Sonne: Zwei Stunden nah am 105 !

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Peter Wloch

Sonne: Zwei Stunden nah am 105 !

Beitrag von Peter Wloch » 12. Sep 2002, 14:17

Sonnenbeobachtung von 13.30-15.15 heute nachmittag

mit dem 8"/1200mm, Astrofolie
32mm, meist 9mm

Beobachtet: Sonnenfleck 105, auch zeitweise 108
Solange habe ich noch nie einen Sonnenfleck angeschaut.
Es war auch das erste Mal.
Zu meiner totalen Verblueffung konnte ich binnen 10 Minuten
Veraenderungen feststellen.
Mit 133 fach beobachtete ich besonders aufmerksam zuerst die
Faltenzone des Flecks und versuchte, wie beim Zeichnen, mir
die Groesse und Lage und Figur der einzelnen Formationen einzupraegen.
nach zehn Minuten konnte ich zu meiner Verblueffung feststellen,
das da an der rechten Faltenzone vom 105 sich zu dem Ersten noch zwei weitere
schwarze Punkte, also Loecher, gebildet hatten.
Das war ja sowas von unvermutet !
Unvermittelt war meine Begeisterung entfacht. Da konnte man ja beim
Wandel der Dinge richtig sehend zuschauen.Von diesem sichtbaren Effekt
hatte ich niemals gehoert oder gelesen...
So beobachtete ich weiter und konnte verfolgen, wie die drei schwarzen Punkte
innert einer Stunde zu fuenf, dann sechs Punkten wurden.
Auf der anderen, linken Seite des Flecks war eine kleine vorspringende runde Landzunge,
von der ein Bootssteg uber den Fleck fuehrte, im ersten Drittel des Flecks.
Dort bildete sich in diesen zwei Stunden ein Einschnitt, der ueber die ganze Faltenzone
sich nach aussen zog. Im selben Zeitraum war auf der rechten Seite aus den
sechs Loechern ebenfalls ein Riss geworden der aber ins Innere schnitt.
Auch 108 hatte mehrere Bruecken. Ich taufte ihn KleinVenedig ;-)
Ich kam auf die Idee, meine rote Discobrille zu holen. Damit sah ich noch differenzierter.
So konnte ich wiederum zu meiner Verbueffung staunend, aber deutlich sehen,
wie das Plasma in transparenten Stroemen dort heraus/herein kam...
Mein Auge muss sich wohl in gewisser Zeit angepasst haben.
Jedenfalls, als ich einmal um das ganze Sonneninnere suchend kreiste, konnte
ich auch noch Flares entdecken, die meisten am linken Guertelrand;
eine ganze Menge in ihrer typisch zuengelnden Form.
Allerdings ohne das mir hier Bewegung aufgefallen waere.
Besser als jeder Film. ( Jan, this would be some fascination job for you !)
Fazit:
Im Leben gibt es immer wieder das allererste Mal.
Dieses wird mir unvergesslich bleiben.
Die Sonne hat mich voll und ganz.
WAS FUER EIN TAG!
Und das alles ausgeloest vom ersten grossen roten Polarlicht im letzten Herbst.

Ich fuehl mich ganz "hinne und wech" ...

Wenn jemand aehnliche Beobachtungen hatte, wuerde ich mich ueber
ein kleines Posting freuen.

Gruss
Peter


Ulrich Rieth

Re: Sonne: Zwei Stunden nah am 105 !

Beitrag von Ulrich Rieth » 12. Sep 2002, 15:02

1.) schöner Bericht
2.) Du kannst mit Baaderfolie keine Flares sehen, außer es kommt ein X-class Event mit Weißlichtflare (gabs aber heute keinen).
3.) Es kann zwar sehr gut sein, dass in 10min kleine neue Spots in der Penumbra wachsen, aber hier glaube ich eher an Seeing-Effekte oder auch an eine stetig besser werdende Beobachtungsgabe.
Schau Dir z.B. mal für 30min oder länger den Hantelnebel M27 an. Du wirst mit jeder Sekunde neue Details erkennen. Und der verändert sich maximal über Jahre und Jahrzehnte, aber nicht über Minuten.
Noch besser ist eine ausgiebige Planetensession. An Jupiter wirst Du stundenlang Spaß haben und immer wieder Neues sehen.
Trotzdem ein toller Erfolg!
Ich empfehle Dir vielleicht noch einen Blick auf http://www.sonneonline.org/ und vor allem ins Buch http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3 ... 15-9398166 (das ich immer noch nicht selber habe).
Ach ja, wieso hat eigentlich zur Zeit jeder Urlaub? Oder wie kann man mittags die Sonne beobachten bzw. bis nachts um 3 draußen verbringen?
Gruß

Ulrich

Benjamin, Köln

105 von heute *PIC*

Beitrag von Benjamin, Köln » 12. Sep 2002, 15:21

Hallo Peter,

> Zu meiner totalen Verblueffung konnte ich binnen 10 Minuten
> Veraenderungen feststellen.

