Polarlicht: Farbensehen

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Moderator: StefanK

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Hans Boßmann
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Polarlicht: Farbensehen

Beitrag von Hans Boßmann » 20. Mär 2013, 08:52

moinmoin

bestimmt wurde das Thema hier auch schon besprochen,
ich konnte aber nix finden:

Wie stehts mit dem Farbensehen beim Polarlicht?
Wieviele Menschen haben leider schon das Pech,
dass ihre Augen ein Polarlicht nicht farbig wahrnehmen?

Anlass meiner Frage:
Viele Reisende einer Hurtigruten-Tour sind bei Polarlicht-Sichtungen enttäuscht,
weil sie natürlich die schönen farbigen Schleier erwartet haben.
die sie von Fotos kennen.
Einige unterstellen anschließend den Fotografen
hinterher in der EBV nachgeholfen zu haben.

Mein Wunsch wäre es, hier herauszufinden, ab welchem Alter etwa
man Polarlicht nur noch auf seinen Fotos richtig bewundern kann.

Ich gehe davon aus, dass hier der Altersdurchschnitt niedriger liegt,
als auf einem Hurtruten-Schiff.

Danke

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wolfgang hamburg
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Beitrag von wolfgang hamburg » 20. Mär 2013, 10:35

Moin Hans,

mir fällt auf die Schnelle das ein:

1. schwaches PL wird man kaum farbig sehen(Nachts sind alle Katzen grau!) Kameras sammeln aber das Licht viel länger und dadurch hat man auch schwaches PL mit Farben(ganz ohne extra Bildbearbeitung).
2. ganz wichtig ist eine gute Dunkeladaption; Die dauert länger(>10min) als man denkt und wird auch durch kleine Lichtquellen gestört( u.a. Kameradisplays).
Auf Schiffen und in Norwegen sind sehr viele Lichtquellen die richtig stören!
Ohne Dunkeladaption sieht man auch starke PL nur in Schwarz/Weiß. Selbst in Norwegen erlebt. Ich sah ein tolles Display, rief meine Frau, die kam raus und sagte: "So ein Terz um bissel helleren Himmel!". Nach paar Minuten hat es ihr aber auch gefallen.
3. Sehfehler beeinträchtigen natürlich auch die Wahrnehmung von PL. Die Fehler nehmen altersbedingt natürlich zu, aber lassen sich meist gut korrigieren. Ohne Brille kann ich in der Ferne nur noch Matsch sehen, da geht PL natürlich auch drin unter.
4. Falls sich ein Mann beschwert, sollte die Frage sein: Hat der Mann eine Rot-Grün-Sehschwäche? http://de.wikipedia.org/wiki/Rot-Gr%C3% ... w%C3%A4che Das ist häufiger als man denkt und und PL ist nun mal Rot und Grün. Ich weiß leider nicht, wie ein Rot-Grün-Blinder PL wahrnimmt. Ich denke der wird es als nicht farbiges Leuchten sehen. Und es gibt da auch ganz viel Spielraum, der eine sieht es besser, der andere gar nicht oder ganz anders!

Grüße wolfgang

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Andreas Möller
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Beitrag von Andreas Möller » 20. Mär 2013, 11:16

Mein Wunsch wäre es, hier herauszufinden, ab welchem Alter etwa
man Polarlicht nur noch auf seinen Fotos richtig bewundern kann.
Also ich kann aus Erfahrung soviel sagen:

Auf unserem Rückflug von Las Vegas nach DE habe ich über Canada ein kräftigen grünen PL-Bogen gesehen. Farblich war er blass, wie du bereits sagtest, aber eindeutig als Grün zu identifizieren. Wahrgenommen habe ich ihn als grün-grauen Schleier ohne Dunkel-Adaption und mit Streulicht vom Flugzeug.

PS: Da war ich 24

Grüße, Andreas

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Elmar Schmidt
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Beitrag von Elmar Schmidt » 20. Mär 2013, 12:16

Hallo,

die Antwort ist einfach und konkret. Gutes Farbensehen erfordert Leuchtdichten über 3 cd/m^2 (photopisches Sehen), es verliert sich graduell (mesopisches Sehen) bis ca. 0,003 cd/m^2 und verschwindet dann schlagartig (skotopisches Sehen). Dies kann individuell variieren.

