2015-Mar-10 Purpurlicht über Kiel

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Laura Kranich
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2015-Mar-10 Purpurlicht über Kiel

Beitrag von Laura Kranich » 10. Mär 2015, 18:58

Moin Moin!

Vor genau einer Stunde gab es hier in Kiel für einige Minuten ein hübsch anzusehendes Purpurlicht, was man ja nur selten zu sehen bekommt.
Leider geben weder die Aerosoldaten des DWD noch die Rückwärtstrajektorien Hinweise auf die Ursache und nach dem Frontdurchgang ist die Atmosphäre hier auch ziemlich trocken.

Hier die Bilder (ungefähr der visuelle Eindruck):

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Viele Grüße aus Berlin,
Laura

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Claudia Hinz
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Re: 2015-Mar-10 Purpurlicht über Kiel

Beitrag von Claudia Hinz » 11. Mär 2015, 16:04

Wow, das sind wunderschöne Bilder.

Vielleicht ist ja etwas Saharastaub bei Euch angekommen:
https://www.facebook.com/DeutscherWette ... 78/?type=1

Ich kenne leider keine Seite, wo man die Staubdaten rückwirkend abrufen kann, aber das Tief hat den Sand in großer Spirale über den Atlantik befördert.Vielleicht hat etwas davon Norddeutschland erreicht?

Wahrscheinlich ist aber auch, daß sich in der Höhe große Feuchte befand, denn es ist ja am Abend ein Tief über Deutschland hinweg gezogen. Insofern dürften die msieten nichts dergleichen beobachtet haben, da es einfach schon dicht war.

LG Claudia

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Laura Kranich
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Re: 2015-Mar-10 Purpurlicht über Kiel

Beitrag von Laura Kranich » 11. Mär 2015, 18:26

Hmm, aber die Rückwärtstrajektorien für Kiel reichten ohne große Umwege alle bis nach Kanada und in die USA.. Obwohl die Wetterkarten eher dafür sprechen, dass wie du sagst der Staub seit letzter Woche einmal über dem Atlantik um das Hoch über Westeuropa gezogen ist. Laut Wettermodellen war die Luft hinter der Front jedenfalls in allen Niveaus relativ trocken.

Heute hab ich bei ebenso klarem Himmel mal Vergleichsbilder um die selbe Uhrzeit und mit denselben Einstellungen gemacht: Ein deutlicher Unterschied!

18:46
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Viele Grüße aus Berlin,
Laura

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StefanK
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Re: 2015-Mar-10 Purpurlicht über Kiel

Beitrag von StefanK » 12. Mär 2015, 07:35

Hallo zusammen,

bevor hier weiter spekuliert wird. Das Purpurlicht zählt zu den normalen Dämmerungserscheinungen. Es tritt mehr oder weniger ausgeprägt recht häufig auf. Die Ursache liegt in einem Zusammenspiel der permanent vorhandenen Aerosole in der mittleren Stratosphäre (Junge-Schicht) mit subvisuellen Zirren.
Eine im Jahr 2003 erschienene Abhandlung (http://www.usna.edu/Users/oceano/raylee ... _paper.pdf) kommt zu dem Schluss, dass die normale stratosphärische Aerosol-Konzentration (Ausnahmen s.u.) alleine nicht ausreicht, um Purpurlichter hervorzubringen. Vielmehr ist dazu das Zusammenspiel von Lichtstreuung und Extinktion in der Stratosphäre und in der Troposphäre erforderlich. Wenn geschlossene Wolkenschichten, u.U. einige hundert Kilometer vom Beobachter entfernt, verhindern, dass Sonnenlicht durch die Troposphäre zu Aerosolen in der Stratosphäre gelangt, tritt kein Purpurlicht auf. Handelt es sich um lückige Bewökung, entsteht ein durch Dämmerungstrahlen segmentiertes Purpurlicht.
Siehe auch http://www.purpurlicht.de/

Viele Grüße aus Bonn,

Stefan
Alles über Leuchtende Nachtwolken: https://www.leuchtende-nachtwolken.info/

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Re: 2015-Mar-10 Purpurlicht über Kiel

Beitrag von Claudia Hinz » 12. Mär 2015, 08:58

Hallo Stefan,

tausend Dank für Deine Physikstunde!

