Schneedeckenlichtsäule in Westsibirien (März 2008)

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Richard Löwenherz
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Schneedeckenlichtsäule in Westsibirien (März 2008)

Beitrag von Richard Löwenherz » 6. Jun 2008, 17:48

Im März habe ich bei einer Tour durch das winterliche Westsibirien eine interessante Beobachtung gemacht: eine Lichtsäule in abgelagerten Eiskristallen auf der Schneedecke (siehe Bild, das hoffentlich an dieser Stelle erscheint...)

Bild

Ich habe zwar schon öfters lichtsäulenartige Lichtreflexe auf der Schneedecke beobachtet, vor allem in Zusammenhang mit dem 22°-Ring auf Schnee, doch so kräftig und konzentriert, wie an diesem 21. März, habe ich die Erscheinung noch nie gesehen. Die Lichtsäule war auch nur auf dieser einen Fläche so stark ausgeprägt.

Gibt es jemanden, der schon ähnliche Beobachtungen gemacht hat? Und was könnte die Ursache für die Entstehung sein, vor allem für das lokale Auftreten? Meine Vermutung war anfangs, dass der Wind die Schneekristalle ausgerichtet hat, aber warum dann nicht überall?

Zur Wettersituation sei noch zu nennen, dass in der vorangegangenen Nacht ein Schneefallgebiet das Land überquert hat, auf dessen Rückseite es trotz geringer Bewölkung (Sc) und Sonnenschein weiterhin leichten Schneefall gab, der permanent Lichtsäulen und manchmal schwache Nebensonnen entstehen ließ. In der Nacht setzte sich das Schauspiel fort mit Lichtsäulen am aufgehenden Vollmond und an Scheinwerfern von sich direkt nähernden Autos und Schneemobilen. Das alles bei -16 bis -20°C.

Ich hoffe, ich verderbe hier keinem die Sommerlaune, in Vorkuta liegen immerhin noch 45 cm Schnee :wink:

Richard

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Bertram Radelow
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Beitrag von Bertram Radelow » 8. Jun 2008, 18:11

hi Richard,

feiner Schneefall passt zu wenig stark verästelten Schneekristallen, etwa zu solchen wie dem dritten Bild auf http://legkoroptika.uw.hu/jelenseg/tores/halo/halo.html

Ich bin seit diesem Winter der ziemlich felsenfesten Überzeugung, dass Lichtsäulen durch flache Treppchen auf völlig waagerecht schwebenden - oder neu bei Dir: liegenden - Eiskristallen entstehen, ganz ohne das übliche "Getilte".

Allerdings stehe ich damit in völligem Gegensatz zur offiziellen Halo-Nomenklatura, die sich zu diesem Thema aber eher bedeckt gibt und meist den Kollegen zitiert, der auch gesagt hat, dass.. :roll:

Nur völlig waagerechte Kristalle mit reflektierenden flachen Hängen (oder Strukturen wie Treppchen oder anderes, die in Summe so wirken wie solche) können eine schräge vertikale Spiegelung unabhängig von der Himmelsrichtung bewirken.

Ich nehme an, dass eher windstilles Wetter herrschte und das die neuen Kristalle auf eine vorher schon ziemlich ebene glasige Oberfläche gefallen sind. Feuchtigkeit und Temperaturen werden wohl auch so gewesen sein, dass kaum Reifkristalle gewachsen sind. Aber da bin ich nicht so der Spezialist :wink: - ich tippe mal auf nur knapp unter Null unter eher trockene Luft. Dazu passt eine langsam aufgleitende zarte Warmfront mit Sc, die dann ein wenig zarten "Schneefall" bewirkt hat?

Trotzdem hübsch!

Bertram

edit:
Dein Foto bestärkt mich in meiner Meinung zur Entstehung von Lichtsäulen - denn auf der Schneedecke möchte ich mal die Eiskristalle tanzen sehen...

edit 2: Wer lesen kann... Mit den Temperaturen lag ich wohl etwas daneben, aber das Gebiet ist ja auch nicht mein rechaud wie der Schweizer sagt. Ich dachte nur, dass Bedingungen geherrscht haben müssen, die ein Reifkristallwachstum verhindern.
Aber die Schneedeckenhalos bei uns waren auch bei SEHR kalten Temperaturen entstanden (-20°)

Bertram

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Richard Löwenherz
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Beitrag von Richard Löwenherz » 8. Jun 2008, 23:39

Hallo Bertram,

interessante Theorie... Wie so oft hab ich mir leider nicht die Mühe gemacht, die Kristalle mal genauer zu betrachten :roll: Die von Dir beschriebenen Bedingungen waren jedenfalls erfüllt, denn es war relativ windstill und so trocken, dass sich absolut kein Reif bilden konnte. Dennoch wundert es mich, dass diese Lichtsäule nicht überall zu sehen war, denn geschneit hat es ja ständig und überall.

Was das "Getilte" der fallenden Schneekristalle angeht, hab ich mich auch schon gefragt, wieso dann neben der vertikalen nicht auch seitlich schräge Reflexion auftritt bzw. die Lichtsäulen auch mit zunehmender Entfernung zur Lichtquelle gleich schmal bleiben und nicht breiter werden. Vielleicht trifft das ja nur auf bestimmte Eiskristallarten zu (hexagonale Säulchen?). Fallende Schneesterne, die das Licht mit ihren Grundflächen spiegeln, sollten jedoch in der Waagerechten bleiben, damit es nicht zu einer Verbreiterung der Säule kommt. So wird es sicherlich auch bei den Lichtsäulen an Sonne, Mond und Autoscheinwerfern gewesen sein, denn die waren allesamt schmal und durch fallende Schneesterne hervorgerufen (die Auto-Lichtsäulen definitiv!). Eine kleine Bilderreihe zu den anderen Beobachtungen gibt es hier.

Ansonsten: Was sind eigentlich "Treppchen"? Sind das solche plättchenartigen Schneekristalle wie auf dem Bild der ungarischen Webseite? Oder ist damit eine kombinierte Kristallform gemeint? Den Begriff höre ich zum ersten mal...

Richard

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Bertram Radelow
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Beitrag von Bertram Radelow » 9. Jun 2008, 07:50

hi Richard,

folge diesem Link:

http://www.meteoros.de/php/viewtopic.ph ... highlight=

"Treppchen" ist meine Bezeichnung für die Struktur der Kristalloberflächen, wie z.B. hier:

Bild
(Quelle und (c): o.g. Schwerdtfeger-Bibliothek)

Es wird immer so getan, als ob es "Eiskristalle" ODER Schneeflocken gäbe. Andererseits sind Lichtsäulen-Bedingungen als schlechte Halo-Bedingungen bekannt - die Lichtsäulen hervorrufenden Kristalle müssen also nicht sehr schön hexagonal ausgeformt sein. Ein Blick in die o.g. Bibliothek zeigt, dass es ewig viele "Schneekristalle" gibt, die ganz anders aussehen als wir meistens so glauben.

Alles aber nur meine persönlichen Ansichten

Bertram

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