Verdächtige für Schneedeckenhalos ?

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Sven Aulenberg
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Verdächtige für Schneedeckenhalos ?

Beitrag von Sven Aulenberg » 9. Feb 2012, 23:24

Moin, moin,
In den letzen Tagen war ich ein wenig auf der Suche nach Schneedeckenhalos. Aufgrund der dünnen Schneedecke war dies Unterfangen wohl schon von vornherein zum Scheitern verurteilt. Es war kaum eine ebene Fläche zu finden und es gab kaum vernünftige Kristalle. Außerdem hat der steife Ostwind vermutlich alles halotaugliche Material weggeblasen. Also versuchte ich in geschützten Westhanglagen fündig zu werden. Zudem wollte ich der Frage nachgehen, ob nicht auch Reifkristalle auf dem Schnee halotauglich sind, denn ich erinnerte mich, dass diese gerne in eine Richtung wachsen. Warum dass so ist weiß ich nicht.
Ich konnte zwei Stellen mit Reifkristallen finden. Bei meinem ersten Besuch am 01.02.2012 hatten sie bereits eine beachtliche Größe. Eine Lichtung im Wald besuchte ich vor zwei Tagen ein weiteres mal und konnte Reifkristalle von >2cm Durchmesser betrachten. Die Bilder sehen teilweise unterbelichtet aus, was daran liegt, dass ich die Kontraste stark erhöhen musste, damit die Strukturen auch gut ersichtlich sind. Wenn alles weiß ist, dann wird es für die Kamera schwierig und es hilft nur EBV.
Die Bilder werden durch anklicken größer und durch mehrfachklicken werden sie teilweise so groß, dass sie nicht mehr auf den Schirm passen :lol: (Gibt es eigentlich noch Modemuser hier im Forum ?)

Hier sieht man schon den gereiften Pelz, es hat etwas kuscheliges an sich:
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Hier noch mal von oben. Es ist durchaus eine Hauptausrichtung erkennbar, jedoch scheint die Ausrichtung auch der Topografie zu folgen:
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Sobald es etwas eben wird, schauen alle in eine Richtung:
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Hier ein Bild von einer Waldlichtung. Jede Menge Eistannenbäume:
Bild

Von diesen habe ich dann auch einige Makros geschossen, um ihre Struktur besser untersuchen zu können. Ich vermute mal, dass jedes Segment einen Tag-Nacht-Rhythmus darstellt, so zu sagen "Tagesringe":
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Hier die gleiche Stelle vor zwei Tagen. Das Wachstum ist deutlich sichtbar, auch ohne Makro:
Bild

Hier nochmal in ganz nah:
Bild

Hier mal ein 3 cm Reiffächer:
Bild

Als ich dann das Gefühl hatte, selbst am Boden festzufrieren, entschied ich mich, Reinhards Methode anzuwenden und brachte einige Kristalle auf eine CD auf. Hier sind die feinen Abstufungen besonders gut zu sehen:
Bild

Interessant war auch, dass diese Reifkristalle nur auf der Lichtung zu finden waren. Im lichten Buchenwald drumherum, konnte ich nicht ansatzweise welche finden. Dort lag genauso viel bzw. wenig Schnee, wie auf der Lichtung. Mit einem Infrarotthermometer habe ich dann mal die Oberflächentemperaturen gemessen. Auf der Lichtung hatte der Boden durchgehend 10,5° C. Wenige Meter entfernt im Wald lag die Bodentemperatur (auch schnebedeckt) zwischen 6° und 8° C. Ich vermute, dass hier biologische Prozesse im Waldboden, ähnlich wie im Komposthaufen, für Wärme sorgen. (Wer aus dem Forum kann ein Thermografiebild von so einer Situation machen? Da war doch jemand)

Nun sind das schon recht extreme Reifkristalle, welche ab einer bestimmten Größe auch nicht mehr aufrecht stehen. Dennoch frage ich mich, ob ihre kleineren Verwandten auch Halos hervorbringen können.
Haben die hexagonalen Eisplätchen in der Luft auch solche Abstufungen und wie wirken die sich auf ihre Halofähigkeiten aus?

Genug der Fragen und der pretty Pictures 8)
Ab Sonntag soll es ja Schnee geben, vielleicht werde ich dann fündig.

Viele kristalline Grüße
Sven

Alexander Haußmann
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Beitrag von Alexander Haußmann » 14. Feb 2012, 20:41

Hallo Sven,

na das sind ja schon ziemlich beachtliche Kristalle auf dieser Waldlichtung. Fällt das denn noch unter Reif oder ist das schon Rauhreif? Ich hab die Wetterdienst-Definitionen grad nicht zur Hand, aber Reif ist glaube ich eher auf den Boden beschränkt. Rauhreif hat jedenfalls die typische Vorzugsrichtung mit dem Wachstum gegen den Wind.

