Freisichtigkeit von Venus und Jupiter am Tageshimmel

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Christoph Gerber
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Freisichtigkeit von Venus und Jupiter am Tageshimmel

Beitrag von Christoph Gerber » 11. Mai 2015, 09:07

Freisichtigkeit von Venus und Jupiter am Tageshimmel

Wenige Tage nach meinem letzten posting (Re: Venus freisichtig am Tageshimmel (2015 04 21); ich erlaube mir, ein neues Thema zu eröffnen, da ich Jupiter mit einbeziehe) war ich überrascht, dass die Venus noch vor Sonnenuntergang so auffällig am Himmel erschein, obwohl der Himmel zu dieser Zeit eigentlich heller scheint als der tiefblaue Nachmittagshimmel. Das erinnerte mich an ein weiteres posting von Daniel Fischer: Himmelshelligkeit als Funktion des Sonnenstands. Dies ist nun genau auch meine Frage, aber ich bin bei der Recherche nicht weitergekommen. Zwar gibt es Diagramme für verschiedene Himmelssituationen (von wolkenlosem bis bedecktem Himmel) bei einer bestimmten Sonnenhöhe, aber keine, zu einer bestimmten Himmelsituation (in meinem Fall: wolkenloser Himmel) bei verschiedener Sonnenhöhe. Bemerkenswert ist die Tatsache, dass in der Stunde vor Sonnenuntergang die Planeten viel leichter zu erkennen sind als zuvor am Tageshimmel, wenn sie höher stehen. Möglicherweise spielt hier die Fähigkeit von Auge&Hirn eine Rolle, Helligkeitsunterschiede auszugleichen (Dämmerung!, besondesauffällig bei Sonnenfinsternissen), so dass der Himmel vor Sonnenuntergang nur scheinbar heller ist als der tiefblaue Mittags- bzw. Nachmittagshimmel. Also werde ich das Thema eher praktisch angehen müssen.

So. 10.05.2015: Nach einem bedeckten und kühlen Vormittag klarte der Himmel über Brandenburg nachmittags immer mehr auf, so dass ich die Venus aufsuchen konnte. Nach dem Frontdurchgang war der Himmel offensichtlich sehr klar und rein. Ich war sehr überrascht, dass sie heute viel heller erschien als bei meinem letzten posting - etwa so, wie ich sie etwa für die Zeit des größten Glanzes in Erinnerung habe. Die Leichtigkeit, mit der ich Venus heute sehen konnte, verleitete mich dazu, auch nach Jupiter zu suchen. Auch wenn ich gegen 16:30 mit der Suche begann, konnte ich den Jupiter lange Zeit nicht auffinden. Eine Sache ist es, Venus in etwa 40° Entfernung von der Sonne zu orten, aber eine andere, Jupiter 40° von der Venus entfernt. Um 19:41 hatte ich dann schließlich erfolg - etwa 1 Stunde vor Sonnenuntergang. Da konnte ich Jupiter mit 10x60 erstaunlich rasch orten, das blasse Scheibchen war auffällig, und mit bloßem Auge (BA) war er zwar noch sehr schwach, ein kontinuierliches Sehen noch nicht möglich. Ich versuchte nun bis nach Sonnenuntergang die Sichtbarkeit beider Planeten zu erfassen - ähnlich wie es Daniel gemacht hat, aber ausführlicher. Das Ergebnis ist folgendes (Hs = Höhe Sonne, Hv = Höhe Venus, Hj = Höhe Jupiter; alle Daten aus Stellarium, gültig für Berlin als Beobachtungsort):

VENUS (-4.1 mag):
16:25 (Hv: 63.3°, Hs: 37.5°): schnell aufgefunden, überraschend hell !
18:25: Himmel "weißer" als am Nachmittag; V schwer zu finden, aber dann auffällig und leicht wiederzufinden.
19:35: V bereits auffälliger, aber dennoch schwer wiederzufinden
19:51: V etwas heller als am Nachmittag, aber noch lange nicht auffällig
19:55: V muss noch gesucht werden
20:03: V muss zwar noch gesucht werden, ist aber schon recht leicht zu finden
20:19: V schon sehr auffällig, wenn man weiß, wo sie steht
20:28: V strahlt schon hell
20:41: V schon auffällig am Abendhimmel
SONNENUNTERGANG 20:47 (nach stellarium, h= -0.8°, gültig für "Berlin"; in Belzig erfolgte der Sonnenuntergang um 20:49) (Hv: 35.2°)