Wie Ulrich schon angesprochen hat - wahrscheinlich ein Seeing-Effekt. Zwar verändern sich Sonnenflecken relativ schnell, doch nicht innerhalb von Minuten. Vor allem Protuberanzen können in Minuten ihre Formen drastisch verändern.

> Mit 133 fach beobachtete ich besonders aufmerksam zuerst die
> Faltenzone des Flecks und versuchte, wie beim Zeichnen, mir
> die Groesse und Lage und Figur der einzelnen Formationen
> einzupraegen.

Tipp: Zwar kannst du mit deinen 8" locker mal auf 133fach hochgehen, doch wird dir das bei der Sonne meist wenig nützen, da das Seeing das nicht zulässt. Vergrößer lieber niedriger, dann hast du auch einen besseren Kontrast. Wenn wirklich "wirklich" gutes Seeing ist, kannst du höher Vergrößern...

> ich auch noch Flares entdecken, die meisten am linken
> Guertelrand;

Hat Ulrich ebenfalls schon erwähnt: Mit Sonnenfilter-Folie kannst du (leider!!) keine Flares oder Protuberanzen beobachten. Hierfür brauchst du eines der teuren h-alpha Filter... (Daystar, Conorado, Protuberanzenansatz..)

Hier noch noch 105 von heute, das wirklich üble Seeing hat mich fast kotzen lassen:



Irgendwie wollte Giotto auch nicht die Bilder addieren, deshalb nur ein schreckliches Einzelbild.
Etwas besser eine Aufnahme vom 08. Sept., als 105 gerade am Sonnenrand auftauchte (die hellen Flecken sind "Fackeln", keine "Flares"..):



Hoffentlich gibt's heute noch einen vernünftigen Mond..

Grüße,
Benjamin

Peter Wloch

Re: an Benjamin und Ulrich

Beitrag von Peter Wloch » 12. Sep 2002, 16:15

> Hallo Benjamin und Ulrich !

> Wie Ulrich schon angesprochen hat - wahrscheinlich ein
> Seeing-Effekt. Zwar verändern sich Sonnenflecken relativ
> schnell, doch nicht innerhalb von Minuten.

Ich habe alles genau beschrieben. Wuesste auch nicht, warum ich mir was aus den Fingern saugen sollte bei solchen Offenbarungen, die
ich erlebt habe.
Vielleicht solltest Du heute selbst mal wenigstens eine Stunde
den 105 anschauen. Noch ist Zeit. Oder morgen.

Das war kein Seeingeffekt.
Das Seeing war nicht gerade ruhig. Doch alle 20-30 Sekunden kam
eine ruhige Phase von vielleicht 5-8 Sekunden, die mir auch gereicht
haben, um exact nachzuschauen.
Erwaehnenswert ist vielleicht, das ich viele Jahre geuebter Zeichner
bin und dementsprechend "sehen" kann.

> Tipp: Zwar kannst du mit deinen 8" locker mal auf 133fach
> hochgehen, doch wird dir das bei der Sonne meist wenig nützen,
> da das Seeing das nicht zulässt. Vergrößer lieber niedriger,
> dann hast du auch einen besseren Kontrast. Wenn wirklich
> "wirklich" gutes Seeing ist, kannst du höher
> Vergrößern...

Nur mit 9mm/133 habe ich diese Feinheiten in der Penumbra beobachten koennen. Das 32mm/38 ist zwar extrem scharf, aber 105 ist darauf
einfach zu klein. Fuer die Punkte reicht diese Vergroesserung nicht.

> Hat Ulrich ebenfalls schon erwähnt: Mit Sonnenfilter-Folie
> kannst du (leider!!) keine Flares oder Protuberanzen beobachten.
> Hierfür brauchst du eines der teuren h-alpha Filter... (Daystar,
> Conorado, Protuberanzenansatz..)

