OT ? Columbia

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Peter Haubold

OT ? Columbia

Beitrag von Peter Haubold » 3. Feb 2003, 21:51

Moin Moin...
habe eben in den Nachrichten ein paar Bilder der Columbia gesehen.
Sie hatte (noch im ALL) einen Riss auf der linken Seite.

Langsam fang ich an richtig sauer zu werden.
Wie hatte der NASA Sprecher gesagt... (Ich geb es mit meinen Worten wieder) es hätte so oder so keine Chance gegeben weil ein Flug zur ISS nicht möglich gewesen, eine Aussenboardkontrolle wäre auch nicht möglich gewesen weil der Robotarm nicht an Board war und last but not least, das ist meine pers. Meinung, hat man ganz bewußt den Shuttle herunterkommen lassen, obwohl das Risiko aufgrund der Schäden, ob vermutete oder sichtbare, einfach zu groß war.

Wir reden hier von 7 Menschen die, aus meiner jetzigen Sicht, hätten nicht sterben müßen, wenn jemand bei der NASA etwas mehr überlegt hätte. Der Shuttle mag defekt sein, aber die Besatzung hätte man vielleicht retten können.

Variante 1. Die Crew bleibt im ALL, ein 2. Shuttle wird fertig gemacht und hinterher geschickt. Der bringt Ersatzteile und Robotarm um a) die Schäden zu begutachten und b) Reparaturen vor Ort durch zu führen. Anschliessend wäre die gesamte Crew bis auf einen Piloten auf das Intakte Shuttle gestiegen und zurückgekehrt. Der Pilot hätte den reparierten Shuttle allein zurückgebracht (in der ANnahme, das ein Vollautomatischer RETURN nicht möglich ist).
Wenns Knallt wäre nur einer gestorben ! Makaber aber einer ist besser als 7

Variante 2.
Die ISS hätte auf Sparflamme geschaltet werden muessen (Versorgungsmäßig) und die russ. Kollegen hätten Versorgungsgüter und Ersatzteile zum Shuttle bringen können. Aussanboardspaziergänge sind auch ohne Roboterarm im prinzip Möglich. Es geht doch nur darum das die Astronauten nicht wegdriften und da hätte es ein Seil auch getan.
Nach erfolgter Reparatur wäre der Wiedereintritt vom Risiko her deutlich geringer als gar nichts zu tun...

Das Problem mit evtl fehlenden Schutzkacheln die ja Maßanfertigungen sind... Nun auch hier hätte man sicherlich etwas tun Können.

Variante 3.
Sollte der SHuttle soweit defekt sein, das eine Reparatur nicht möglich oder zu Aufwendig ist.. dann hätte man mit einem 2. Shuttle die Crew abholen können oder den defekten Shuttle eben aufgeben.

Okay Okay.. zweiter Shuttle oder russ. Versorgungskapsel...
Solche Geräte brauchen Zeit bis sie bereit gestellt sind bzw umprogrammiert werden. Aber und das ist der Punkt der mich richtig aufregt... Hat sich niemand bei der Nasa mal über solch einen Fall gedanken gemacht ? Wer mit Technik arbeitet muss immer davon ausgehen, das etwas kaputt gehen kann. erst recht wenn es solch extremen Belastungen wie ein Shuttle ausgesetzt wird. Da würde ich solch eine Panne, wie sie jetzt passiert nicht als Unglück sondern als schlamperei mit Todesfolge nennen.

Mein Vertrauen in die NASA ist stark erschüttert.

Liebe Kollegen verzeiht mir meine emotionalen Ausbruch,
Ich gehöre nicht zu den Menschen die so schnell aufgeben wie es die NASA tut. Ich bin zwar ein Optimist, das hindert mich jedoch nicht einen gewissen Respekt vor Technik und deren Schwächen zu haben.
Der Riss in der Aussenhaut des Shuttles sieht für mich nach Materialermüdung aus und nicht nach einem Einschlag von Styropor.