JUPITER (-1.6 mag):
ab 16:35 mit der Suche mit 10x60 begonnen, mit der Hilfe der Hausdachkante. Erfolglos.
(längere Pause von 19:10-19:40)
19:41 (Hj: 54.0°, Hs: 8.3°): J mit 10x60 schnell gehabt (mit Hilfe der Tanne im Garten), blasses Scheibchen auffällig. Mit BA sehr schwach, aber sicher erfasst
19:47: J immer noch an der Grenze der Wahrnehmbarkeit für das BA
19:52: J noch nicht konstant sichtbar
20:03: J am Baum schwer wiederzufinden, aber konstant sichtbar
20:06 (Hj: 52.7°, Hs: 4.7°): J am Baum leicht wiederzufinden
20:07: J-Ansicht entspricht in etwa der von Venus vom 2.5.
20:16: J am Baum schon recht leicht auffindbar
20:24: J noch nicht am "freiem" Himmel gefunden
20:27: J am Baum problemlos wiederzufinden, jetzt auch am "freien" Himmel auffindbar und zwar schon gut sichtbar
20:33: J am "freien" Himmel leicht wiederzufinden (etwas besser als Venus am 2.5.)
20:34: hohe Bäume immer noch von der Sonne beschienen
20:37: hohe Bäume evtl. noch beschienen?
20:37 (Hj: 50.2°, Hs: 0.6°): J an "freiem" Himmel sicher wiederzufinden
20:47: J schon so hell, dass schnell auffindbar und dann unübersehbar; J etwa so hell wie Venus vorhin bei Erstsichtung des J (19:41)
SONNENUNTERGANG 20:47 (Belzig: 20:49) (Hj: 53.5°)

20:50: Ende der Beobachtung: auf was noch warten?
21:02: Arktur (Alpha Boo) am "freien" Himmel schon hell, aber noch zu suchen.

Dieses Ergebnis ist natürlich ein Einzelfall, der nur für Belzig und heute galt. Am 2. Mai wären die Zeiten vermutlich ganz anders ausgefallen - und ob der schwierigeren Sichtbarkeit von Venus wäre die Suche nach Jupiter wohl gar nicht erst möglich gewesen (heute war Venus so hell, dass ich sie nach jedem Wiederauffinden problemlos zur Entfernungsschätzung nutzen konnte). Dennoch zeichnet sich deutlich eine Abfolge von bestimmbaren Merkmalen ab, die zumindest einen relativen "Fahrplan" andeuten. Zur evtl. Eichung könnte z.B. ein heller Stern (z.B. Arktur) in die Serie mit einbezogen werden. Umgekehrt könnte man aus solchen Daten die relative Klarheit des Himmels ableiten. Auf jeden Fall hat es Spaß gemacht, und ich werde Versuchen, nach Möglichkeit weitere solche Serien durchzuführen. In den nächsten Wochen werden Jupiter und Venus immer mehr zusammenrücken und in den Tagen um die Konjunktion am 1. Juli dürfte es recht einfach sein, Jupiter nahe Venus am Taghimmel zu orten.

Vielleicht regt dieser Beitrag zu ähnlichen Beobachtungsserien an - es muss ja nicht gleich mit Jupiter sein. Zum Anfangen genügt es vielleicht mit Venus, wenn der Mond in der Nähe steht und sie so leicht(er) auffindbar ist ...

Mitbeobachtern wünsche ich viel Spaß und Erfolg!
Christoph

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Christoph Gerber
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eine zweite Beobachtungsserie

Beitrag von Christoph Gerber » 17. Mai 2015, 12:37

Am Freitag konnte ich eine zweite Beobachtungsserie vom selben Standort aus anschließen. Die Bedingungen waren etwas anders als am Sonntag, die Sichtbarkeit gestaltete sich etwas schwieriger.

