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von StefanK » 20. Jan 2012, 18:54
Hallo Anja,
Purpurlicht entsteht durch Lichtstreuung bzw. Reflektion in sehr hohen Luftschichten, entweder in der Stratosphäre oder (in den Tropen) in der Troposphäre, welche dort bis in etwa 17 km Höhe reichen kann. Die verursachenden Aerosolschichten sind so dünn, dass sie - ähnlich wie NLC - erst sichtbar werden, wenn die Sonne am Erdboden bereits einige Zeit untergegangen ist. Ín unseren Breiten wird Purpurlicht zumeist durch vulkanische Aerosole in der Stratosphäre verursacht, in sehr seltenen Fällen (und nur in den Wintermonaten) auch durch Polare Stratosphärische Wolken.
Während letztere sich bei extrem niedrigen Temeperaturen durch Auskodensation dort oben bilden, können vulkanische Aerosole nur dorthin gelangen, wenn die Auswurfssäule des Vulkans entsprechend hoch reicht - wie zuletzt beim Nabro.
Wenn der Ätna etwa 5km hoch "gespuckt" hat, dann verbleiben die Auswurfsprodukte in der Troposphäre. Wie lange sie sich da halten, hängt vom Wettergeschehen ab, z.B. werden sie durch Regen ausgewaschen. Sie können aber auch wie 2010 beim Eyjafjallajökull einige Tage unterwegs sein. Damals gab es aber eben keine farbenprächtigen, sondern ausgesprochen fahle Dämmerungen, weil die in etwa 5 km Höhe treibenden Aschewolken sich wie ein Vorhang vor den Dämmerungshimmel legten. Ähnliches ist oft zu beobachten, wenn Saharastaub zu uns geweht wird.
Aber es gibt auch hier Ausnahmen: ich erinnere mich an einen Fall (ich meine es war November 2009 oder November 2010), als deutliches Purpurlicht auftrat, während auf dem Hohen Peißenberg Saharastaub knapp unter der Tropopause gemessen wurde. Prinzipiell kommen übrigens auch sehr hohe, subvisuelle Zirren (vor allem in den Tropen) als Verursacher von Purpurlicht in Frage.
Dass immer noch Nabro-Aerosole vagabundieren, überrascht mich nicht allzu sehr. Nach den vergleichbaren Eruptionen des Kasatochi (Sommer 2008) und des Sarychev (Sommer 2009) konnten jeweils bis in den Spätwinter des folgenden Jahres stärkere Purpurlichter beobachtet werden. Vielleicht spielte da jeweils - wie von Claudia angedeutet - verstärkte Kondensation auf Grund der gerade im Januar und Februar niedrigen (nicht selten bis -70°) Temperaturen in der unteren Stratosphäre (etwa 30 hpa-Niveau) eine Rolle.
Mir scheint generell die Genese insbesondere von "normalem" Purpurlicht nicht bis ins Letzte verstanden zu sein.
Viele Grüße aus Bonn,
Stefan