Auf alle Fälle gibt es Reifkristallhalos, zumindest den 22°-Ring an der Sonne und in divergentem Licht. Allerdings waren das bei meinen Beobachtungen immer nur mäßig bereifte Wiesen. Und da es stets ein 22°-Ring war, mußten zumindest die 60°-Brechungskanten zufällig verteilt sein. Wäre interessant zu sehen, was Deine großen Kristalle für Halos machen könnten, aber dafür ist die Form wohl schon zu kompliziert.

Viele Grüße,
Alex

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Sven Aulenberg
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Beitrag von Sven Aulenberg » 14. Feb 2012, 22:57

Hallo,
schön dass sich doch jemand erbarmt und meine Faden aufnimmt :lol:
Also eine Unterscheidung zwischen Reif und Rauhreif kenne ich nicht. Diese Kristalle sind über Wochen gewachsen. Bei dieser Größe scheint sich die Schwerkraft allmählich bemerkbar zu machen, denn sie stehen nicht mehr ,sondern legen sich mehr und mehr. Bei meinem ersten Besuch "standen" sie noch, jedoch konnte ich keine Haloaktivität erkennen. In dieser Waldlichtung wäre ein 22° Halo auch kaum möglich, wegen der hohen Bäume. Die offene Wiese konnte ich nicht mehr besuchen.
Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass es sich lohnt, haloaktive Kristalle näher zu betrachten. Ich könnte mir gut vorstellen, dass sich neue interessante Fragen ergeben. Wir alle kennen, mehr oder weniger, die Theorie über die Entstehung der Halos, welche ich auch nicht in Frage stellen möchte. Aber hat schon mal jemand die Theorie mit der Wirklichkeit abgeglichen? Das ist wohl nur mit Schneedeckenhalos möglich (evtl. noch Eisnebel). Nun kann nicht jeder bei einem Schneedeckenhalo 20 Proben nehmen und diese unter dem Mikroskop untersuchen. Vielleicht kann ich auf diesem Wege ein wenig dafür werben, dass sich Interessierte neben der Kamera auch eine Lupe einpacken, um bei einem Schneedeckenhalo auch über die Kristalle berichten. Ob es was bringt weiß ich selbst nicht, was meint ihr? Mein Motto: wer nicht sucht der auch nichts findet!
Mir fehlt diesbezüglich etwas aber in meiner Region komme ich diesbezüglich, wenn überhaupt, nur sehr langsam weiter. Gibt es noch mehr zu entdecken, oder gibt man sich mit dem, was man kennt zufrieden?

Der Winter scheint hier vorbei zu sein

Viele Grüße aus dem Schneematsch
Der Unbedarfte :D

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Reinhard Nitze
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Beitrag von Reinhard Nitze » 15. Feb 2012, 04:46

Hallo Sven!

Erstmal Entschuldigung, dass ich noch nicht geantwortet habe.
Deine Bilder sind wunderschön. Ich finde auch, das (Rau-)Reifkristalle einfach unterschätzt werden.

Wie Alexander schon geschrieben hat, braucht es im Grunde keine ganz perfekten Kristalle. Es müssen an einem Kristall lediglich die Ein- und Austrittsflächen im entsprechenden Winkel zueinander stehen und der Lichtstrahl darf auf dem Weg durch den Kristall nicht durch irgendwelche Einschlüsse abgelenkt werden. Wenn ich Aufnahmen von haloaktiven Schneekristallen mache wundere ich mich oft, was da so alles farbig aufleuchtet. Das meiste davon aber lässt sich gar nicht einer Haloart zuordnen. Man kann nur raten, da es kaum möglich ist, den wahren Lichtweg im Kristall durch die Kamera zurückzuverfolgen.

Zu dieser Art Kristallen:
Ich habe bei mir auf älteren Aufnahmen durchaus farbige Brechungserscheinungen in solchen Kristallen entdeckt. Die Bilder sind aber nicht besonders. Bessere kannst Du bei Eva Seidenfaden auf ihrer Homepage finden.

Viele Grüße, Reinhard!

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Sven Aulenberg
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Beitrag von Sven Aulenberg » 15. Feb 2012, 21:22

Hallo Reinhard,
danke für deinen Kommentar aber du musst dich ganz bestimmt nicht entschuldigen! Die Bilder auf paraselene. de sind wirklich herrlich. Beim nächsten mal werde ich auch mal einen solchen Kristall im Sonnenlicht drehen. Für den nächsten Winter muss ich mir unbedingt eine Apparatur für mein Stativ bauen, ähnlich wie bei einem Mikroskop, damit ich schneller/einfacher zu eine Ergebnis komme.
Dieser Winter scheint ja vorbei zu sein aber vielleicht läßt sich in der heimischen Kühltruhe was züchten :roll:

Viele Grüße
Sven

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