Da ich die ganze Zeit schon heiß auf den aktuell sichtbaren Kometen Catalina war und ich die ganze Zeit schon auf eine Gelegenheit für ein Fotoshooting gewartet habe, war ich heute Nacht wegen des endlich passenden Wetters draußen bzw. oben auf der Hornisgrinde und habe die vorerst letzte Chance genutzt, bevor ab heute Nacht der Mond einen ungestörten Blick verhindert.
Außerdem wollte ich schauen, ob man das Zodiakallicht hier auch gut beobachten kann, was mir ebenfalls erstmals gut gelang.
Das Wetter schien erst perfekt, aber als ich oben auf dem Gipfel war, wurde ich bei 8m/s Wind von (relativ dünnen) (Hebungs-)Nebelschwaden (leider kein Eisnebel
Aufgrund des recht kräftigen und böigen Windes hatte ich Sorge, dass das mit dem Kometen misslingen würde, denn meine Nachführung ist leider sehr windanfällig. Aber im Windschatten des Autos ging es zum Glück und mir gelang dies doch recht passable Bild für die kurze Aufnahmedauer/schlechte Optik: 18*55s, ISO6400, f/6.3, 250 mm

Ich wollte mich aber unbedingt auch am Zodiakallicht probieren, mit bloßem Auge sah man es auch bald ganz gut. Und das Ende Dezember noch, das hätte ich ja nicht gedacht...
Auf dem Bild sieht man auch den Kometen (markiert) etwas rechts der Verbindungslinie zwischen Venus und Arktur, und er war übrigens auch mit bloßem Auge gerade eben so noch zu sehen.

Das Zodiakallicht hielt sich recht lang und ich konnte eine Weile Bilder davon machen, hier ein 10 Minuten belichtetes Bild (4*2,5min). Es zogen ein paar kleinere Wölkchen vorbei, die ich durch die lange Belichtungszeit weggemittelt habe.

Eigentlich war ich dann schon zufrieden, aber ich dachte dann noch an ein schönes Purpurlicht und angesichts klaren Himmels fern im Südosten machte ich mir nicht zu Unrecht größere Hoffnungen. Und da von Nordosten eine Front herannahte, ging ich auch davon aus, dass es ein paar schön angeleuchtete Wolken geben könnte. Wie gut, dass ich noch durchhielt, sag ich schonmal vorweg.
Das Purpurlicht kündigte sich mit einem kräftigen horizontnahen Orangeton an, und schon sah ich kurz vor halb 7, 50 Minuten vor Sonnenaufgang, erste Dämmerungsstrahlen im Osten:

Wie erhofft wurde es dann sehr schön kräftig violett am Himmel:


Und schließlich der Weiß-Gelbton der immer von unten folgt:

Ich nehme an die Luft war zwar relativ klar, aber auch nicht allzusehr, denn dann sieht man eher wenig Gelb, sondern tatsächlich eher einen gräulich-grüngelben Farbton.
Da ich die meiste Zeit im Auto saß um mich vor dem steifen Wind zu schützen, war ich zeitweise etwas verwirrt, weil die Autoscheiben durch ihren Grünton das Violett des Himmels komplett neutralisierten:

Und - perfektes Timing - schon zogen einige mittelhohe Wolken ins Blickfeld. Es dauerte aber ein wenig, bis die Sonne sie dann erreichte. Fast war ich schon enttäuscht, als sie dann doch noch kräftig angeleuchtet wurden.


Da ich ja nicht auf dem Gipfel stand, sondern etwas tiefer hatte ich einen Berg vor dem Horizont und mein Sonnenaufgang war etwas später, um kurz vor halb 9.

Hier auch noch ein Zeitraffer etwa vom Beginn der nautischen Dämmerung bis Sonnenaufgang:
Bemerkenswert: Das Purpurlicht begann etwa ab einem Sonnenstand von -8 Grad und endete bei etwa -3 Grad Sonnenstand. Es dauerte (alle verschiedenen Phasen zusammen) über eine halbe Stunde.
Nun hatte ich genug und vor allem kein Gefühl mehr in den Gliedmaßen und ich machte mich auf den Heimweg. Aber schon nach wenigen Metern musste ich auf die Bremse treten:


Wieviele Interferenzbögen seht ihr da? Ich würde sagen drei bis vier.
Der Regenbogen hielt sich leider nicht lang, nur etwa eine Minute, dann war er wieder fort.
Als ich weiter talwärts fuhr, sah ich einen kleinen Abschnitt eines Regenbogens im Tal:

Gerade rechtzeitig erreichte ich eine schöne Aussicht (Startplatz für Gleitschirmflieger). Wieder sah man ein paar Interferenzen und auch schwach die 2. Ordnung.


Nach ein paar Minuten war nur noch der untere Teil zu sehen und kurz darauf übernahmen die Wolken komplett das Ruder.

Wie das bei solchen Nächten immer ist, am Ende geh ich irgendwie immer mit mehr nach Hause als ich eigentlich wollte.
Viele Grüße aus Mittelbaden,
Chris