meter weit entfernt aus, egal wie gross der Kristall ist.
b) waren heute nur äusserst winzige Kristalle in der Luft, keine 2mm gross. Bei dieser Grösse müssten die Kristalle schon ziemlich weit weg sein, um räumliche Bilder zu erzeugen. Waren sie aber nicht, die Untersonne war zum Greifen nahe.

Die Tiefenwahrnehmung ist äusserst surreal - wer das nicht selber gesehen hat, kann das kaum nachvollziehen. Da läuft im Hirn ein Prozess ab, bei dem es etwas verstehen will, was es nicht verstehen kann. Ich habe im Moment den Eindruck, dass wirklich die Grösse der Einzelblitze und nicht die Gesamtmenge oder Helligkeit die scheinbare Entfernung bestimmt.

Es war sehr interessant, Claudias Beobachtungen zu lesen. Mein Halo heute war leider nur ein Standard-Halo, aber trotzdem war ich überrascht, es genau so wie Claudia empfunden zu haben: OBB viel näher als SLB. Andere Bögen waren mit dem Auge nicht zu erkennen, die Sonnenbögen habe ich erst auf den Fotos gesehen.

Bei mir war nur der Moilanenbogen ausgeprägter als bei Claudia, und es ging mir anfänglich wie ihr: Beinahe übersehen, weil er so nahe lag. Nur die Untersonne war näher.

Der Moilanenbogen ist ein rätselhaftes Ding... Zeitweilig waren seine Flügel lang und gerade und reichten bis zum 22°-Kreis. Es wird ja immer über seine Schneekanonen-Herkunft geschrieben, und seit dem Winter haben wir bestimmt 15 weitere in Betrieb, auch letzte Nacht (Gesamtmässig sind wir wohl bald bei 100). Nur:
- Die nächste ist >2 km entfernt
- die Nacht war grossenteils völlig klar und nebelfrei
- der morgendliche Eisnebel war ein reiner kleiner Bachnebel entlang der Landwasser - die nächsten 100 km (oder so...) in jeder Richtung waren völlig nebelfrei. An den Hängen unterhalb der Kanonen waberten nicht die allerkleinsten Wölkchen wie sonst. (Es ist immer wieder überraschend, wie klein solche Eiswolken sein können).
Vom oberen Bild aus musste man nur 30m Richtung Sonne gehen und war in völlig klarer Luft!
10 m weiter in die andere Richtung (also rückwärts in den Fotos) war wiederum nur der 22°-Kreis und der OBB zu sehen, ich war anfänglich enttäuscht.

Ich hatte heute ca. 200 Fotos gemacht, die teure Nikon hat sich völlig verabschiedet und bei ISO 200, 1/800 und F15 fast reinweisse überbelichtete Bilder geliefert (sie hatte im Sommer schon mal so einen Anfall, ging dann aber wieder), und die kleine Backup-Kamera hat zu 95% Nahbilder geschossen... Ich kann gar nicht in Worte fassen, wie mir zuhause zu Mute war.

Aber es war trotzdem sehr schön, mitten im Geschehen zu stehen und ich hoffe, ich komme den Winter noch ein Mal dazu (mit heiler Kamera... :) )

Bertram

Benutzeravatar
Christian Fenn
Moderator
Beiträge: 842
Registriert: 20. Jan 2004, 21:21
Wohnort: Hammelburg, Unterfranken in Bayern
Kontaktdaten:

Beitrag von Christian Fenn » 27. Nov 2008, 22:33

Hallo Bertram,

Du schreibst etwas über den Moilanenbogen. Da seine Entstehung immer noch nicht eindeutig geklärt ist, wäre es vielleicht sehr interessant, wenn Du Deinen dreidimensionalen Eindruck möglichst genau schildern könntest. Aufgrund der Räumlichkeit könnte man vielleicht Rückschlüsse auf die zum Spiegeln oder Brechen notwendigen Flächen und Eiskristalle schließen. dAs würde uns der Lösung möglicherweise etwas näher bringen.

Grüße, Christian

Benutzeravatar
Bertram Radelow
Beiträge: 1187
Registriert: 20. Dez 2005, 12:19
Wohnort: Davos / Graubünden / Schweiz
Kontaktdaten:

Beitrag von Bertram Radelow » 27. Nov 2008, 23:30

hi Christian,

die Halos waren nicht so ausgeprägt, dass ich Krümmungen wahrnehmen konnte - von Claudias elliptisch empfundenen HK war ich meilenweit entfernt. Ich kann lediglich folgendes sagen:
- ich war überrascht, dass der MB fast so nahe war wie eine Untersonne, die vor einem glitzert. Jedenfalls dramatisch viel näher als der OBB direkt darüber.
- ich war überrascht, dass der MB wie ein reiner Spiegelhalo aussah. Er erinnerte eben wie gesagt im Charakter sehr an die Untersonne.
- wenn man länger die Spitzen des MB angeguckt hat, sah man sie bis zum 22°-Kreis reichen. Man müsste wohl mal eine "Langzeitaufnahme" 8) machen, um möglichst viele Blitze aus der Gegend einzusammeln?

Die Entfernungsskalierung ist sehr schwierig. Claudia hat ja alles viel näher wahrgenommen.

Auf meinen Fotos ist der MB immer zusammen mit Sonnenbögen zu sehen. Heute dachte ich das erste Mal, dass die Flügel des MB kein Bogen sind, sondern Parallelen zum Sonnenbogen. Aber das ist alles sehr subjektiv.

Bertram

Antworten

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 29 Gäste