Zum Vergleich, der Himmel in einer Vollmondnacht ist mit 0,1 cd/m^2 gerade noch als blau wahrnehmbar. Ein Polarlicht, daß sich dagegen abhebt (oder abheben würde), sollte farbig wahrgenommen werden.

Ein anderes Thema ist Farbenblindheit.

Gruß, Elmar

Anja Verhöfen
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Beitrag von Anja Verhöfen » 20. Mär 2013, 20:49

Guten Abend,

mein erstes und einzigstes bisheriges Polarlicht hatte ich als weiß-rötlichen Beamer wahrgenommen. Allerdings waren da meine Augen noch nicht richtig dunkel adaptiert, da ich gerade aus dem Haus kam als ich es sah.

Ich habe allerdings eine leichte Sehschwäche und ich war 41 Jahre alt.

Clear Skies!

Anja Verhöfen

Dieter R
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Beitrag von Dieter R » 22. Mär 2013, 09:41

Hallo Hans,
zuerst schaute ich mal in Deine EXIF´s da ist das Datum 12.03. entdeckte. Dann war ich etwas verwundert, schaute noch mal und sah dann das Aufnahmejahr 2011. Weil, wenn es dieses Jahr gewesen wäre gab es keinen Mond an diesem Tag :wink: Dann hätten wir es in gleicher Richtung gesehen, nur da war keines. Als "PL-Freak" schaffte ich es nach 7 langen Jahren der Entbehrung endlich mal wieder PL auf den Lofoten zu erleben. Es war meine 12 (oder 13?) Winter-Reise dorthin. Ich denke Dein Bild zeigt glaube ich, das südgehende Schiff auf die Anfahrt zum letzten Hafen der Lofoten. Das PL war dann ganz schön südlich an diesem Tag, Kompliment! So nun zum wahrnehmen von Farben. Wir sahen auch Polarlichter, die ich visuell jedoch nur Grün wahrnahm. Allerdings zeigt eine moderne DigiKnipse auch Blau und Lila/Rotanteile. Mit einem 1,4 24mm und 3200-4000 ASA kommt man damit auf 1,5 - 2 sec. Belichtungszeit. Ich schaffe dazu in JPG, damit die Kamera hinter her kommt bzgl. speichern. Da brauch ich nicht an den Farben rumfummeln, das sah ich bereits am Kameradisplay. Wenn sich das Auge lange anpasst und von Zäpfchen auf Stäbchen umstellt, sollten wir nur noch nahezu SW erkennen. Ich schaffte es ein paar mal wieder, ganz knapp in den IR Bereich zu sehen. Obwohl meine Fotofreunde nichts mehr sahen und aufgaben, nahm ich etwas Rot wahr und sie packten den Krempel noch mal aus, für weitere Fotos. Das bestätigte mich und freute mich zugleich. Allerdings war das nicht immer so. Mit bald 50 erwartete ich diese Gabe jedoch nicht mehr. Ich vermutete selbst jahrelang oft einen Trick, wenn ich blutrote PL Bilder sah. Kann Dir aber bestätigen, das dieses dann auch Du sehen tust, wenn keine Farbschwäche vorhanden ist :o. Dieses durfte ich jedoch nur 1x erleben. Da war der Schnee sogar Pink und die Dachrinnenunterseite spiegelte die Helligkeit. Mein Bekannter berichtete von 2 Stunden! sichtbarem langem pinkem PL im Januar. Wenn er das sagt, ist es schon außergewöhnlich, da er auf dem Lofot lebt.
Viele Grüße Dieter[/img]
Unser Kopf ist rund,
damit das Denken die Richtung wechseln kann
F.Picabia

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Hans Boßmann
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Re: Polarlicht: Farbensehen

Beitrag von Hans Boßmann » 12. Okt 2013, 12:18

an Dieter R
Sorry, aber ich habe lange hier nicht mehr reingeschaut.
Meine kurze Antwort:
ja, das war im Jahre 2011 anlässlich einer Hurtigruten-Reise auf der Strecke Tromsø - Stamsund.
Genauer gehts leider nicht, da meine Kamera leider keine GPS-Funktion hat und ich mir auch nicht dir Mühe gemacht habe
mittels App auf dem Handy die GPS-Daten mitzuschreiben.
Mehr Fotos gibt es hier:
http://www.panorama-fabrik.de/reisen/hurtigrute/dir.php