Do. 15.05.2015: Mein letzter Tag in Belzig, und es klarte am Nachmittag wieder vollkommen auf. Gegen 17:30 (in Raben) konnte ich Venus auffinden. Der blaue Himmel erschien leicht weißlich, und als ich dann auch noch in Venusnähe ganz dünne Wolkenschwaden bemerkte, wollte ich die Beobachtung abbrechen, weil der Himmel zu wenig transparent erschien. Aber da die "Wolkenschwade" einen recht scharfen und geraden Rand aufwies, wollte ich wenigstens entlang dieser Schwadenkante schauen - und da hatte ich sie auch schon erfasst. Sie war doch viel besser sichtbar als zunächst befürchtet, und zwar war sie so leicht sichtbar, dass ich auch nach Jupiter schaute. Sonne-Venus gaben die Lage der Ekliptik an, von Venus aus konnte ich die Entfernung zu Jupiter schätzen. Völlig überrascht stellte ich fest, dass ich Jupiter evtl. geortet hatte. Ich hatte kein Fernglas dabei, um die Sichtung zu bestätigen. Aber ich hatte mehrmals an dem Ort "etwas" gesehen. Bei einem weiteren Lokalisierungsversuch hatte ich ebenfalls "etwas" gesichtet, dazwischen und danach nicht mehr. Es bleibt also der Zwiefel, ob ich tatsächlich Jupiter erfasst habe oder es nur Einbildung war. Ein Fernglas zu Hand hätte das gleich entschieden können... (17:30 MESZ: Hs: 29.0°, Hv: 59.5°, Hj: 52.0°). Da fasste ich den Beschluss, zügig nach Belzig zurückzuradeln, um gegen Sonnenuntergang noch einmal eine Beobachtungsserie anzuschließen - unter etwa gleichen Bedingungen wie einige Tage zuvor.

Um 19:03 MESZ fing ich mit der Suche nach Jupiter an. Ich stellte mich wieder an derselben Stelle auf wie vor fünf Tagen, hatte aber über 20 min lang keinen Erfolg. Um 19:25 habe ich es dann endlich mit einer neuen "freien Stationierung" von Venus aus versucht. Und hier war schon ein großer Unterschied zu Sonntag bemerkbar: Venus war stets schwer wiederzufinden - es war dann schon nervig, immer erst Venus suchen zu müssen, um dann von dort aus zu Jupiter zu "verlängern".
Erst um 19:40 stellte sich dann der Erfolg ein: endlich hatte ich die weißliche Jupiterscheibe mit 10x60 erfasst - und mit BA war Jupiter auch schon zu erkennen! Aber Jupiter war heute zunächst äußerst schwer wiederzufinden. Und es zeigte sich wieder ein Phänomen, das ich bisher erst einmal bemerkt habe (s. Re: Jupitermonde mit bloßem Auge (5.1.2014) unter "Nachträge"): Bei der jeweiligen Erstsichtung war Jupiter im ersten Augenblick sehr deutlich zu erkennen, aber beim genaueren Hinschauen verschwand er gleich wieder. Diese Beobachtung hatte ich gegen 19:53 gleich mehrfach machen müssen. Eine Erklärung dafür habe ich (noch) nicht.
Es folgt der "Fahrplan" der Sichtbarkeit beider Planeten. Der Sonnenuntergang erfolgte heute 8 min später als am 10.05. Da ich letztes Mal auch Arktur am Ende erfasst hatte, konnte ich ihn heute gleich mit in die Beobachtungsserie einbinden. Ich habe ihn immerhin 9 min vor Sonnenuntergang mit BA erfasst!