Um den Tread hier nicht zu groß werden zu lassen dürft ihr mir gern eure Kommentare per email senden: PH6@gmx.net

Danke für euer Verständnis
Peter

mike

Re: OT ? Columbia

Beitrag von mike » 3. Feb 2003, 22:14

Hallo Peter

1) das klappt in Hollywood, nicht in der realen Raumfahrt. Eine Reparatur wäre schon wegen der Ersatzteile und fehlender Werkzeuge nicht möglich gewesen. Die Bilder zeigen definitiv nicht die Risse am linken Flügel, siehe hierzu http://www.astronomie-seite.de/news/sts ... 07why.html

2) die Columbia hatte keinesfalls genug Treibstoff um auf die Höhe und Inklination der ISS zu kommen, auch wenn ein Umstieg möglich gewesen wäre.

3) wie gesagt, die Bilder zeigen nicht die Risse am linken Flügel und derzeit ist noch nicht klar, was den Unfall ausgelöst hat. Ich würde sagen es war genau ein Unfall wie ein Flugzeugabsturz und so sollten wir es auch behandeln.

Ulrich schreibt gleich noch ausführlicher.

Gruß
Mike

Ulrich Rieth

Re: OT ? Columbia

Beitrag von Ulrich Rieth » 3. Feb 2003, 22:35

Hallo Peter!

> habe eben in den Nachrichten ein paar Bilder der Columbia
> gesehen.
> Sie hatte (noch im ALL) einen Riss auf der linken Seite.

Ja, und das Bild ist einfach nur purer Unfug.
Hier gibt es eine Version, die Mike eben eingefärbt hat: http://www.astronomie-seite.de/snap1.gif
Dort sieht man, dass der Flügel nur die rote Fläche ganz "hinten" ist.
Die angeblichen Risse sind gewöhnliche Nahtstellen von Aluminiumplatten bzw. Federmechanismen der Laderaumtüren.
Weiterhin sieht man, dass es sich bei der Aufnahme um den rechten Bereich des Shuttles handelt und nicht um den möglicherweise katastrophen-auslösenden linken Teil des Fahrzeugs.

> Wie hatte der NASA Sprecher gesagt... (Ich geb es mit meinen
> Worten wieder) es hätte so oder so keine Chance gegeben weil ein
> Flug zur ISS nicht möglich gewesen, eine Aussenboardkontrolle
> wäre auch nicht möglich gewesen weil der Robotarm nicht an Board
> war

Und damit hat er vollkommen Recht.

> Variante 1. Reparatur und Umsteigen im All

Diese Variante ist unmöglich, weil man
a.) im All die Hitzeschutzkacheln nicht festkleben kann.
b.) zum Umsteigen nur 2 Raumanzüge zur Verfügung gestanden haben. D.h. maximal 2 der 7 Besatzungsmitglieder hätten umsteigen können.

> Variante 2. Reparatur durch ISS Besatzung mittels Soyuz

Diese Variante ist ebenfalls unmöglich, weil man
a.) im All die Hitzeschutzkacheln nicht festkleben kann.
b.) mit der Soyuz die nötige Bahnänderung bis zur Bahn des Shuttles nicht bewerkstelligen kann.

> Variante 3. Abholen der Crew und Aufgabe des Shuttles

Diese Variante ist unmöglich, weil man
a.) zum Umsteigen nur 2 Raumanzüge zur Verfügung gestanden haben. D.h. maximal 2 der 7 Besatzungsmitglieder hätten umsteigen können.

> Aber und das ist der Punkt der mich
> richtig aufregt... Hat sich niemand bei der Nasa mal über solch
> einen Fall gedanken gemacht?

Die Szenarien sind in den 70er bei der Konstruktion des Shuttles durchgespielt worden.
Dabei hat man zum Einen gesehen, dass sie beliebig Unwahrscheinlich sind. (Und diesmal ist leider der unwahrscheinlichste Fall eingetreten.) Zum Anderen hat man natürlich gesehen, dass es keine Prozeduren gibt, mit denen man einen möglichen Schaden reparieren kann. Daraufhin wurde die Hitzeschutz-Konstruktion nochmals überarbeitet, um die Möglichkeit eines Schades noch weiter zu minimieren.

> Wer mit Technik arbeitet muss
> immer davon ausgehen, das etwas kaputt gehen kann. erst recht
> wenn es solch extremen Belastungen wie ein Shuttle ausgesetzt
> wird.

