obwohl ich dachte, dass meine Glückssträhne langsam zuende gehen müsste, ist dem offenbar noch nicht so. Kaum bin ich einmal zuhause, bekomme ich das volle Programm der Wetterküche inklusive einiger Premieren.
Gleich nachdem ich angekommen war, ging es schon los mit einem kleinen Cb, der zwar schnell wieder starb aber doch recht ansehnlich war und schöne Mammaten an der Schirmunterseite zeigte.




Auch am nächsten Tag gab es bei sengender Hitze bis 35 Grad auf der Ostseite des Schwarzwaldes ganz schöne Cbs zu bestaunen, dieser hier zog über Pforzheim und warf dort großen Hagel bis 5 cm Durchmesser. Hier vom Hochkopf (1038 m) gesehen:

Gen Südosten noch ein weiterer Cb am Horizont:

Am Samstagabend wies mich, als ich eigentlich anderweitig beschäftigt war, ein aufmerksamer Freund, auch angehender Meteorologe, telefonisch darauf hin, dass etwas auf mich zuzöge und als ich daraufhin aus dem Fenster sah, bemerkte ich Wetterleuchten. Also nix wie los und es gab ein schönes und recht blitzintensives Nachtgewitter welches knapp südlich an mir vorbeizog. Selbst um 23:30 Uhr waren es nach den mittäglichen 37 Grad (Meteomedia) immer noch 28 Grad in den Weinbergen, Rheinstetten und Straßburg maßen um 23 Uhr Taupunkte um die 18 Grad und so erklärt sich auch das recht heftige Gewitter, welches ein paar wenige Stunden durchhielt.












Da es zunehmend nach Osten abzog, wagte ich mich noch zur Wetterstation des KIT auf die Hornisgrinde (ca. 1130 m), von wo man einen guten Blick nach Osten hat. Allerdings war im Osten dann schon wieder etwas Ruhe eingekehrt, während im Westen noch ein bisschen was zu sehen war.






Angesichts der gestrigen Lage verabredete ich mich dann mit einem Freund, schon erfahrenerer Meteorologe, zum Chasing. Anfangs hatten wir noch die Hoffnung, eventuell in der Rheinebene was abzukriegen, aber wir beschlossen dann, das enorme Potential im Schwabenländle nicht einfach links liegen zu lassen und machten uns vorerst auf den Weg Richtung Stuttgart.
Kaum waren wir aufgebrochen, war auf Sat und Radar auch schon die Zündung am Südschwarzwald mitzuverfolgen und kurz vor Stuttgart ließ sich bereits ein Schirm am südwestlichen Horizont ausmachen.
In Stuttgart angekommen boten sich uns dann nie gesehene Eindrücke, die uns bereits zu diesem Zeitpunkt trotz der knapp 30 Grad Gänsehaut bescherten.




Sogar mit schönen Krepuskularstrahlen an der Seite:

Bei diesem Anblick war schnell klar, dass Stuttgart nicht schon Endstation unserer Reise war, sondern erstmal wieder ein bisschen Land zwischen uns und Zelle gewonnen werden musste.
Auf dem Weg zurück zur Autobahn hielten wir noch ein paar Mal an, da der Anblick einfach zu gewaltig war. Noch bevor wir wieder auf der Autobahn waren, war der Schirm schon über unsere Köpfe hinweg gezogen. Auf dem nachfolgenden Bild war es schon soweit, durch die zirkulare Projektion des Panos sieht es aber so aus, als wäre er noch ein Stück weg.

Ein Flieger hob noch vom Stuttgarter Flughafen ab, im Hintergrund das Südende mit der Versorgungslinie. Der Inflow war als starker bis steifer Wind zu spüren und strömte zum Südzipfel der Zelle.

Mit voller Kraft voraus ging es dann bis nach Kirchheim unter Teck, dort wieder runter und das nächste Feld gesucht:









Angesichts dieses Anblickes und der sehr heftigen Radarechos kam für uns ein Core-Punch keinesfalls infrage und wir flüchteten über die Albhochfläche bis nach Merklingen, wo wir dann wieder einen Blick riskierten.
Wir hatten alles richtig gemacht, die Zelle zog knapp nördlich an uns vorbei und zeigte uns nach der mehrstöckigen Shelf noch ein Stück ihres fantastischen eingeschraubten Aufwindturms. Hier war auch der Inflow schon fast mit Sturmstärke zu spüren.







Nachdem die Zelle uns nochmals ordentlich durchgeschüttelt hatte, ging es dann retour und wir fuhren bei Aichelberg wieder runter um zu schauen, was die Zelle angerichtet hatte. Bereits an der Autobahn lagen teilweise mindestens 20cm hohe Hagelansammlungen kleinerer Korngröße, allerdings nur punktuell. Das meiste war offenbar recht schnell wieder weggeschmolzen, auch die Hagelsteine die wir dann zwischen Aichelberg und Kirchheim fanden, waren zumeist schon wieder ziemlich abgeschmolzen. Die maximale Korngröße dürfte dort bei beachtlichen 6 cm gelegen haben, wahrscheinlich aber sogar noch größer, da die meisten Körner zerbrochen oder eben stark geschmolzen waren. Schäden konnten wir aber trotz der sehr großen Hagelsteine erstaunlicherweise keine solch extremen wie in Tübingen und Reutlingen beobachten. Was wir sahen beschränkte sich auf abgerissenes Grünzeug und verbeulte Autos sowie kleinere Überflutungen, aber wir sahen keine beschädigten Gebäude oder zerborstene Scheiben.
Bei Holzmaden und Ohmden:




strukturverstärkt:



In Kirchheim:

Für das erste richtige mehrstündige Chasing mit gleich fast 400 km zurückgelegter Strecke war das wirklich ein mehr als gelungener Einstand, da war schon verdammt viel Glück dabei, aber wir hatten wohl auch einfach den richtigen Riecher gehabt, was die Einschätzung der Lage betrifft.
Von mir aus hätte es aber gerne auch ohne den Hagel und die darausfolgenden Schäden ablaufen können. Das was ich schon an Bildern von gestern gesehen habe, lässt einem wirklich das Blut in den Adern gefrieren...
Was kommt als nächstes?! Hier steht zwar schon die nächste Hitzewelle an, da bin ich dann aber schon wieder im Norden.