2012-01-12 Davos: kleiner Eisnebelhalo

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Bertram Radelow
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2012-01-12 Davos: kleiner Eisnebelhalo

Beitrag von Bertram Radelow » 12. Jan 2012, 11:46

Ein langer Wunsch hat sich erfüllt: endlich mal ein künstliches Halophänomen ohne den Der-Du-weisst-schon-Bogen (der war jetzt speziell für Claudia :D )...

Was ist da los?
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Das wird die Glatteisdecke für die Schleuderkurse, die Audi während des bevorstehenden WEFs (World Economic Forum) geeigneten potentiellen Kunden anbietet, also vor allem afrikanischen Potentaten... kein Scheiss!
Ein kleinerer Traktor sprüht in ca. -8° kalter Luft Wasser (aus dem See) auf das Eis.

Und das gibt natürlich Wachstum - Kristallwachstum: Beachte das vordergründige Geglitzer im oberen Bild: feinster Diamond Dust.

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22°-Kreissegmente "da hinten" und OBB in mittlerer Entfernung.
Der OBB war mit eigenem Auge wesentlich besser zu sehen - mit der Handycam ist leider keine "Langzeitbelichtung" möglich.

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Untersonnen ganz nah

Und ich versichere, es war nicht einmal ein Hauch des Der-nicht-genannt-werden-darf-Bogens zu sehen! Was war sonst noch so:

Ich hatte etwa 20 Minuten Zeit, mir Gedanken über die Räumlichkeit der Halos zu machen. Das ist sehr schwer zu sehen und noch schwerer zu verstehen. Man denke immer an bunte Buchstaben vor schwarzem Grund im Kino, die unterschiedlich weit weg zu schweben scheinen.

- die Untersonne war funkelnd ganz nahe, zum Anfassen. Beim Einsteigen ins Auto hatte ich das erste Mal einen Halo IM Auto, so oberhalb meines Schosses funkelten die hereingewehten Kristalle noch eine Weile. Ich nehme an, das Spiegelhalos generell dort gesehen werden wo sie auftreten. Die Untersonne aber nicht als scharfer Fleck sondern als gleichmässig sich in alle drei Richtungen ausdehnende aber begrenzte Punktewolke

- die untere Lichtsäule zog sich von der Untersonne ausgehend nah bei mir nach vorne zur Sonne immer weiter weg. Es war nicht zwingend räumlich, aber doch gut zu erkennen, dass die sonnennäheren Teile der LS immer weiter weg entstanden. Und da dämmerte es mir: Ich habe eine breite untere Bahn der Minnaert-Zigarre gesehen! Auf einer Zeichnung kann man sich sehr wohl verdeutlichen, dass die kippelnden Kristalle etwa auf der Oberfläche der Zigarre liegen (vielleicht ist es nicht genau die Minnaert-Zigarre, die eigentlich nur an Lampenhalos existiert, aber dann wenigstens ein ähnlicher "Körper")

- Die 22°-Kreis-Segmente links und rechts waren am weitesten entfernt, geschätzte mehrere hundert Meter. Zu keiner Zeit hatte ich den Eindruck, dass sie vielleicht auch nur vorübergehend näher waren - sie blieben weit weg und waren fein gezeichnet. Der rote Saum schien am weitesten entfernt, und die sich nach aussen anschliessende weisse Zone schien sich zu mir her nach aussen zu öffnen. Wenn man eine Uhr "unter" den Nebensonnen auf den Boden legt, 6°°-12°° als Pfeil zur Sonne, dann wäre der Öffnungswinkel etwa 7:30 (links) bzw. 4:30 (rechts)

- Der ZZB war als feines Punktewölkchen immer wieder einigermassen gut ausgeprägt und teilweise dicht genug, dass sich ein räumliches Empfinden einstellte. Zunächst die Entfernung - er war ziemlich konstant ca. 30m über mir zu sehen. Ähnlich wie bei den 22°-Segmenten ist es mir völlig unerklärlich, dass dieser Entfernungseindruck nicht ein bisschen schwankte, obwohl Kristalldichte und -formen rapide wechselten.
Auch hier schien der rote Saum am weitesten entfernt. Das restliche Band - wegen seiner Zartheit sah man kaum Blau - war wie ein Vorhangtuch nach unten hinten (hinten bezogen auf meinen Standpunkt) gespannt, etwa im 70°-Winkel

- Der OBB sah praktisch identisch aus, nur der Winkel war flacher: so dass das "weisse Tuch" ebenfalls über meinen Kopf nach hinter mir zielte. Entfernung etc. praktisch gleich.

Beide, OBB- und ZZB-"Tücher" sahen irgendwie nicht flach, sondern gekrümmt aus. Ich meine sozusagen den senkrechten Schnitt durch das "Tuch". Er ähnelte einem Flugzeugprofil (Oberseite) - beim roten Saum war die Krümmung ausgeprägt und gut sichtbar, weiter unten hinten wurde es schnell flacher. Zeitweilig konnte man fast glauben, dass der rote Saum hinter dem "ausgebeulten" Tuch verschwindet.
Diese Aussagen zur Krümmung waren nur ein zarter Eindruck, keine "gesicherte" Beobachtung.