Jeder bei der NASA geht davon aus. Und die Besatzung weiss, worauf sie sich einlässt, wenn Sie in das Shuttle einsteigt.

> Mein Vertrauen in die NASA ist stark erschüttert.

Meins nicht, im Gegenteil, ich würde weiterhin jederzeit in ein Shuttle einsteigen, auch wenn man keine Änderung am System vornehmen kann, falls sich die Unfallursache ermitteln lässt.
Viele Grüße

Ulrich

Dieter Raith

Re: OT ? Columbia

Beitrag von Dieter Raith » 3. Feb 2003, 23:11

Hi Leute,
ganz so einfach sehe ich es doch auch nicht. Der Start hätte abgebrochen werden können die Tanks hätten gelöst werden können aber so einfach 400 Millionen in Sand setzen? Amerikas Wirtschaft hat kein Geld und Herr Busch hat nächstes Jahr Unsummn ins Militär gesteckt. Also egal was das Unglück auslöste eine nähere Untersuchung hätte im All durchgeführt werden müssen! Aber der Druck war ja mit dem Programm das die erledigen mußten zu stramm. Auf jedenfall ist ihr Imageschaden nun größer! Schade auch um die hübsche Inderin, sah klasse aus die Frau.
Gruß Dieter

Ulrich Rieth

Re: OT ? Columbia

Beitrag von Ulrich Rieth » 3. Feb 2003, 23:20

Hallo Dieter!

Tut mir Leid, aber ich muss Dir hier vollkommen wiedersprechen.

> Der Start hätte abgebrochen werden können die Tanks
> hätten gelöst werden können aber so einfach 400 Millionen
> in Sand setzen?

Das ist völliger Blödsinn.
Man hat ein Standardverfahren, wonach ALLE Aufnahmen der Kameras, die die Startphase aufgezeichnet haben, am Tag nach dem Start Bild für Bild angeschaut werden.
Folglich ist dieses wirklich winzige Teil, dass sich vom Tank abgelöst hat, erst einen Tag nach dem Start bemerkt worden.
Da war das Shuttle schon im Orbit. Und dort kann man keine Reparaturen mehr durchführen.
Wenn er vernünftige Übersetzungen der Pressekonferenzen der NASA in Deutschland gäbe, würdest Du auch mitbekommen, dass das Shuttlemanagment die Besatzung an aller oberster Stelle schützen will.
Es wird seit Challenger nicht mehr geflogen, wenn irgendein teil auch nur den Hauch eines Fehlers aufweist.
Nur, wenn man mal oben ist, kann man leider nichts mehr machen.
Außerdem haben alle Untersuchungen des Startvorfalls noch während des Fluges ergeben, dass der Schaden nicht bedrohlich ist.
Leider haben hier diesmal die Modelle versagt, worauf man aber auch keinen Einfluss hat.
Im gesamten Überblick muss ich leider sagen, dass es eben immer noch das Risiko der Raumfahrt ist, dass wenn etwas passiert, es meist tötliche Folgen hat. Nichtsdestotrotz wirst Du keinen Astronauten und Kosmonauten finden, der aus diesem Grund nicht fliegen will.
Gruß

Ulrich

Bernhard Dorner

Leider kommt das Bild jetzt überall in den Nachrichten :-((

Beitrag von Bernhard Dorner » 3. Feb 2003, 23:33

Leider kommt das Bild jetzt überall in den Nachrichten :-(( *o.T.*

Ulrich Rieth

...aber nur in den deutschen Nachrichten...

Beitrag von Ulrich Rieth » 4. Feb 2003, 00:01

...und da ich seit der Berichterstattung vom 11.09.2001 bei tragischen Ereignissen keine deutschen Nachrichten mehr beachte, ist mir das völlig egal.
Außer dass ich mir an solchen Tagen immer wieder aufs neue vor Augen führen muss, dass die Medien einen großen Teil an Mitschuld an der Pisa-Misere haben.
Da werden einfach Tatsachen verdreht, einfach physikalische Grundlagen ignoriert und korrekte Übersetzungen gibt es schon lange nicht mehr (der Hit in den letzten Tagen war, dass der Progress-Transporter zum Shuttle gemacht wurde).
Gruß

Ulrich

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