Natürlich ist Purpurlicht eine normale Erscheinung der Dämmerung. Aber wenn man diese tagtäglich beobachtet, fällt einem nun einmal auf, wenn das Purpurlicht besonders intensiv ist und sich von dem normalerweise recht zartem Purpurlicht unterscheidet. Insofern ist in der Atmosphäre dann etwas anders als sonst und man forscht nach der Ursache. So tickt man nun mal als kontinuierlicher Beobachter. Und da die Erfahrungen zeigen, daß sich auch Saharastaub für intensive Purpurlichter verantwortlich zeigen, ist auch diese Option denkbar. Letztendlich wissen wir es nicht, aber die Analyse möglicher Ursachen darf ja wohl noch erlaubt sein und hat in meinen Augen nichts mit Spekulation zu tun!

Gruß
Claudia

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Laura Kranich
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Re: 2015-Mar-10 Purpurlicht über Kiel

Beitrag von Laura Kranich » 12. Mär 2015, 11:36

Hallo Stefan!

Auch von mir danke für den Link und die Erklärungen. Das ist völlig schlüssig, besonders wenn man sich die Satellitenbilder der letzten Tage anschaut wird zumindest klar, warum es gestern kein Purpurlicht geben konnte. Gestern blockierte nämlich eine hochreichende Wolkenfront über der Nordsee den Weg des Dämmerungslichtes. Aber es ist ja damit nicht gesagt, dass es auch ohne diese Front ein solches Purpurlicht wie am Vortag gegeben hätte. Aber ich halte es für nicht unwahrscheinlich.
Als ich letztes Jahr in Namibia war, wo die Atmosphäre im Winter ja sehr trocken ist und man selten Wolken zu sehen bekam, gab es fast täglich ein mehr oder weniger intensives Purpurlicht zu sehen. Allerdings nicht direkt an der Küste, obwohl es dort auch völlig wolkenfrei war. Daraus schließe ich, dass es dort vor allem troposphärische Ursachen (hohe Staubkonzentrationen) hatte.
Hier noch die Satellitenbilder von gestern und vorgestern im Vergleich:

10.03.:
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11.03.:
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Heute früh sah der Himmel ähnlich purpurfarben aus, wie neulich, allerdings waren dieses Mal eindeutige, wenn auch sehr schwache Zirren zu erkennen, die rötlich gefärbt zusammen mit dem Himmelsblau wohl die purpurne Färbung ergaben.
Viele Grüße aus Berlin,
Laura

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Re: 2015-Mar-10 Purpurlicht über Kiel

Beitrag von Dennis Hennig » 12. Mär 2015, 19:35

Sehr schön!

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Re: 2015-Mar-10 Purpurlicht über Kiel

Beitrag von Heiko Ulbricht » 12. Mär 2015, 23:02

Hallo Chris,

echt supi Bilder. Weiß nicht, wann ich das letzte Mal eines gesehen habe. Ganz so häufig scheint es nicht zu sein.
Viele Grüße,
Heiko

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Re: 2015-Mar-10 Purpurlicht über Kiel

Beitrag von Elmar Schmidt » 14. Mär 2015, 07:04

Hallo Chris,

schöne Serie, vor allem auch der Vergleich zum Folgetag.

Bei Sonnentiefstand 2-6 Grad entsteht das sog. Hauptpurpurlicht am troposphärischen "Klarhimmel" wie von Stefan Krause beschrieben. Insofern es stratosphärisches Aerosol in Schichten zwischen 13 und 25 km Höhe geben kann, ergibt sich rein geometrisch schon eine gewisse Bandbreite der Erscheinungen.

Seltener gibt es sog. Nachpurpurlicht bei tieferem Sonnenstand (8-10 Grad), welches m.W. mit zweifacher Vorwärtsstreuung am stratosphärischen Aerosol zu tun hat, wofür eine erhöhte Beladung erforderlich ist wie nach starken Vulkanausbrüchen.

Und manchmal nehmen im gewöhnlichen Abendrot auch troposphärische Wolken oder Dunstschwaden jene lachsrosa Färbung an, wenn noch genügend Blauhimmel durchscheint. In dem Sinn ist halt Purpur keine "Herkunftsangabe", sondern eine Mischfarbe aus rot und blau im nichtspektralen Bereich des Farbraums.

Gruß, Elmar

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