Die Räumlichkeit der Diamond-Dust-Halos ist eh eine extrem schwierige Sache, kein näherer Glitzerpunkt wird ja jemals von beiden Augen gleichzeitig gesehen.

Es wäre möglich, dass das Gehirn die "Entfernung" umgekehrt mit der Grösse korreliert: je feinkörniger, desto weiter weg. Für die grossen Entfernungsunterschiede heute hat das sicher beigetragen, aber ob das auch die Krümmung der Brechungsbögen"tücher" erklären kann?

Vielleicht haben sich auch wirklich in unterschiedlichen Höhen unterschiedliche Kristallformen befunden? Jedenfalls war im Bereich bis wenigstens 30m vor mir nicht ein einziges Glitzerpünktchen im Bereich der 22°-Kreise zu sehen, allerdings gehört der ZZB ja zu den Nebensonnen, und der war deutlich in dieser Entfernung zu verorten, als feiner Kristallschwarm.

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Claudia Hinz
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Beitrag von Claudia Hinz » 12. Jan 2012, 13:36

Glückwunsch zu dieser ersten Jahressichtung! Wir waren heute auch erfolgreich und hatten ein kleines EN-Halöchen auf'm Sudelfeld. Leider auch ohne den Bogen, der nicht genannt werden darf ... :wink: Und auch sonst nur eher was zum Warmfotografieren. Bilder folgen noch ...

Unsere Wette hat also keiner verloren und jeder muß sich sein Bier zum nächsten Halotreffen selbst mitbringen (oder wir geben jeder 'nen Kasten aus?).

LG vom Hexlein
Zuletzt geändert von Claudia Hinz am 12. Jan 2012, 15:33, insgesamt 1-mal geändert.

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Beitrag von Sven Aulenberg » 12. Jan 2012, 15:23

Moin Bertram,
Gratulation zur Sichtung und danke für die ausführliche Beschreibung. Wenn es bei uns mal richtg kalt werden sollte, werde ich selbst mal feinste Tröpfchen versprühen, in der Hoffnung entsprechendes zu sehen.
Zu deinen visuellen Eindrücken kann ich sagen, dass das Hirn uns durchaus einen Streich spielen kann. Ich erinnere mich da an eine Demonstration aus meiner Bundeswehrzeit. Es wurden in der Dunkelheit drei Leuchten aufgestellt, eine rote, eine grüne und eine weiße Leuchte. Dann sollten wir die Entfernungen schätzen (welche ist die nächste/entfernteste). Du kannst dir schon denken was nun kommt. Die Leuchten hatten alle die gleiche Entfernung. Ich bin mir nicht mehr sicher aber ich glaube die rote Leuchte "schien" am weitesten entfernt zu sein und die grüne am nächsten.
Bei der Schätzung der Entfernung könnte auch die Helligkeit eine Rolle spielen.
Vielleicht hilft es dir ja weiter bei der räumlichen Einordnung der Halos.

Viele Grüße aus dem +8° warmen Ockfen
Sven

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Beitrag von Michael Großmann » 12. Jan 2012, 15:52

Hi Bertram,

geniale Bilder und eine mindest genauso gute Beschreibung. Ihr (Claudi und Du) fangt gerade ein richtiges "Battle" an. Na das kann ja lustig werden die nächste Zeit.....ich freu mich auf Eure Bilder !

Gruß,
Micha

@Sven: ich kann mich ebenso an diesen Test beim Bund erinnern. Tatsächlich spielt uns unser Hirn einen großen Streich!

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Beitrag von Claudia Hinz » 12. Jan 2012, 16:33

Nochmal ich:
wir hatten das 3D-Thema schonmal diskutiert, schau mal hier:
http://www.meteoros.de/php/viewtopic.php?t=4806

@Micha: Morgen muß ich erstmal wieder arbeiten gehen, da hat Bertram einen Battle-Vorteil, weil die obligatorische Untersonne, die ich oben oft sehe, nicht gilt ...

LG Claudia

Alexander Haußmann
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Beitrag von Alexander Haußmann » 12. Jan 2012, 23:23

Hallo Leute,

Halos in künstlichen Kristallen, das ist eine Idee, die mir bei der Rückfahrt vom Halotreffen auch kam... bei uns natürlich alles nur graue Theorie... Am Wochenende mehr dazu!

Meine Meinung zur räumlichen Wahrnehmung ist derzeit: Die Haloflächen (also Kegel usw.) erscheinen so weit weg wie die Sonne, stehen also bei unendlich. Ein einzelner Kristall kann aber durchaus Licht in beide Augen schicken - natürlich nicht, wenn er 5 cm vorm Gesicht vorbeifällt, aber bei 1-2 m Entfernung sieht das schon anders aus. Dann wird der Kristall auch dort "verortet", wo er sich befindet, also deutlich näher als im Unendlichen.