Tja, meine lieben Kollegen ;-), ich schon. Keine Protuberanzen, nein.
Aber die gewundenen weissen Flares schon.
Und die Plasmastroeme aus dem 105 auch. Schoen durchsichtig wie feiner Rauch, deutlich warnehmbar, keine Einbildungen...
Wegen Euren beiden Postings habe ich eben Birkmaier in Augsburg angerufen, um ihn nochmal wegen der Folie zu befragen.
Er teilte mir mit, das dies eine Neuentwicklung ist, die keine zwei Jahre alt ist und nicht mit den bisherigen Folien zu vergleichen sei.

> Hier noch noch 105 von heute, das wirklich üble Seeing hat mich
> fast kotzen lassen:

Deine Aufnahme vom 105 ist sehr unscharf.(Relativ gesehen)
Ich konnte jedenfalls genau die einzelnen Penumbrafalten sehen.
Und damit natuerlich auch die Punkte, die zur Fluss sich vereinigten.
Auf Deinem Bild rechte Seite am 105.
Auch der Einschnitt rechts unterhalb der Insel ist zu sehen :-)
Meine beschriebene Landzunge und der Bootsteg ist auch auf Deinem Foto zu sehen.

> Irgendwie wollte Giotto auch nicht die Bilder addieren,
> deshalb nur ein schreckliches Einzelbild.
> Etwas besser eine Aufnahme vom 08. Sept., als 105 gerade am
> Sonnenrand auftauchte (die hellen Flecken sind
> "Fackeln", keine "Flares"..):

Aha,da haben wir«s.
Dann habe ich mich nicht richtig ausgedrueckt:
Also die weissen Fackeln (wie heissen die auf english?)
habe ich Flares genannt.

Hoffe, etwaige Missverstaendnisse aufgeklaert zu haben.

PS: Habe Dir zweimal Auroraalarm nach Schweden geschickt.
Hast Du die bekommen?

Gruesse
Peter

manfred

Re: Sonne: Zwei Stunden nah am 105 ! *PIC*

Beitrag von manfred » 12. Sep 2002, 16:37

Hallo Peter

Habe ihn heute nur durch den Kamerasucher gesehen,nah dran war ich aber auch.Die Aufnahme entstand ca. um 11.30 Uhr.
Bild ist kein Ausschnitt,eff.Brennweite ca. 57 m
Das Seeing war nur kurzzeitig brauchbar.
Daten:Nikon D 100 / 4 mm LV Okular/1620 mm Brennweite,140 mm Blende,Herschelkeil,Polfilter,1/4000 sek.

tschüs

manfred

Benjamin, Köln

Absolute Spitzenklasse, wie immer! *o.T.*

Beitrag von Benjamin, Köln » 12. Sep 2002, 17:21

Absolute Spitzenklasse, wie immer! *o.T.*

Benjamin, Köln

Re: an Benjamin und Ulrich

Beitrag von Benjamin, Köln » 12. Sep 2002, 17:47

Hallo Peter,

> Ich habe alles genau beschrieben. Wuesste auch nicht, warum ich
> mir was aus den Fingern saugen sollte bei solchen Offenbarungen,
> die
> ich erlebt habe.

Ich habe dir nichts unterstellt..

> Vielleicht solltest Du heute selbst mal wenigstens eine Stunde
> den 105 anschauen. Noch ist Zeit. Oder morgen.

Ist mir ehrlich gesagt zu langweilig

> Das war kein Seeingeffekt.
> Das Seeing war nicht gerade ruhig. Doch alle 20-30 Sekunden kam
> eine ruhige Phase von vielleicht 5-8 Sekunden, die mir auch
> gereicht
> haben, um exact nachzuschauen.
> Erwaehnenswert ist vielleicht, das ich viele Jahre geuebter
> Zeichner
> bin und dementsprechend "sehen" kann.