VENUS (-4.1 mag):
17:30 (Hs 29.0°, Hv 59.5°): mit BA (nach Auffinden!) problemlos sichtbar
19:25–19:40: immer wieder schwer wiederzufinden!
20:14: viel zu tief gesucht! Als ich sie dann hatte, war sie auffällig und "unübersehbar"
(zwischenzeitlich mit Jupiter und Arktur beschäftigt...)
20:40: V wird auffällig
20:49: V auffällig, fast unübersehbar!
SONNENUNTERGANG 20:55 (für Berlin; Belzig: 20:57)


JUPITER (-1.6 mag):
ab 19:03 mit 10x60 erfolglos gesucht
19:40 (Hs 9.4°, Hj 53.0°): J endlich erfasst (mit 10x60), aber auch schon mit BA sichtbar - aber er war äußerst schwer wiederzufinden:
19:46: jetzt erst J wiedergefunden (mit Hilfe vom 10x60) - deutlich erkennbar, aber noch nicht konstant!
19:53: J zum zweiten Mal wiedergefunden (ohne Hilfe des Ferngalses)
19:56: J jetzt leichter wiederzufinden
20:05: J immer noch nicht leicht wiederzufinden
20:07: J jetzt konstant sichtbar
20:16: J noch erfolglos am "freien Himmel" gesucht, und am Baum noch schwer wiederzufinden
20:23: J immer noch schwer wiederzufinden!
20:19 (Hs 3.9°, Hj 50.0°): J jetzt am Baum leicht wiedergefunden
20:36: J auf Anhieb (beim Baum) gefunden
20:40: J immer noch nicht am "freien Himmel" gesichtet
20:43: J endlich frei gefunden - und schon recht auffällig
20:49: J am Baum leicht wiederzufinden - und auch am "freien Himmel"
SONNENUNTERGANG 20:55 (für Berlin; Belzig: 20:57)
20:59: J schon auffällig
21:06: J auffällig

ARKTUR (Alpha Bootis, +0.2 mag) (Orientierungshilfe: Hausdach):
20:00–20:02: erfolglos Ausschau nach aBoo gehalten (10x60)
20:08–20:10: nochmals erfolglos Ausschau nach aBoo gehalten (10x60)
20:18–20:22: erneut erfolglos Ausschau nach aBoo gehalten (10x60)
20:33–20:35: erneut erfolglos Ausschau nach aBoo gehalten (10x60)
20:45–20:46: aBoo endlich erfasst (mit 10x60)
20:48 (Hs 0.1°, Ha 41.7°): aBoo nun auch mit BA erfasst; sicher, aber noch nicht konstant.
SONNENUNTERGANG 20:55 (für Berlin; Belzig: 20:57)
bis 20:59: aBoo noch nicht mit BA wiedergefunden
21:06: aBoo endlich mit BA wiedergefunden: schon gut sichtbar, aber schwer wiederzufinden
21:11: aBoo mit BA nicht schwer wiederzufinden


Der Vergleich mit den Beobachtungen vom Sonntag fällt wie folgt aus:
- Sonnenuntergang 8 min später
- Zeitvergleiche sind nicht minutengenau möglich bzw. sinnvoll, denn beobachtungsbedingt kann ein "Ereignis" auch schon mehrere Minuten vor der Aufzeichnung eintreten.
VENUS: beide Male war sie gegen 19:35 "schwer wiederzufinden"; gegen 20:15 war sie auffällig und "unübersehbar", wenn der Ort bekannt war; gegen 20:45 (jeweils ca. 5 min vor Sonnenuntergang) war sie bereits ein auffälliges Objekt am "Abendhimmel".
JUPITER: beide Male zur gleichen Zeit mit dem Fernglas aufgefunden und dann bereits mit bloßem Auge erfasst (um 19:40, ca. 70–75 min vor Sonnenuntergang), gegen 20:05 (ca. 50-55 min vor Sonnenuntergang) konstant sichtbar; bei der Sichtbarkeit am "freien Himmel" (also ohne "Wegweiser" wie Baum oder Haus) ergaben sich die deutlichsten Unterschiede: 20:27 (am 10.5., 32 min vor Sonnenuntergang) bzw. 20:43 (15.5., also nur 14 min vor SU). Zum Zeitpunkt des Sonnenuntergangs war Jupiter schon ein leicht auffindbares und damit auffälliges Objekt (wenn sein Ort bekannt war).

Christoph

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