Die Folge wäre also, dass "körnige" Halos näher erscheinen sollten als "kontinuierliche" bzw. "verwaschene". Über den Unterschied Brechung/Spiegelung ist da noch nichts gesagt. Die Halofläche für die Lichtsäule wär übrigens ein vertikales Dreieck mit einer Ecke im Auge des Beobachters.

Das mit den Leuchten ist bemerkenswert - den Effekt kannte ich noch nicht. Es könnte was damit zu tun haben, dass das Auge im Grünen am empfindlichsten ist. Interessant wäre nun die Frage, ob die Lampen mit gleicher Leistung (Watt) liefen, oder auf gleiche Lumen (physiologische Helligkeit) gebracht worden.

Auf alle Fälle bleibts spannend. Solltet Ihr, Bertram oder Claudia, mal über eine technische Neuanschaffung nachdenken, fasst mal bitte eine Stereokamera ins Auge. Am besten mit Filmfunktion. Vielleicht gibts das auch schon in ein paar Jahren standardmäßig an jedem Mobiltelefon...

Viele Grüße,
Alex

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Beitrag von Heiko Ulbricht » 13. Jan 2012, 01:53

Hallo Bertram,

tolle Sichtungen! Nun soll auch in Sachsen zum ersten Mal in diesem Winter (der bis jetzt Frühling war, Schneeglöckchen und Krokusse blühen stellenweise hier), Schnee kommen. Mal sehen was wird...

Grüße,
Heiko

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Bertram Radelow
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Beitrag von Bertram Radelow » 13. Jan 2012, 07:40

Alexander Haußmann hat geschrieben: Die Halofläche für die Lichtsäule wär übrigens ein vertikales Dreieck mit einer Ecke im Auge des Beobachters.
Da muss ich mal drüber meditieren :wink:
Alexander Haußmann hat geschrieben: Das mit den Leuchten ist bemerkenswert - den Effekt kannte ich noch nicht. Es könnte was damit zu tun haben, dass das Auge im Grünen am empfindlichsten ist. Interessant wäre nun die Frage, ob die Lampen mit gleicher Leistung (Watt) liefen, oder auf gleiche Lumen (physiologische Helligkeit) gebracht worden.
Nöö - das Auge ist nicht farbkorrigiert und hat unterschiedliche Brennweiten für die verschiedenen Farben.

Bertram

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Bertram Radelow
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Beitrag von Bertram Radelow » 13. Jan 2012, 08:54

Bertram Radelow hat geschrieben:
Alexander Haußmann hat geschrieben: Die Halofläche für die Lichtsäule wär übrigens ein vertikales Dreieck mit einer Ecke im Auge des Beobachters.
Da muss ich mal drüber meditieren :wink:
Ah, Du meinst Lampen-Lichtsäulen! Naja, bei völlig waagerecht schwebenden Plättchen (hatte ich schon mal, siehe meine Homepage) wäre es wohl eine senkrechte Linie, genau in der Mitte zwischen Auge und Lampe (in gleicher Höhe). Bei erhöhter Lampe eine von ihr nach vorne weggehende Linie, die sich asymptotisch nach oben an die Senkrechte zwischen Auge und Lampe anschmiegt und im Zenith endet. Interessant, wenn man sich das vorstellt und dabei die Lampe von der erhöhten Position auf Augenhöhe und darunter absenkt - schöner Durchgang!

Bei getilteten/schrägen Plättchen sieht das wieder ganz anders aus. LS an der Sonne ist ohne das ja gar nicht möglich.

Bertram

Alexander Haußmann
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Beitrag von Alexander Haußmann » 14. Jan 2012, 10:25

Hallo Bertram,

ich meine schon Sonnen-Lichtsäulen. Die Halo"fläche" für die Untersonne (idealisiert als Punkt) ist eine Linie ausgehend vom Auge mit einem Neigungswinkel, der der negativen Sonnenhöhe entspricht. Dort müssen sich horizontale Spiegelflächen befinden, um Sonnenlicht zum Beobachter zu senden. Bei einer Lichtsäule durch Tilts oder auch schlecht ausgebildete Deckflächen geht dann eine Art vertikaler Fächer um die Untersonnenlinie auf, der die Halofläche für die Lichtsäule darstellt.

Wie Du schon schreibst, an der Lampe reichen streng horizontale Flächen für Lichtsäulen zu, die dann aber besser Über/Unterlampen heißen sollten.

Wegen der farbigen Leuchten meinst Du, dass der Effekt durch den "Farbfehler" des Auges verursacht wird? Schon möglich, aber bei Halos im Sonnenlicht ist die Pupille schon ziemlich weit geschlossen, so dass die Auswirkung geringer ist als bei farbigen Lampen im Dunklen.

Viele Grüße,
Alex

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