Du hast selbst geschrieben, dass du heute zum ersten Mal die Sonne beobachtet hast. Das Problem bei der Sonnenbeobachtung ist, dass das Seeing auf der Sonnenscheibe kaum bemerkbar ist - das Bild wirkt einfach unscharf.
Nun zu deinen beobachteten "Veränderungen". Anscheint konntest du nicht die sog. "Granulation" beobachten (deutlich als Körnung auf Manfreds Bild sichtbar). Eine Granule hat meist nur einen Durchmesser von ~ 1". Strukturen in der Penumbra sind meist nicht viel Größer. Hier ist eine Veränderung innerhalb von Minuten möglich (die meisten Granulen haben nur eine Lebenszeit von wenigen Minuten und werden sofort von Neuen ersetzt..).
Veränderungen im Fleck oder der Fleckengruppe visuell zu beobachten halte ich allerdings für nicht möglich.
Am besten du machst beim nächsten Mal alle 10-15 Minuten eine Detailzeichnung der Fleckengruppe. Dann siehst du, ob wirklich eine Veränderung in der Struktur eingetreten ist.

> Und die Plasmastroeme aus dem 105 auch. Schoen durchsichtig wie
> feiner Rauch, deutlich warnehmbar, keine Einbildungen...

Ich verstehe nicht ganz was du damit meinst..

> Wegen Euren beiden Postings habe ich eben Birkmaier in Augsburg
> angerufen, um ihn nochmal wegen der Folie zu befragen.
> Er teilte mir mit, das dies eine Neuentwicklung ist, die keine
> zwei Jahre alt ist und nicht mit den bisherigen Folien zu
> vergleichen sei.

Schon klar, aber Folie bleibt Folie - auch wenn sie von Baader oder Birki ist. Das beste Mittel zur Sonnenbeobachtung ist und bleibt Refraktor + Herschelkeil/prisma (Vergleich: Meine Aufnahme von heute mit 5" Mak.-Newton + Folie [im übrigen auch die Neuentwicklung!] und 1/800 Sek. und die von Manfred mit 4" Refraktor + Herschelkeil und 1/4000 Sek.). Hier sind man auch, dass es bei der Sonne keinen wesentlichen Unterschied macht, ob du mit 8" oder 6" Beobachtest.

> Deine Aufnahme vom 105 ist sehr unscharf.(Relativ gesehen)

Das ist der angesprochene Seeingeffekt (auch hier wieder, Vergleich der beiden Bilder 1/800 Sek. und 1/4000 Sek.)

> Aha,da haben wir«s.
> Dann habe ich mich nicht richtig ausgedrueckt:
> Also die weissen Fackeln (wie heissen die auf english?)
> habe ich Flares genannt.

Fackeln sind im Weißlicht nur am Sonnenrand sichtbar - hier ist der Kontrast zur Sonnenscheibe am Größten. Im H-Alpha Licht sind Fackeln überall auf der Sonnenscheibe zu sehen.

> PS: Habe Dir zweimal Auroraalarm nach Schweden geschickt.
> Hast Du die bekommen?

Ja, danke. Hat aber leider nichts geholfen..

Mit der richtigen Ausstattung und gutem Seeing könnte ich auch den ganzen Tag Sonne beobachten...:-)

Grüße,
Benjamin

Peter Wloch

Re: Ja, so war«s !

Beitrag von Peter Wloch » 12. Sep 2002, 18:52

Hallo Manfred,

tolles Foto, haette nicht geglaubt, das der 105er mir sogar bis ins
Zimmer nachkommt :-) Ein gutes Andenken...

Deutlich ist der dunkle Fluss gegenuber der Insel mit dem Bootsteg zu sehen.
Heute mittag war da nur ein Punkt, dann mehrere, schliesslich wieder
der Fluss...
Es gab Momente, da konnte mans haarscharf sehen. Aber eben nur fuer
Sekunden, dann waberte es wieder.
Hat mich aber nicht gross gestoert, weil ich so fasziniert war...

Jedenfalls lohnt es sich, den laenger zu betrachten.
Langweilig fand ich«s ueberhaupt nicht.
Die zwei Stunden vergingen rasch.

Gruss
Peter

PS:
Ein 4mm habe ich vorher bestellt.
Auch wenn die Profis sagen, zuviel...
Da bin ich ja gespannt...


manfred

Re: Ja, so war«s !

Beitrag von manfred » 12. Sep 2002, 21:36

Hallo Peter

Vielleicht sollte ich auch mal mehr visuell beobachten,deine Beschreibung war sehr interessant.
Zu den 4 mm Okular kann ich nur sagen.
Einfach probieren !!
Hab auch schon mit nen 2,5 mm LV Sonne beobachtet bei 140 mm Öffnung (Blende)1620 mm Brennweite.
War kein Problem wenn die Luft mitmacht.

tschüs

manfred

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