meine traditionelle Pfingstradtour führt mich schon seit einigen Jahren regelmäßig auf den Großen Zschirnstein in der Sächsischen Schweiz.
Vor 15 Jahren habe ich dort schon einmal einen Regenbogen unter dem Horizont beobachten können (ein Foto davon gab es im alten Bildarchiv: http://old.meteoros.de/rainbow/rb44.htm).
Nun war es endlich wieder einmal soweit! Nach dem Aufstieg erlebten wir von der Schutzhütte aus einen Regen- und Graupelschauer. Dann war auch klar, das irgendwann die Sonne rauskommen würde, wenn auch die Wolke zunächst "festhing". Auf der linken Seite gab es am Horizont schon ein Regenbogenfragment, immer mal wieder abgeschattet durch wabernde nichtbeleuchtete Schlechtwetterfetzen am Zschirnstein:
(19.42 MESZ)

Endlich kam dann der große Moment: Sonnenschein und der Schauer war zum Glück noch nicht zuende! Auch war der Graupel zum Glück nun in Regen übergegangen. Innerhalb weniger Minuten bot sich uns dieser grandiose Anblick:
(19.56 MESZ)

Leider war ein Beobachtungsort mit Blick auf die linke Unterseite nicht zu erreichen, und bei der Aufregung, die sich bei mir breitmachte, wollte ich nicht zu sehr zwischen den Felsblöcken rumhüpfen. Auch kann das Foto kaum wiedergeben, wie "groß" beide Regenbögen aussahen, und wie man das Driften und Aufglitzern der Tropfen im unteren Bereich sehen konnte. Das alles bei einem wahrhaft "isländischem" Wind.
Später wurde die rechte Seite in Horizontnähe besonders hell:
(19.59 MESZ)

Das Bild ist so entwickelt, dass keine Farbe in die Sättigung gerät. Man kann den Eindruck haben, das Rot knickt etwas ab, kann aber auch am Helligkeitsgradienten liegen.
Der rechte Fuß blieb uns dann noch recht lange erhalten:
(20.19 MESZ)

Nun zum Spekulativen:
Bei der Durchsicht der Bilder fiel mir heute auf, dass ich gar nicht auf mögliche Bögen höherer Ordnung geachtet hatte. Und das bei diesen Bedingungen! Ich hatte aber wegen der Lichtstimmung zwei Fotos (Belichtungsreihe) Richtung Sonnenseite gemacht, kurz bevor sich der Dreiviertelbogen voll entfaltete. Mit der Zugrichtung des Schauers würde es passen, dass gute Bedingungen für tertiäre/quartäre Regenbögen zu dieser Zeit geherrscht haben.
Das ist das länger belichtete Bild:
(19.54 MESZ)

Und hier die bearbeitete Variante:

Es sieht für mich danach aus, als ob rechts oberhalb der Steinsäule ein farbiger Streifen nach oben geht, der zum Tertiären passen würde. Vom Quartären jedoch keine eindeutige Spur. Der Winkelabstand passt grob (die Aufnahme ist mit f = 17 mm / Fischauge an einer Pentax K-5 gemacht). Die Sonne ist natürlich nicht klar zu erkennen, auch fehlen gute Referenzmarken am Horizont. Da hab ich nun also unabsichtlich selbst eines dieser schwer auswertbaren Bilder produziert! In der nächsten Zeit werde ich auch nicht wieder auf den Zschirnstein kommen, das macht man auch zu Fuß nicht mal eben in zehn Minuten... Na mal sehen, was sich tun läßt.
Alles in allem jedenfalls eine herausragende Erfahrung, zwar nicht einzigartig, aber alle 15 Jahre ist auch schon eine rare Taktung...
Viele Grüße,
Alex