Erich Keller
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Re: Polarlicht: Farbensehen

Beitrag von Erich Keller » 12. Okt 2013, 19:00

Hallo und guten Abend,

meine einzige bisherige PL-Sichtung war ca. 1989 während einer Beobachtungsnacht mit anderen Sternfreunden. Der Himmel im Norden war auffallend rot mit Beamern - für alle Anwesenden, nur live nicht so intensiv wie auf den Fotos. Wir standen weit abseits jeglicher Beleuchtung im Bayerischen Wald auf ca. 800 m Höhe. Es gingen in dieser Nacht bei der Polizei viele besorgte Anrufe ein, dass es brennen würde, weil der Himmel so rot wäre.
Seitdem waren alle Versuche, auch hier in Südbayern Polarlicht zu sehen, erfolglos - teils auch wegen Bewölkung.
Viele Grüße
Erich

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AndreP
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Re: Polarlicht: Farbensehen

Beitrag von AndreP » 12. Okt 2013, 20:11

Für meinen Teil kann ich folgende Erfahrung dazusteuern:
Die "einfachen" Polarlichtbögen, die über Nord-Skandinavien fast dauerhaft zu sehen ist, wenn es dunkel ist, werden vom menschlichen Auge hellgrau bis leichtgrün gesehen. Je besser die Dunkeladaption desto farbiger waren die Bänder wahrzunehmen.

Um die schönen grünen Bänder so prächtig auf ein Foto zu bannen sind auch dort Belichtungszeiten von mehr als 5s bei ISO 800 und f/2.8 notwendig!
Das teilweise rot/violette Polarlicht was bei leichten Schwankungen dann hinzukommt ist farbig kaum vom grünen zu unterscheiden (mit dem Auge!).

Doch wenn sich bei etwas mehr Aktivität ein Substurm entlädt kannst Du mir glauben, dass die Farben Grün, Weiß, Rosa/Violett deutlich mit dem Auge wahrzunehmen sind.
Hierbei sinken die notwendigen Belichtungszeiten bei ISO800 auf 1s! bei 2-4s ist das PL schon überbelichtet!
Hierbei müssen wesentlich mehr Photonen aktiv sein, weshalb das Auge dann auch "Farbsehen" kann. Dazu kommt eine viel größere Dynamik: Die Lichter tanzen förmlich!

Leider sind diese Polarlichter auch in den Nord-Skandinavischen Gebieten an Störungen im Sonnenwind gebunden.
O.g. farbige Polarlichter hatte ich bei einem Kp von 4 gesehen! Dabei hat das lokale Magnetometer (Jokkmokk, Schweden) um über 120nT gezuckt!
Diese Ereignisse finden dort auch nicht jeden Tag statt. Die Wahrscheinlichkeit so etwas auf einer Hurtigruten Fahrt bei auch noch klarem Himmel zu erleben ist leider nicht sehr hoch.
Es gehört einfach Glück dazu!
Und wenn man einmal ein PL mit den Augen farbig über sich tanzen gesehen hat, wird man diesen Moment nie wieder vergessen! :D

Viele Grüße,

Andre´

Matthias Schmidt
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Re: Polarlicht: Farbensehen

Beitrag von Matthias Schmidt » 15. Okt 2013, 18:20

Im Durchschnitt sehen Frauen die Farben besser als Männer und jüngere Menschen besser als ältere. Die Kamera sieht es jedoch besser. Aus eigener Erfahrung kann ich berichten, dass ich (um die 50 Jahre alt) 2012 mit meiner Familie zum Polarlichtschauen und Fotografieren in Nordskandinavien war und meine Frau und meine Töchter die Farben wesentlich besser gesehen haben. Ich habe oft nur sw gesehen, aber es gab auch Zeiten, in denen für mich die Farben sichtbar waren. Beim Polarlichtfotoworkshop 2013 hatten wird fast jeden Abend sichtbare Aurora (konkret 10 Tage hintereinander) und ich konnte definitiv das grün häufig und auch mal rot (das gab es aber auch kaum) erkennen, aber zu den Bildern war es kein vergleich. Das PL war aber auch nicht so stark wie 2012, ich habe im Schnitt eine ISO-Stufe mehr für die Belichtung gebraucht.

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